Porträt: Karoline Schacht (WWF Deutschland)
Christiane Weihe
Für sie ist es ein schmerzhafter Spagat. Als Meeresbiologin will sie die Meere schützen. Gleichzeitig weiß sie, dass auch Windparks gebraucht werden oder sogar CCS dem Klima dienen kann. „Es klingt ja wie eine gute Idee, CO2 daran zu hindern, in die Atmosphäre zu gelangen. Aber wir müssen dafür Sorge tragen, dass die CO2-Speicherung und andere Nutzungen der Nordsee ihre ökologische Tragfähigkeit nicht überschreiten“, sagt Karoline Schacht, Meeresschutzexpertin beim WWF. „Daher muss es Bedingungen geben. CCS darf zum Bespiel die international gültigen Biodiversitäts- und Meeresschutz-Ziele nicht gefährden, es braucht ein durchdachtes Risikomanagement sowie geschützte Rückzugs- und Regenerationsräume für die Meeresbewohner.“
„Bei CCS-Projekten sind Umweltverträglichkeitsprüfungen unverzichtbar – das gibt auch den Betreibern Sicherheit mit Blick auf mögliche Risiken.“
Schon heute seien die marinen Ökosysteme durch zahlreiche Nutzungen stark unter Druck. „Meeresschutzgebiete machen nur Sinn, wenn sie unzerschnitten bleiben und ihren Schutzauftrag erfüllen können.“ Die politische Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz nehme aber aktuell eher ab. „Es ist eine Katastrophe für den Naturschutz, wenn zum Beispiel Umweltverträglichkeitsprüfungen oder Eingriffsregelungen ausgesetzt werden. Was wir heute kaputt machen, steht morgen nicht mehr zur Verfügung. Dabei ist eine stabile Umwelt auch die Lebensgrundlage für uns Menschen.“
Karoline Schacht
WWF Deutschland
Mönckebergstr. 27
20095 Hamburg
Mail: Karoline.Schacht@wwf.de
Zur Person
Karoline Schacht ist Diplom-Meeresbiologin und hat einen Master in Umwelt und Bildung. Sie hat bereits von 2006 bis 2017 als Expertin für EU-Fischereipolitik für den WWF Deutschland gearbeitet. Anschließend war sie unter anderem für die Universität Kiel sowie das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) tätig. Seit 2022 gehört sie wieder zum Team des WWF, nun als Senior Policy Advisor Marine Conservation. In dieser Funktion hat sie auch eine CO2-Infrastrukturanalyse von WWF und Öko-Institut begleitet, die sich mit dem Transport von CO2 zum Zwecke der Einspeicherung befasst.