Im Fokus

Porträt: Judith Reise (Öko-Institut)

Christiane Weihe

In Berlin-Marzahn, wo sie aufgewachsen ist, stand es vor etwa 20 Jahren nicht gut um die Wuhle. Sie drohte vollständig auszutrocknen. „Die Senatsverwaltung hat dann Maßnahmen beschlossen, um einen Teil des Flusslaufs zu renaturieren. Das hat mir gezeigt, dass man Schäden an der Natur reparieren kann“, sagt Judith Reise. „Daher finde ich es gut, dass die europäische Wiederherstellungsverordnung das Ziel enthält, 25.000 Kilometer Flüsse wieder in frei fließende Gewässer zu verwandeln.“

„Wenn wir den Verlust von Biodiversität in Europa aufhalten wollen, wird es mehr als die Maßnahmen aus nationalen Wiederherstellungsplänen brauchen.“

Gleichzeitig braucht es aus Sicht der Wissenschaftlerin Anstrengungen, die über die Wiederherstellungsverordnung (W-VO) hinausgehen. „Die W-VO bietet eine wichtige Grundlage, um beispielsweise bei der Entwicklung des Europäischen Natura 2000-Netzwerkes substanziell weiterzukommen. Die Anstrengungen müssen aber weit darüber hinaus gehen, um die Funktionsfähigkeit unserer Ökosysteme zu sichern und wiederherzustellen.“ Sie plädiert unter anderem für sinnvoll eingesetzte Fördermittel, um zum Beispiel gezielt Landwirt*innen zu unterstützen, die Paludikulturen anbauen. Auch heute kommt Judith Reise übrigens immer wieder für einen Spaziergang nach Marzahn zurück. „Es ist wahnsinnig schön, den natürlichen Flusslauf zu sehen und wie sich Vögel und Bäume diesen Raum mit etwas Hilfe zurückerobert haben.“ 

Kontakt

Expertise

Wichtige Projekte

  • Unterstützung der nationalen Umsetzung der Ziele zur Wiederherstellung der Natur (BfN, seit 2024)
  • Evaluationskonzept für Maßnahmen der EU Wiederherstellungsverordnung (BfN, seit 2026)
  • Biodiversitäts-Check für Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen des Bundes (BfN, seit 2025)
  • Umsetzung regionaler naturbasierter Klimaschutzprojekte auf kommunalen Flächen in Baden-Württemberg (KSS Baden-Württemberg, seit 2026)
  • Unterstützung des deutsch-chinesischen Track-II-Dialogs (T2D) zu Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung in der Arbeitsgruppe Biodiversität und Klima / NbS (GiZ, seit 2024)

Ausbildung und Berufserfahrung

  • 2006 – 2009: Bachelor of Science Biodiversität und Ökologie, Universität Göttingen
  • 2011: Master course “Applied Marine Conservation Ecology“, Stockholm University
  • 2009 – 2012: Master of Science Global Change Ecology, Universität Bayreuth
  • 2013: Wissenschaftlich technische Mitarbeiterin (remote sensing-based modelling of Natural Capital), Zoological Society London, Institute for Zoology
  • 2015 - 2020: Wissenschaftliche Mitarbeiterin (WEHAM-Szenarien und naturschutzfachliche Auswertung der 3. Bundeswaldinventur) Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Fachbereich für Wald und Umwelt, Fachgebiet Angewandte Ökologie und Zoologie
  • Seit 09/2019: Wissenschaftlerin am Öko-Institut im Bereich Energie und Klimaschutz

Aktuelle Publikationen