Nachhaltigkeit im Sport: Fairer Wettkampf – faires Umweltkonzept

Sportgroßveranstaltungen, wie die Olympischen Spiele oder Fußballweltmeisterschaften, können wirkungsvoll Botschaften an Menschen auf der ganzen Welt tragen. Denn erstens sind solche Events stets mediale Großereignisse mit enormer Reichweite und zweitens können Informationen so auf emotionale Weise kommuniziert werden, was deren Wirkungsgrad erhöht.

Durch ihr Engagement im Umwelt- und Klimaschutz können Veranstalter sowohl die Events umweltschonender realisieren als auch diese Themen an Zuschauerinnen und Zuschauer vermitteln. Und für die lokalen Vereine und den Breitensport können solche Anlässe Impulsgeber sein, wie bei sportlichen Aktivitäten Umwelt- und Klimaschutz Berücksichtigung finden und Sportstätten nachhaltig betrieben werden können.

Sportgroßveranstaltungen als Vorbild

Sportgroßevents können als Vorbild dienen. Hier lässt sich in großem Maßstab zeigen, was alles möglich ist, damit negative Auswirkungen auf Umwelt und Klima vermieden werden. Einerseits sorgen der Energieverbrauch in den Sportstätten selbst und die Anreise von Sportlerinnen und Sportlern sowie der Fans für hohe Treibhausgasemissionen. Nachhaltig gestaltete Stadien und eine ökologische Lenkung der Besucherströme (beispielsweise durch attraktive Angebote zur Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel) können helfen, den CO2-Ausstoß zu senken.

Klimabilanz: Wo beim Fußball Treibhausgasemissionen entstehen

Klimabilanz der FIFA Frauen-WM 2011


Andererseits entstehen bei großen Veranstaltungen – nicht nur im Sport – mit Flyern, Papptellern und -bechern häufig immense Müllmengen. Dies gilt es durch intelligente Konzepte und Möglichkeiten der Digitalisierung zu vermeiden. Bei Sportarten, die außerhalb von Stadien stattfinden, werden oft auch sensible Freiräume angegriffen und so die biologische Vielfalt gefährdet.

Geeignete Maßnahmen können dazu beitragen, die negativen Umweltauswirkungen einzugrenzen. Insgesamt können Sportgroßveranstaltungen Standards setzen, die dann auch bei nationalen oder kleineren Events zur Anwendung kommen.

Mehr Umweltschutz im Breitensport

Ganz wesentlich ist es, den ökologischen Nachhaltigkeitsgedanken auch bei den vielen Sportvereinen in Deutschland und generell im Breitensport zu verankern. Denn betrachtet man beispielsweise die Treibhausgasemissionen, verursacht der lokale Vereinssport mit seinen Veranstaltungen und dem laufenden Betrieb weit mehr, als die zahlenmäßig doch überschaubaren Sportgroßevents.

Doch häufig ist es sehr schwierig, hier Fortschritte zu machen. Ein Grundproblem ist, dass die Sportstätten oft nicht den Vereinen selbst gehören. Vielfach sind die Kommunen Eigentümer und die Mietverträge sind nicht an den Energieverbrauch gekoppelt. Somit haben die Vereine keine Motivation, eine Kostenreduktion bei Energie oder Wasser zu erzielen.

Hinzu kommt, dass gerade im Breitensport ein Großteil der Vereinsarbeit von Ehrenamtlichen getragen wird und kein professioneller Umweltschutzbeauftragter sein Engagement vor allem in Umweltbelangen sieht. Mittel stehen indes zur Verfügung: Mit der 2019 in Kraft getretenen Kommunalrichtlinie im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums können Sportvereine Anträge für energetische Sanierungsmaßnahmen stellen.

Das Öko-Institut arbeitet in verschiedenen Projekten daran, Sportgroßveranstaltungen umweltfreundlicher zu gestalten und den Umweltschutz im Sport stärker zu verankern. Gemeinsam mit dem DFB überlegen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wo Ansatzpunkte zu finden sind.

Studie „Nachhaltigkeitskonzept EURO 2024“ für den Deutschen Fußballbund (DFB)

Seit der FIFA Weltmeisterschaft 2006 berät das Öko-Institut den DFB kontinuierlich zu umweltrelevanten Fragen, konzipiert Beteiligungsveranstaltungen und erarbeitet Entscheidungshilfen für Vereine und Veranstalter. Für die Fußballeuropameisterschaft 2024 erarbeiteten DFB und Öko-Institut gemeinsam ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept.

Dazu gehört ein Abfallkonzept, das auf die konsequente Vermeidung von Plastikmüll setzt. Mehrweggeschirr und kostenlose Wasserspender auf dem Gelände senken das Abfallaufkommen erheblich. Ein durchdachtes Recyclingkonzept führt den dennoch entstehenden Müll der Wiederverwertung zu. Zielführend für mehr Klimaschutz ist zudem eine Senkung des Energieverbrauchs in den großen Stadien. Der Klimafonds des Sports soll als Leuchtturmprojekt auch über die Europameisterschaft hinaus Vereine bei Energiesparmaßnahmen unterstützen.

Ein weiteres wichtiges Thema bei Großereignissen ist die Mobilität des Publikums sowie der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Stadien. Fan-Meilen kennzeichnen die Wege zwischen Spielstätten, Bike-Sharing-Stationen sorgen für eine klimafreundliche Fortbewegung der Angestellten. Bereits auf dem Weg nach Deutschland und bei den Fernfahrten zwischen den Austragungsorten soll das Kombi-Ticket-Plus die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel befördern.

Studie "United by Football - Sustainability Concept UEFA EURO 2024 Germany" des Öko-Instituts für den DFB

Studie „Olympische und Paralympische Spiele Hamburg 2024. Nachhaltigkeitskonzept“

Auch wenn Hamburg und Kiel nach dem Volksentscheid vom 29. November 2015 nicht Gastgeber der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2024 sein werden, weist die Studie „Olympische und Paralympische Spiele Hamburg 2024. Nachhaltigkeitskonzept“, die das Öko-Institut gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln erstellt hat, einen Weg zu höchsten ökologischen und sozialen Standards bei der Durchführung von Großveranstaltungen.

Wesentliches Fundament des Nachhaltigkeitskonzepts war ein umfassendes Verständnis von Nachhaltigkeit, also die Gesamtschau aller ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte von Zukunftsfähigkeit. So sollte sichergestellt werden, dass sämtliche Maßnahmen vor, während und nach den Spielen ökologisch verantwortbar, sozial verträglich und wirtschaftlich tragfähig sind.

Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Anhand dieser drei Säulen der Nachhaltigkeit prüfte das Expertenteam in einem kooperativen Planungsprozess alle wesentlichen Themen und ihre Handlungsfelder: Infrastruktur & Verkehr, Ökologie & Ressourcen, Energie & Klima, Soziales & Partizipation sowie Ökonomie & Nutzung adressieren gleichermaßen ökologische, soziale und ökonomische Fragen.

Für alle geplanten Sportstätten wurde bereits im Vorfeld ein Umweltscreening durchgeführt, das die Auswirkungen der Sportevents auf Natur und Landschaft, Energie, Wasser, Boden, Klima, Luft sowie die menschliche Gesundheit prüfte. 20 Leitprojekte, die sich an den Zielen der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung orientierten, konkretisierten die Ansätze.

Viele der geplanten Maßnahmen hätten auch noch weit über die Olympischen Spiele hinaus für nachhaltige Infrastrukturen gesorgt. Ein Ausbau des Radwegenetzes und des ÖPNV nützt allen Bürgerinnen und Bürgern. Ebenso dienen Investitionen in Barrierefreiheit bei Sportstätten, Freizeitanlagen und öffentlichen Verkehrsmitteln der Inklusion und kommen der gesamten Bevölkerung, insbesondere den Älteren, zugute.

„Olympische und Paralympische Spiele Hamburg 2024. Nachhaltigkeitskonzept“ vom Öko-Institut und der Deutschen Sporthochschule Köln auf der Website der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024