Umweltschutz im internationalen Sport

Müllberge, CO2-Emissionen, Zerstörung von sensiblen Naturräumen sind negative Umweltaspekte, die häufig die Austragung von Sportgroßveranstaltungen begleiten. Möglichkeiten, diese zu minimieren, gibt es. Hier gelten insbesondere die vom Öko-Institut erarbeiteten und vom DFB beauftragten Umweltkonzepte für die beiden Fußballweltmeisterschaften in Deutschland 2006 und 2011 als beispielhaft.

Nachhaltige Olympische Spiele 

Auf internationaler Ebene wachsen die Bemühungen, den Umweltschutz im Sport zu verankern und Sportgroßveranstaltungen nachhaltiger zu gestalten. Das IOC, das Internationale Olympische Komitee hat seit 1994 neben Sport und Kultur den Umweltschutz als dritte Grundfeste des Olympismus festgeschrieben. Seit 1995 hat das IOC eine Sport- und Umweltkommission sowie eine Agenda 21 für Sport und Umwelt. Die Olympischen Spiele 2000 in Sydney glänzten als die ersten „grünen“ ihrer Art.

Insbesondere in Ländern, deren Erfahrungsschatz bei der Ausarbeitung von geeigneten Umweltschutzprogrammen für Sportgroßveranstaltungen gering ist und die politischen Rahmenbedingungen dafür ungünstig sind, spielen internationale Organisationen und der Rat von internationalen Fachexperten eine wichtige Rolle. Im Vorfeld der im Winter 2014 stattfindenden Olympischen Spiele im russischen Sotschi hat die UNEP bereits einen umfangreichen Aktionsplan zur Minimierung negativer Umweltwirkungen ausgearbeitet. Das Öko-Institut unterstützte die UNEP bei Fragen zur Standortwahl von Wettkampfstätten und anderen Themen.

„Green Goal 2010 für Südafrika“

Für das Öko-Institut bedeutete „Green Goal 2006“ der Startschuss für internationale Beratungstätigkeiten. Vor allem bei den Vorbereitungen zur Fußball-WM 2010 in Südafrika berieten die Expertinnen und Experten des Instituts die Südafrikanische Regierung und das lokale Organisationskomitee auf dem Weg zu einem „Green Goal 2010“. Kein konkreter Maßnahmenkatalog für die Gastgeberstädte oder die Stadien waren hier die Aufgaben des Öko-Instituts, sondern der Wissens- und Erfahrungstransfer an die verantwortlichen Institutionen. Finanziert von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) führten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Beratungsgespräche und unterstützten Workshops in Südafrika. Eine vom Öko-Institut organisierte Tour unter anderem zu deutschen Stadien ermöglichte einer südafrikanischen Delegation Einblicke in erfolgreiche Maßnahmen zum aktiven Umweltschutz des „Green Goal“-Konzepts in Deutschland – wie beispielsweise das Mehrwegbechersystem.

„Green Rio“

Umweltkonzepte, die im Vorfeld von Sportgroßveranstaltungen erstellt werden, können positive Auswirkungen auf das ökologische und soziale Umfeld über das Event  hinaus haben. Für Rio de Janeiro, das in den kommenden Jahren Gastgeberstadt von mehreren Großveranstaltungen wie der Fußballweltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 sein wird, entwickelten das Öko-Institut und die Konrad-Adenauer-Stiftung eine Reihe von möglichen Umweltprojekten. Sie werden unterstützt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Dabei handelt es sich nicht nur um spezifische Maßnahmen für die einzelnen Events, sondern auch um solche, die die Lebensbedingungen in der Stadt als Ganzes in ökologischer und sozialer Hinsicht ein Stück weit verbessern sollen. Dazu zählen beispielsweise der Bau einer Biogasanlage, die Einführung eines Mehrwegsystems für Getränkebecher bei städtischen Veranstaltungen und das selbst organisierte Sammeln und Verwerten  von Abfällen in informellen Siedlungen.

Green Rio 2012 - Ergebnisbericht 

Umweltschutz im Spitzen- und Breitensport

Wie beispielsweise bei Rio zu sehen ist, haben Sportgroßveranstaltungen das Potential Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu initiieren, die positiv über das Event hinaus wirken. So liegt die Bedeutung der ökologischen Ausrichtung großer Sportevents auch in ihrer „Leuchtturmrolle“. Nicht nur auf die Host Cities – also die Städte in denen die Veranstaltungen stattfinden – sollen positive Effekte abstrahlen, sondern auch auf die vielen nationalen, regionalen und lokalen Vereine. Mega-Events sollten als Best-Practice Beispiele für den alltäglichen Sport in und außerhalb von Vereinen dienen. Als federführende Kraft sollten die jeweiligen Spitzenverbände konkrete Umweltschutzmaßnahmen wie die energetische Sanierung von Vereinsheimen oder die Vermeidung von Müll bei kleinen Sportturnieren fördern. Solche Investitionen entlasten nicht nur die Umwelt, sondern verringern längerfristig auch die laufenden Betriebskosten.

Sport als Botschafter für die Umwelt

Sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene muss das kommunikative Potential von Sport im Sinne der Umwelt noch stärker genutzt werden. Seine emotionalisierende Wirkung ist bestens dafür geeignet, sowohl Sportlerinnen und Sportler, Besucherinnen und Besucher aber auch Millionen vor ihren Fernsehern zu erreichen und sie für mehr Umweltschutz zu sensibilisieren. Auch Spitzensportler selbst, die insbesondere bei Jugendlichen häufig als Vorbilder gelten, sollen verstärkt als Botschafter für die Umwelt auftreten und die Dringlichkeit eines sensiblen Umgangs mit der Natur vermitteln.