Mehr als Verbote – Produktpolitik für klimafreundlicheren Konsum in der EU

Fernseher, Waschmaschine & Co. – beim Kauf eines neuen Haushaltsgerätes spielen zahlreiche Faktoren wie Preis, Aussehen oder Klimawirkung eine Rolle. Über viele von ihnen kann der Käufer oder die Käuferin Informationen finden. Zentrale Ausstattungseigenschaften, wie zum Beispiel die Größe des Bildschirms oder die Anzahl der Waschprogramme, sind meist am Gerät selbst erkennbar. Nicht so der Gesamtenergieverbrauch.

Der Konsument erfährt häufig nicht oder nur nach intensiven Recherchen, wie viel Energie zur Herstellung des Produktes benötigt wurde und wie viel es während seiner Nutzung noch verbrauchen wird. Und: Geräte, die in der Anschaffung sehr günstig sind, verursachen häufig hohe Stromkosten im täglichen Gebrauch. Eine Verlustrechnung für Geldbeutel und Umwelt, betrachtet man die Bilanz aus beidem.

Politische Vorgaben stärken Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern …

Das Beispiel zeigt, dass Konsumentinnen und Konsumenten bei vielen Produkten zu wenig über verborgene Qualitäten oder negative Wirkungen wissen – Wirtschaftswissenschaftler sprechen von einem „klassischen Marktversagen“. Staatliche Eingriffe sind ein Mittel der Wahl, um das Informationsgleichgewicht wieder herzustellen. Die Europäische Union entschied, im Euroraum Mindeststandards für energieverbrauchende Geräte zu formulieren und verbindlich vorzugeben, verbunden mit einer Energiekennzeichnung.

… und schützen Umwelt und Klima

Ziel war es, einerseits die schlechtesten Geräte vom Markt zu nehmen, andererseits für mehr Transparenz an der Ladentheke zu sorgen und Verbraucherinnen und Verbraucher über Kosten aber auch über Umwelt- und Klimaauswirkungen von Produkten zu informieren. Denn alle Produkte haben Auswirkungen auf Umwelt und Klima: So ist der private Konsum etwa für ein Viertel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Bei der Herstellung von Waren wird häufig viel Wasser verbraucht, zahlreiche Geräte sind nicht recycelbar.

Grundlagen schaffen: Die EU-Ökodesign-Richtlinie

In einem ersten konkreten Schritt sollten deshalb für energieverbrauchende Geräte Berechnungen und Informationen über den gesamten Lebenszyklus – also von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung – vorgelegt werden. Energieeffizienzklassen von A bis G direkt auf dem Produkt sollten diese Informationen einfach und verständlich sichtbar machen. Diese Kennzeichnung gibt es bereits seit 1992 – nun wird sie aktualisiert und auf neue Geräte ausgeweitet. Hinzu kam 2005 die Ökodesign-Richtlinie. Sie ermöglicht es, Mindestanforderungen an energieverbrauchende Geräte festzulegen. Die Vorschriften gelten sowohl für Hersteller als auch für Importeure; sie schaffen gleiche Wettbewerbsbedingungen für Importware.

Vorstudien bündeln Informationen

Um die Mindestanforderungen an die Effizienz energiebetriebener Produkte zu formulieren, beauftragte die Europäische Kommission verschiedene Forschungseinrichtungen, Vorstudien durchzuführen. Diese sollten prüfen, welche Energieeinsparpotenziale bestehen, welche Anforderungen für die Hersteller wirtschaftlich zumutbar sind und ob es weitere Aspekte des Verbraucherschutzes es gibt, die berücksichtigt werden müssen.

Das Öko-Institut war an mehreren dieser Vorstudien beteiligt. So haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem für gewerblich genutzte Waschmaschinen und Geschirrspülmaschinen ökologische und ökonomische Daten zusammengetragen, das Einkaufsverhalten von Beschaffern beobachtet, beste Geräte der jeweiligen Klassen analysiert und Verbesserungen für die Produktkategorien vorgeschlagen.

Heute gibt es bereits für über vierzig Produktgruppen entsprechende Vereinbarungen, Entwürfe für Verordnungen oder verabschiedete Richtlinien. Ihr Spektrum reicht von Alltagsgegenständen wie Kühlgeräten, Staubsaugern oder Wäschetrocknern bis zu industriellen Pumpen, Büro- oder Straßenbeleuchtung und Industriefeuerungsanlagen.

Stakeholder können spezifische Sichtweisen einbringen

In einem zweiten Schritt lädt die Europäische Kommission Interessensgruppen und Vertreter der Mitgliedsstaaten ein, die Erkenntnisse zu diskutieren und die Umsetzung im Handel zu prüfen. In so genannten Stakeholderkonferenzen kommen Umwelt-, Industrie- und Verbraucherverbände zusammen und bringen ihre Sichtweisen ein.

Das Öko-Institut berät die europäischen Vereinigungen zum Schutz von Verbraucherrechten ANEC und BEUC bei der Erarbeitung ihrer Stellungnahmen zu einzelnen Produkten aus technisch-methodischer Sicht und unterstützt auch das Umweltbundesamt mit fachlichen Hintergrundinformationen.

Ökodesign – Quo vadis?

Neben „energieverbrauchenden Produkte“ haben jedoch viele andere Artikel ebenfalls Auswirkungen auf die Umwelt. Solche die selbst keine Energie verbrauchen, jedoch den Energieverbrauch anderer Produkte beeinflussen oder Ressourcen verbrauchen, wie Dämmstoffe oder Fenster. Der neue Arbeitsplan der EU deckt auch diese ab, unter dem Namen "energierelevante Produkte".

Darüber hinaus wäre es wünschenswert, wenn die Anforderungen der Ökodesign-Richtlinie in Zukunft noch anspruchsvoller würden. Diese sollten jenseits des Energieverbrauchs weitere Aspekte lebenswegübergreifend analysieren – zum Beispiel den Einsatz gefährlicher Stoffe oder die Frage, ob und wie Ressourcen wie Wasser effizient eingesetzt werden. Nur so können die gesetzlichen Standards schließlich anspruchsvollen Umweltzielen gerecht werden.

Verbraucherinformationen: Online- und Offlineangebote nutzen

Wie finden sich nun Verbraucherinnen und Verbraucher im Produktedschungel zurecht? Woran erkennen sie unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten „wertvolle“ Produkte? Orientierung bieten Medien und Informationsportale wie beispielsweise EcoTopTen des Öko-Instituts. Das Umweltzeichen Blauer Engel, berücksichtigt bei der Auszeichnung auch Kriterien wie beispielsweise den Ressourcen- oder Klimaschutz. Nicht zuletzt finden Interessierte Rat bei Organisationen wie Stiftung Warentest oder Internetangeboten wie www.label-online.de