Tödliches Geschäft: Bleirecycling in Afrika

Mehr als 800.000 Tonnen Blei aus Altbatterien fallen jährlich in afrikanischen Ländern an. Der Hauptanteil stammt aus ausrangierten Starterbatterien von vor Ort genutzten Pkw, Lkw und Motorrädern. Das Blei aus den Altbatterien wird zum Teil in kleinen Hinterhofbetrieben, aber immer öfter in größeren Anlagen zurückgewonnen. In beiden Fällen geht die Arbeit meist mit rudimentärer Technik und ohne Arbeitsschutz vonstatten und führt dabei zu schwerwiegenden und zum Teil lebensbedrohlichen Bleivergiftungen der Arbeiter sowie Anwohnerinnen und Anwohner, darunter auch Kinder. Diese extremen Gesundheitsrisiken sind vielfach den Betroffenen und der Öffentlichkeit nicht bewusst.

Spendenprojekt Lead Recycling Africa

Das Öko-Institut hat Ende 2014 das „Lead Recycling Africa Project“ mit der Unterstützung zahlreicher privater Spenden gestartet. Ziel der Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen in Äthiopien, Kamerun, Kenia und Tansania war es, dem Thema Bleirecycling vor Ort und international zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen und Lösungen für ein nachhaltiges Recycling von Bleibatterien zu beschreiben.

Der Großteil der Spendengelder wurde direkt an Umweltorganisationen vor Ort weitergegeben, um ihnen nötige Recherchen, Analysen und Öffentlichkeitsarbeit zu ermöglichen. Die Länderpartner waren: PAN – Äthiopien (Pesticide Action Nexus Association, Ethiopia), CREPD – Kamerun (Research and Education Centre for Development, Cameroon), AGENDA – Tansania (AGENDA for Environment and Responsible Development, Tanzania), CJGEA – Kenia (Center for Justice, Governance and Environmental Action, Kenya). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Öko-Instituts unterstützten und begleiteten die Expertinnen und Experten vor Ort konzeptionell und leisten Vorarbeiten für die Hintergrundrecherchen.

Zum Teil alarmierend – zentrale Ergebnisse des Spendenprojekts

Im Projektverlauf haben die afrikanischen Umweltgruppen in Äthiopien, Kamerun, Kenia und Tansania und das Öko-Institut wichtige und zum Teil alarmierende Erkenntnisse gewonnen:

  • In allen Ländern gibt es Bleischmelzen, die Autobatterien in großem Stil recyceln. In den Anlagen werden aber meist so gut wie keine Vorkehrungen getroffen, um Bleiemissionen zu vermeiden und Arbeiter und umliegende Anwohner zu schützen. Darüber hinaus werden vielerorts Autobatterien durch Kleinbetriebe in Hinterhöfen recycelt. Besonders problematisch ist dabei, dass in einigen Regionen wie zum Beispiel in Kamerun ein Teil des Bleis zur Herstellung von Kochtöpfen verwendet wird. Bleibelastungen großer Bevölkerungskreise sind dabei vorprogrammiert.
  • In Äthiopien werden defekte Autobatterien vor allem von Kleinbetrieben recycelt, die oft versuchen, die Batterien wieder in Stand zu setzen. Auch hier haben die meisten Arbeiter kein Wissen zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Blei. Entsprechend sorglos gehen sie mit Bleistaub, Dämpfen und Abfällen um. Aufgrund des beachtlichen Wirtschaftswachstums des Landes wächst der Kfz-Bestand – und parallel dazu auch das Aufkommen von Altbatterien – sehr schnell an, sodass von einer rapiden Verschärfung des Problems ausgegangen werden muss.
  • In Kenia haben die Recherchen der Partnerorganisation zur Bleiverschmutzung bereits vor Beginn des Projekts dazu geführt, dass einer Bleihütte die Betriebsgenehmigung entzogen wurde. Das Projekt unterstützte die Umweltgruppe dabei, darüber hinaus weitere Informationen zu anderen Recyclingbetrieben in Kenia zu sammeln und Standards für die sachgemäße Entsorgung der Altbatterien zu formulieren.
  • Literaturrecherchen ergaben, dass es auch in anderen afrikanischen Ländern zu systematischen Bleivergiftungen beim Batterierecycling kommt; häufig auch mit Todesfolgen. Dabei sind drei Fälle – jeweils einer in Senegal, Ghana und Kenia – besonders gut belegt.

Zentrale Forderung: Umwelt- und Gesundheitsstandards durchsetzen

Das unsachgemäße Bleirecycling ist nicht nur in vielen Ländern südlich der Sahara ein Problem. Fälle von Bleivergiftung wurden auch aus Ländern wie China, Vietnam, den Philippinen oder der Dominikanischen Republik gemeldet. Zentrale Forderung des internationalen Teams auf der zweiten Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) Ende Mai 2016 war deshalb: Regierungs- und Aufsichtsbehörden vor Ort sollen Standards zum umwelt- und gesundheitsgerechten Recycling von Bleibatterien massiv durchsetzen. Diese sollten nicht für jedes Land neu entwickelt werden, sondern vielmehr global Anwendung finden.

Zudem machte das Projekt deutlich, dass es vor Ort in Afrika meist keine Absatzmärkte für Blei gibt. So wird das aus den Batterien gewonnene Rohblei exportiert – auch nach Europa. Das Öko-Institut fordert deshalb, dass die Großabnehmer von Blei – etwa die europäische Kfz-Industrie – stärker Verantwortung für ihre Zulieferkette übernehmen sollten. Dies geschieht häufig bislang nur über Vorgaben an den ersten Zulieferbetrieb; der Anfang der Kette wird dabei weitgehend ausgeblendet. Nach Auffassung des Öko-Instituts sollte die europäische Industrie hier deutlich strengere Standards setzen.