Entsorgung radioaktiver Abfälle

Im Themenfeld Entsorgung radioaktiver Abfälle bearbeitet das Öko-Institut Fragestellungen zu folgenden Themen:

Zwischenlagerung – Anforderungen für eine befristete Lösung

Der Betrieb von Kernkraftwerken hinterlässt abgebrannte Brennelemente, Abfälle aus der Wiederaufarbeitung und Betriebsabfälle mit geringerer Radioaktivität. Alle radioaktiven Abfälle müssen über mehrere Jahrzehnte sicher verwahrt werden. Entsprechend müssen sowohl die Lagereinrichtungen aber auch die einzelnen Abfallgebinde spezifische Anforderungen erfüllen.

In unseren Arbeiten befassen wir uns einerseits mit den technischen Voraussetzungen, die die Abfälle, die Verpackungen und Abfallgebinde sowie die Lagergebäude erfüllen müssen. Andererseits kümmern wir uns um verschiedene organisatorische Fragestellungen, die wichtig sind, um den Umgang mit den Abfällen von der Entstehung bis zur Endlagerung sicher zu managen. Dazu gehört das Management von Alterungseffekten z. B. von Technik und Infrastruktur oder die Organisation des Wissens- und Kompetenzerhalts über mehrere Jahrzehnte.

Endlagerung – Langfristige Lösungen gesucht

In Deutschland sollen alle Arten radioaktiver Abfälle in Endlager in tiefen geologischen Formationen verbracht werden. Insbesondere hinsichtlich der Endlagerung der Wärme entwickelnden Abfälle (i. W. hochradioaktive Abfälle und abgebrannte Brennelemente) sind allerdings bis zur Realisierung eines solchen Endlagers noch verschiedene Fragen zu klären.

Wir leisten Beiträge sowohl zu naturwissenschaftlich-technischen Fragen der Endlagerung als auch zu den damit verbundenen sozialwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekten. So erarbeiten wir Empfehlungen, wie das Verfahren bei der Suche nach einem Endlagerstandort gestaltet werden soll. Wir tragen dazu bei, Sicherheitskriterien zu entwickeln, anhand derer ein Endlagerstandort objektiv und nachvollziehbar bewertet werden kann.

Wir konzipieren methodische Vorschläge, um beispielsweise wasserrechtlich relevante chemotoxische Inhaltsstoffe in einem Verfahren zur Endlagersuche angemessen zu berücksichtigen.

Rückbau – Was kommt nach dem Atomausstieg?

Nach der Abschaltung müssen die Kernkraftwerke zurückgebaut werden. Der Rückbau, der erfahrungsgemäß etwa 20 Jahre dauert, birgt zahlreiche Herausforderungen wie zum Beispiel die Logistik der Abfallströme oder die Demontage kontaminierter Gebäudestrukturen.

Wir unterstützen die Aufsichtsbehörden bei Rückbauvorhaben - beispielsweise der Kernkraftwerke Rheinsberg und Lingen - bei der Umweltverträglichkeitsprüfung und bei der gutachterlichen Bewertung des Rückbaufortschritts. Wichtige Aufgabenstellung dabei ist es, radioaktive Verunreinigungen in Gebäuden und ggf. auch im Untergrund zu erkunden, zu bewerten und zu beseitigen.

Uranbergbau – Die Bewältigung von strahlenden Altlasten

Der Uranbergbau hat in Deutschland tiefe Spuren hinterlassen und verursacht auch weltweit, besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern, große Umweltschäden. In diesen Ländern stellen teilweise unzureichend gesicherte Bergbaugelände eine Gefahr für die örtliche Bevölkerung dar.

Wir haben uns über viele Jahre mit den deutschen "Ewigkeitslasten" des Uranbergbaus befasst. Schwerpunkt unserer Arbeiten war die Bewertung der Strahlenexposition der örtlichen Bevölkerung beispielsweise im Hinblick auf die Nachnutzung der sanierten Gelände. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachten den weltweiten Uranbergbau von einem kritischen Standpunkt aus und fordern in zahlreichen Gutachten einen qualifizierten Umgang mit den entstehenden Umweltproblemen ein.
 
Entsorgung untertage – Chemotoxische Abfälle und CCS

Werden Abfälle unterirdisch deponiert, muss geklärt werden, ob chemische Stoffe möglicherweise das Grundwasser gefährden können. Dabei ist der gesetzlich festgeschriebene Grundwasserschutz oberstes Ziel. Das Öko-Institut bewertet die Sicherheit möglicher Lageroptionen und Entsorgungswege für chemotoxische Abfälle.

Darüber hinaus forschen wir zu den Möglichkeiten und Restriktionen der Lagerung großer Mengen an Kohlendioxid in tiefen geologischen Formationen (Carbon Capture and Storage-, kurz: CCS-Technologie) und beteiligen uns an der Entwicklung entsprechender Regelwerke.