Energiepreise und Klimaschutz

14.10.2008

Wie wirken sich hohe Kosten für fossile Brennstoffe auf die Treibhausgasemissionen in Deutschland aus? / Neue Studie online

Rohöl, Erdgas und Steinkohle werden immer teurer. Gut für den Klimaschutz, könnte man meinen, denn hohe Preise für Primärenergieträger motivieren zum Sparen. Doch so einfach ist die Rechnung leider nicht. Im Gegenteil: Die Wirkung von sinnvollen Klimaschutzinstrumenten kann durch steigende Energiepreise abgeschwächt oder ganz aufgehoben werden. Das zeigt eine Studie, die das Öko-Institut gemeinsam mit weiteren Partnern im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt hat.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben drei verschiedene Szenarien entworfen und die Entwicklung eines Referenzszenarios mit der eines Hochpreis- und eines Preisschockszenarios verglichen. Dabei wurde untersucht, wie sich die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Jahr 2000 nach den Zuteilungsregeln entwickeln, die in der ersten Handelsperiode des Emissionshandels galten, und welche Minderungen unter Annahme eines idealen Emissionshandelssystems zu erwarten wären. In einem solchen idealen System müssten Unternehmen Verschmutzungszertifikate prinzipiell ersteigern, statt diese kostenlos zugeteilt zu bekommen.

Die Analyse der Szenarien zeigt: Hohe Energiepreise führen zu signifikanten Energieeinsparungen vor allem in den Sektoren Haushalt, Verkehr sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Bei der Stromerzeugung haben sie dagegen nur eine vergleichsweise geringe Treibhausgasminderung zur Folge. Der Grund: Zwar wird die Energiegewinnung aus Erneuerbare Energien bei stark steigenden Preisen für Primärenergieträger wirtschaftlich interessanter. Gleichzeitig würde aber der Anteil an der Stromerzeugung aus Erdgas sinken und die Nutzung von Kohle wieder attraktiver werden. Denn im Vergleich zu Kohle steigt der Preis für Gas absolut stärker.

In einem idealen Emissionshandelssystem hätten Betreiber von Gaskraftwerken zwar Vorteile, denn die Energiegewinnung aus Gas ist gegenüber der Energiegewinnung aus Kohle und Erdöl deutlich umweltfreundlicher, weshalb weniger Verschmutzungsrechte als für Kohlekraftwerke erworben werden müssen. Diese Vorteile werden durch die hohen Preise für Erdgas jedoch weitgehend aufgehoben. Gaskraftwerke würden dadurch also unwirtschaftlicher.

„Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass Klimaschutz kein Selbstläufer ist. Wenn sich die Rahmenbedingungen verändern, kann sich die Wirkung einer grundsätzlich sinnvollen Klimaschutzmaßnahme wie dem Emissionshandel deutlich abschwächen“, fasst der Energieexperte Ralph O. Harthan vom Öko-Institut zusammen. „Die Ausgestaltung der bestehenden Instrumente muss also an die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Für eine ambitionierte Klimaschutzpolitik sind außerdem weitere Instrumente notwendig.“

Hier >> gelangen Sie zum kostenlosen Download der vollständigen Studie.

Ansprechpartner

Ralph O. Harthan
Öko-Institut e.V, Büro Berlin
Institutsbereich Energie & Klimaschutz
E-Mail Kontakt