Lärmschutz rund um den Flughafen Frankfurt

Der Frankfurter Flughafen (Fraport) ist Deutschlands größter, Europas drittgrößter und weltweit der neuntgrößte Flughafen. Bis zu 1.500 Flugzeuge starten und landen hier täglich. Die Lärmbelastung für Bewohnerinnen und Bewohner nahegelegener Siedlungen, insbesondere derer, die direkt im Bereich der Ein- und Abflugschneisen liegen, ist extrem hoch. Wie die aktuelle Lärmwirkungsforschung zeigt, sind die gesundheitlichen Folgen von Fluglärm beträchtlich. Daher gilt es, die Betroffenen bestmöglich vor den negativen Auswirkungen des Luftverkehrs zu schützen.

Man unterscheidet hierbei zwischen aktiven und passiven Lärmschutzmaßnahmen. Aktiver Fluglärmschutz versucht etwa, den Lärm durch technische Maßnahmen direkt an der Quelle, also am Flugzeug selbst, zu vermeiden oder zu reduzieren. Weitere aktive Maßnahmen sind die Optimierung von Flugrouten oder eine zeitlich unterschiedliche Nutzung von Routen und Bahnen, so dass die Lärmemissionen anders verteilt werden. Neue Flugverfahren ermöglichen es, länger in größeren Höhen zu fliegen, um den am Boden ankommenden Lärm zu reduzieren. Nicht zuletzt gilt es, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Lärmschutz besser umgesetzt werden kann.

Passive Schallschutzmaßnahmen hingegen schützen die Menschen durch bauliche Mittel. Definierte, besonders stark betroffene Gebiete haben Anspruch auf bestimmte passive Lärmschutzmaßnahmen: So können sich Hauseigentümerinnen und -eigentümer Aufwendungen für baulichen Schallschutz erstatten lassen. Zudem dürfen keine Krankenhäuser, Altenheime, Erholungsheime und ähnliche schutzbedürftigen Einrichtungen errichtet werden.

Rechtliche Standards: das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm (FluLärmG)

2007 novellierte die Bundesregierung das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm (FluLärmG). Ziel des Gesetzes ist es, die Bevölkerung vor Fluglärm zu schützen. Dabei adressiert das Gesetz jedoch nicht den aktiven Schallschutz sondern fokussiert auf passive, also bauliche Maßnahmen an den Häusern. Das Gesetz muss regelmäßig, spätestens alle zehn Jahre, evaluiert werden, um abzugleichen, ob die Zielsetzung – ein verbesserter Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm – auch erreicht wird. Die Bundesregierung erstattet dem Bundestag über die Fortschritte Bericht.

Das FluLärmG schreibt anhand von Lärmgrenzwerten die Festlegung von Schutzzonen (für den Tag- und Nachtzeitraum differenziert) rund um Flughäfen vor. Aus der Festlegung resultieren, je nach Schutzzone, unterschiedliche Folgen: Hauseigentümer können Ansprüche auf baulichen Schallschutz oder auf Entschädigung für die eingeschränkte Nutzung ihres Außenwohnbereichs haben. In den Umlandkommunen gelten Bauverbote für Wohnungen oder die Neuerrichtung von besonders schutzbedürftigen Einrichtungen, wie Krankenhäusern oder Altenheimen.

Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern beim Lärmschutz

Weniger Lärm: Breitere Beteiligung bei der Festlegung von Flugrouten

Wie effektiv schützt das Gesetz vor Lärm? Gutachten zeigen Handlungsbedarf auf

Zwei Gutachten, die das Öko-Institut im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) und im Kontext der Evaluation des Fluglärmschutzgesetzes erstellt hat, belegen, dass durchaus Handlungsbedarf besteht, um Anwohnerinnen und Anwohner tatsächlich effektiv vor Fluglärm zu schützen. Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass die existierenden rechtlichen Regelungen zum Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm nicht auf eine Reduzierung des Lärms an der Quelle abzielen.

Daher fordern die Gutachten eine vorrangige Berücksichtigung von aktivem Schallschutz beim Schutz vor Fluglärm. So zeigt eine Analyse des Stands der Luftfahrttechnik, dass hier durchaus noch Potenziale zu erschließen sind. Des Weiteren ergeben neuere Studien der Lärmwirkungsforschung, dass sowohl die Belästigungswirkung von Fluglärm als auch die langfristigen physiologischen Auswirkungen größer sind, als bisher angenommen. Die existierenden Schwellenwerte sind daher nicht ausreichend.

Zudem differenziert das FluLärmG sowohl zwischen bestehenden Flughäfen und neu gebauten oder ausgebauten Einrichtungen als auch zwischen ziviler und militärischer Nutzung. Aus wissenschaftlicher Sicht ist eine solche Ungleichbehandlung der Anwohnerinnen und Anwohner nicht zu rechtfertigen.

Gutachten „Weiterentwicklung der rechtlichen Regelungen zum Schutz vor Fluglärm“ des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes

Gutachten „Evaluation der 2. Fluglärmschutzverordnung“ des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes

Aktiver Schallschutz: technische Maßnahmen am Flugzeug, das Umfliegen von Siedlungsgebieten, Flugrouten

Eine ganze Reihe von Maßnahmen kann den Fluglärm aktiv reduzieren. Wo immer möglich sollte die Lärmminderung dabei direkt am Flugzeug ansetzen, wie beispielsweise durch sogenannte Wirbelgeneratoren, die besonders unangenehme, direkt unter den Tragflächen entstehende Pfeifgeräusche unterdrücken. Lufthansa und Condor haben sämtliche Maschinen vom Typ A320 mit der Technologie ausgerüstet, weitere Fluggesellschaften wollen nachziehen. Kontinuierlich ersetzen die Airlines zudem laute Flugzeugtypen durch leisere. Seit 2016 hat die Lufthansa die besonders laute Boeing 737 vollständig aus ihrer Flotte entfernt.

Zudem hilft es den von Fluglärm Betroffenen, den Abstand von Siedlungsgebieten zur Lärmquelle zu erhöhen. So reduziert ein steilerer Landeanflug in einem Winkel von 3,2 statt der üblichen 3 Grad den Schallpegel, da Wohngebiete in größerer Höhe überflogen werden.

Die Verlegung von An- und Abflugrouten in weniger dicht besiedelte Gebiete verringert zwar nicht die Lärmemissionen an sich, reduziert jedoch die Anzahl der davon Betroffenen. Ein transparentes Konsultationsverfahren bezieht seit 2018 die Belange aller betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner ein. Zudem wurden verschiedene Technologien zur Verbesserung der Spurtreue entwickelt: Indem Flugzeuge mittels fester Kurvenradien besser die geplante Spur halten, verringert sich die Größe des überflogenen Gebiets

Wichtig sind auch die Rahmenbedingungen für aktiven Schallschutz. Die Fluglärmreduktionsforschung am Standort Frankfurt bleibt durch kontinuierliches Monitoring stets auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, um vielversprechende Lösungsansätze in die Anwendung zu bringen. Zusätzlich gibt es Bemühungen, vereinfachte Genehmigungsverfahren zu ermöglichen, um neue Schallschutzmaßnahmen schneller im Probebetrieb testen zu können.

Expertengremium Aktiver Schallschutz (Expass)

Seit seiner Entstehung koordinieren und unterstützen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Öko-Instituts die Arbeit des Expertengremiums Aktiver Schallschutz (Expass) innerhalb des Forums Flughafen und Region (FFR). Dieses hat den Auftrag, kontinuierlich Verbesserungen zum Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm zu erarbeiten.

Hier identifizieren Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Interessensgruppen – Politik, Luftverkehrswirtschaft, Repräsentanten betroffener Kommunen, Wissenschaft und unabhängige Fachleute – Maßnahmen für einen wirkungsvollen aktiven Schallschutz, prüfen und bewerten diese. Ziel ist es, einen Konsens über lärmmindernde Maßnahmen zu erreichen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Öko-Instituts begleiten diese Arbeit und leisten so einen wichtigen Beitrag, aktiven Schallschutz zu realisieren.

Rolle des Öko-Instituts im Expertengremium Aktiver Schallschutz

Expertengremium Aktiver Schallschutz

Ein wesentlicher Meilenstein der Arbeit von Expass ist das 2018 veröffentlichte Maßnahmenprogramm Aktiver Schallschutz. Es enthält sowohl kurz- und mittelfristig umsetzbare als auch langfristige Vorhaben und Forschungsprojekte. Weitere Aktivitäten zielen auf rechtliche und politische Rahmenbedingungen des Flugbetriebs ab.

Ein neues Element ist das lokale Konsultationsverfahren mit betroffenen Kommunen bei lärmverlagernden Maßnahmen. Denn in vielen Fällen geht es um die Abwägung von Interessen: So kann die Verlagerung einer Flugroute eine größere Anzahl von Menschen in einem dichter besiedelten Gebiet entlasten. Dennoch entsteht damit zum Teil eine höhere Belastung für die Bevölkerung in einem anderen Gebiet, auch wenn ihre Zahl geringer ist. Hier gilt es mit größtmöglicher Transparenz vorzugehen. Im zweiten Halbjahr 2018 fand beispielsweise die Konsultation zur möglichen Verschiebung der Abflugroute AMTIX-kurz in Darmstadt statt.

Expass-Bericht „Das Maßnahmenprogramm Aktiver Schallschutz am Frankfurter Flughafen“

Webseite zum Konsultationsverfahren für AMTIX-kurz unter Beteiligung des Öko-Instituts