Im Fokus

Wal, Schiff oder Beben?

Passives seismisches Monitoring für die CO2-Speicherung

Christiane Weihe

Man kann sehen, wenn ein Schiff vorbeigekommen ist. Oder auch ein Schweinswal, wenn er laut genug war. Sogar, wenn der Wind Wellen erzeugt oder weiter entfernt ein Sturm vorbeizieht, zeichnet das Gerät dies auf. Und natürlich: Ob es ein Seebeben gab. K. U. M. produziert so genannte Ozeanboden-Seismometer. „Diese messen die Bodenschwingungen und zeichnen sie auf. So können wir zum Beispiel prüfen, ob sich ein Gebiet mit Blick auf die seismische Aktivität grundsätzlich für die Speicherung von CO2 eignet“, erklärt Dr. Florian Schmid, Leiter der Abteilung für seismische Systeme bei K. U. M. Bis zu einer Magnitude von 3 sei ein Beben unkritisch und es seien keine Schäden zu befürchten. „Ab einer Magnitude von 4 oder 5 wird es kritisch, aber das gibt es in Deutschland quasi nicht. Aus seismologischer Sicht spricht nichts gegen eine CO2-Speicherung in der Nordsee.“

Darüber hinaus geben die Geräte Einblick in die Art des Gesteins. „Man kann über seismische Wellen die Struktur der Erdkruste untersuchen. Je nach ihrer Geschwindigkeit lassen sich Aussagen über die geologische Zusammensetzung und deren Veränderung treffen.“ Auch nach der Speicherung von CO2 im Untergrund sind die Seismometer wirksam. „Durch die Verpressung können sich Spannungen in Form von Mikro-Erdbeben lösen. Mit unseren Geräten kann man hier ein Monitoring machen und auf Grundlage der bisherigen Aufzeichnungen prüfen, ob die Seismizität im Zusammenhang damit steht oder andere Gründe hat“, sagt der marine Seismologe.

Die Seismometer laufen über Batterien und speichern ihre Aufzeichnungen. Zukünftig soll es aber auch aus der Ferne möglich werden, die seismische Entwicklung zu beobachten. „Wir arbeiten an einem Live-Streaming von Daten. Dies kann etwa über die Verkabelung der Geräte mit Bojen geschehen, die dann über Satelliten die Seismizität übermitteln.“ Der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Auswertung der Daten ist ebenfalls bereits in der Diskussion. „Das langfristige Ziel ist, dass eine KI unterscheiden kann, ob es sich bei einer Aktivität um ein vorbeifahrendes Schiff oder ein Beben handelt und dann nur im zweiten Fall Alarm schlägt.“

Weitere Informationen

Dr. Florian Schmid
K.U.M. Umwelt- und Meerestechnik Kiel GmbH

Wischhofstraße 1-3
Gebäude 15/16
24148 Kiel

Florian.Schmid@kum-kiel.de 
www.kum-kiel.de