Green Events – Kulturveranstaltungen nachhaltig ausrichten

Ob Kunstausstellung, Theaterbetrieb, Filmevent oder Konzert – Kulturveranstaltungen sind Orte der Begegnung, des Austausch, des Lernens, des Miteinander. Sie üben eine ungeheure Strahlkraft auf Menschen aus und bieten damit die Möglichkeit, neue Wege zu gehen – auch beim Thema Nachhaltigkeit. Zum einen können und sollten Veranstalter selbst überlegen, wie sie das eigene Event energiesparender und wassersparender organisieren können, wie sie Müll vermeiden und Treibhausgas reduzieren können.

Denn insbesondere Großveranstaltungen haben deutliche, negative Auswirkungen auf Umwelt und Klima, verbrauchen wertvolle Rohstoffe und hinterlassen ungenutzte Materialien. Um konkrete Maßnahmen zu ergreifen und dabei an den richtigen Stellen anzusetzen, ist zunächst eine Bestandsaufnahme der eigenen Wirtschaftsweise und ihrer Auswirkungen auf Natur und Umwelt vonnöten. Auf dieser Basis kann dann ein Konzept erstellt werden, das spezifische Maßnahmen zur Vermeidung oder zur Minderung der schädlichen Auswirkungen festlegt.

Zum anderen bieten sowohl große als auch kleine Kulturevents die Chance, die Besucherinnen und Besucher zu mehr Umweltschutz zu sensibilisieren. Ob es die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist oder das Angebot von biologisch erzeugten Speisen und Getränken in Mehrweggeschirr – viele Kulturinteressierte legen heute schon Wert darauf, dass ihr persönlicher Konzert- oder Ausstellungsbesuch möglichst umweltverträglich bleibt. Kunst- und Kulturveranstalter sind leider heute noch im Hintertreffen, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit im eigenen Haus geht. Das muss nicht so bleiben, gibt es doch schon zahlreiche Positivbeispiele und erste Initiativen, um gesammelte Erfahrungen für andere nutzbar zu machen.

Nachhaltige Filmkunst – das Beispiel Berlinale

Jedes Jahr im Februar präsentiert die Berlinale Filme aus aller Welt. Zeitgenössische Filmkunstwerke, Retrospektiven, junges Kino und vieles mehr – das Festival gilt seit vielen Jahren als eines der wichtigsten Events der internationalen Filmbranche. Aber nicht nur der künstlerische Anspruch ist hoch. In Zukunft will die Berlinale zudem klimaschädliche Treibhausgase möglichst weitgehend vermeiden. Das Öko-Institut erstellt deshalb bereits seit 2010 im Auftrag Energieversorgers ENTEGA eine jährliche Klimabilanz für die Filmfestspiele.

Jetzt entwickeln die Expertinnen und Experten Strategien und Maßnahmen, wie langfristig, weitreichende Emissionsminderungen erzielt werden können. Auch das Beispiel Berlinale zeigt, dass insbesondere bei den An- und Abreisen von Künstlerinnen und Künstlern, Filmschaffenden sowie Besucherinnen und Besuchern viele CO2-Emissionen entstehen. Aber auch die Bereiche Strom- und Wärmeverbrauch, Druckerzeugnisse und Logistiktransporte haben ihren Anteil an der Gesamtbilanz. Wenn es am 7. Februar 2013 wieder heißt "Vorhang auf" wird die Berlinale in einem ersten Schritt ihren Strombezug für die Büroräume auf Ökostrom umgestellt haben und in einer Kooperation mit der Deutschen Bahn ein Berlinale-Ticket anbieten, das zur umweltfreundlichen Anreise anregt. Nicht zuletzt achtet die Berlinale beim Catering darauf, vorwiegend fleischlose Speisen anzubieten.

Umweltkonzept für Umweltfestival

Das Festival ÜBER LEBENSKUNST ist im Jahr 2011 angetreten, einen "Doppelschlag" in Sachen Nachhaltigkeit zu wagen. Zum einen wollten sich Kulturschaffende aus aller Welt künstlerisch mit der Frage auseinandersetzen "Wir wollen wir in Zukunft (nachhaltig) leben?". Zum anderen sollte die fünftägige Veranstaltung selbst möglich nachhaltig – sprich mit wenig Treibhausgasen, Müll, Energie und Wasser – ausgerichtet werden. Um vor allem das zweite Ziel zu erreichen, begleitete das Öko-Institut ÜBER LEBENSKUNST bei der Umsetzung eines Umweltkonzeptes.

Darunter verstehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein umfassendes Maßnahmenbündel zur Energie- und Ressourceneinsparung in allen Bereichen: vom Einsatz von Baustoffen, über ein Mobilitätskonzept, das auf den öffentlichen Nahverkehr setzt, bis hin zu einem Catering mit biologisch angebauten und regional vertrieben Produkten. Das Ergebnis: Allein der Einsatz von Videokonferenzen für künstlerische Performances und Konferenzbeiträge anstelle von Flugreisen sparte 177 Tonnen Treibhausgase ein. Diese eingesparten Flüge verringerten die Emissionsbilanz um rund 40 Prozent von 458 auf 281 Tonnen CO2.

Überzeugen, verändern, verbessern

Aus Erfahrungen lernen. Das wollten die Macherinnen und Macher des Festivals ÜBER LEBENSKUNST nicht nur selbst – die erworbenen Erfahrungen weitergeben und andere bei der Konzeption umweltschonende Veranstaltungen zu unterstützen, war erklärtes Ziel der Festivalbetreiber. Unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes und mit wissenschaftlicher Begleitung des Öko-Instituts erstellten sie einen Leitfaden, der in allen Projektphasen des Kulturbetriebs Hinweise für den nachhaltigen Betrieb gibt.

Von der Konzeption und Planung, über die die Durchführung der Veranstaltung bis hin zur Projektnachbereitung – Veranstalter finden im Leitfaden für alle Projektphasen konkrete Maßnahmen mit Erläuterungen und Auswirkungen für die Bereiche Mobilität, Beschaffung und Dienstleistungen, Catering, Kommunikation und Entsorgung.

Nachhaltige Kulturveranstaltungen hören nicht beim Energiesparen oder Müll trennen auf. So wichtig die genannten Teilbereiche für den Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutz sind, müssen künftig auch soziale und wirtschaftliche Aspekte bei Nachhaltigkeitskonzepten eine wachsende Rolle spielen. Das bedeutet beispielsweise auch, dass Lösungen gefunden müssen, um die vielfach unsicheren Arbeitsverhältnisse von zeitlich befristeten Veranstaltungen zu sichern. Auch stehen der finanzielle Druck und kleine Budgets vieler Veranstaltungen dem Wunsch der Organisatorinnen und Organisatoren entgegen, die Events ökologischer auszurichten.

Doch bereits wenige Schritte helfen, Veranstaltungen nachhaltiger zu gestalten und sparen nicht zuletzt langfristig häufig Geld ein. So können beispielsweise Inneneinrichtungen von Ausstellungen oder Messebau mit kreativen Ideen weitergenutzt, anfallender Müll vermieden und daraus eventuell sogar Einnahmen erzielt werden.