Nachhaltiger Konsum und Beschaffung – von Deutschland in die Welt

Die Marke „Umweltschutz“ gehört in Deutschland längst zum Alltag. Hersteller widmen sich nachhaltigeren Produktionsverfahren, Verbraucherinnen und Verbrauchern orientieren sich beim Kauf neuer Produkte an Nachhaltigkeitskriterien und Nachhaltigkeitslabeln wie dem Blauen Engel. Gleichzeitig setzt die Politik Impulse und schafft Voraussetzungen für nachhaltigen Konsum – so zum Beispiel mit der europäischen Chemikalienverordnung REACH oder der Ökodesign-Richtlinie.

In vielen anderen Ländern steckt das Bewusstsein für Umwelt-, Klima- und Naturschutz hingegen noch in den Kinderschuhen. Eine besondere Herausforderung ist dies vor allem in Regionen, deren Wirtschaften ebenso schnell wachsen wie ihr Konsum sowie ihr Hunger nach Energie und Ressourcen.

ASEAN-Staaten: Der Energieverbrauch steigt

Die ASEAN-Region etwa – kurz für Association of Southeast Asian Nations – zählt zu den dynamischsten der Welt. Zu ihr gehören zehn Mitgliedsstaaten: Brunei, Kambodscha, Indonesien und Thailand sowie Laos, Malaysia, Myanmar, die Philippinen, Singapur und Vietnam. Die Wirtschaft der ASEAN-Staaten ist von 2010 bis 2013 jährlich zwischen 4,9 und 7,9 Prozent gewachsen und damit auch ihr Energiebedarf. So hat sich die Primärenergienachfrage zwischen 2000 und 2011 mehr als verdoppelt, sie stieg von 273 auf 549 Millionen Tonnen Öläquivalente. Zum Vergleich: In der EU-28 ist der Primärenergieverbrauch seit 2000 leicht gesunken und lag 2012 bei 1.685 Millionen Tonnen Öläquivalenten.

Mehr Umweltschutz durch umweltfreundliche Produkte

Mit der hohen Energie- und Ressourcennachfrage der ASEAN-Staaten sind negative Umweltauswirkungen verbunden, der Klimawandel ist nur ein Beispiel dafür. Um sie zu minimieren, sind verschiedene Ansätze nötig. Einer davon ist, umweltfreundliche und effiziente Produkte auf den globalen Markt zu bringen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Öko-Instituts widmen sich unterschiedlichen Aspekten nachhaltigen Konsums. Sie befassen sich mit nachhaltigen Produkten und umweltfreundlicher Beschaffung ebenso wie mit Umweltzeichen wie dem Blauen Engel. In Deutschland und Europa, aber auch weit darüber hinaus.

Interview mit Jens Gröger „Der Blaue Engel soll zum klimafreundlichen Einkauf anleiten“ auf dem Blog des Öko-Instituts

Nachhaltigkeitskriterien für die öffentliche Beschaffung in ASEAN-Staaten

Seine Erfahrung bei der Entwicklung von Umweltkriterien für Produkte und Dienste gibt das Öko-Institut zum Beispiel in Thailand und anderen ASEAN-Staaten weiter. Von 2013 bis 2015 lief etwa ein Projekt, das im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert wurde. Sein Ziel war es, die grüne öffentliche Beschaffung zu fördern sowie die bestehenden Kriterien für Umweltzeichen zu harmonisieren.

Gemeinsam mit den Behörden sowie lokalen Experten und Expertinnen vor Ort entwickelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler produktbezogene Umweltkriterien für die grüne öffentliche Beschaffung. So wurden in verschiedenen Workshops in Thailand, Malaysia und Indonesien mit relevanten Stakeholdern Kriterien für Druckerpatronen, Leuchtstofflampen, PCs, Papier, Klimaanlagen und andere Produkte diskutiert. Zusätzlich prüften die Teilnehmenden Ansätze wie Lebenszykluskosten (Life Cycle Costing, LCC) auf ihre Eignung für die ASEAN-Region. Darüber hinaus fand in Thailand ein Training zu nachhaltiger Beschaffung statt, das auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der ASEAN-Länder zugeschnitten war.

Mehr umweltfreundliche Produkte auf dem globalen Markt

Die Arbeiten des Öko-Instituts zu nachhaltiger Beschaffung in der ASEAN-Region zeigten darüber hinaus, dass es in fast allen Mitgliedsstaaten zwar bereits Umweltzeichen gibt – so etwa das „Green Label Thailand“ oder das „Indonesian Ecolabel“. Doch nur sehr wenige Produkte tragen ein solches Umweltzeichen.

Ein Grund dafür: Die Kosten und der Aufwand sind für die Hersteller im Vergleich zu den Gewinnen zu hoch. Um Labels für Hersteller attraktiver zu gestalten und damit die Produktion von umweltfreundlichen Produkten zu erhöhen, empfiehlt das Öko-Institut eine Harmonisierungsstrategie. Sie soll das Labelverfahren vereinfachen und zum Beispiel Kriterien zur Labelauszeichnung vereinheitlichen.

Umweltschutz international – mit dem Blauen Engel

Funktioniert der Blaue Engel auch international und kann in anderen Ländern den nachhaltigen Konsum fördern? Dieser Frage ging das Öko-Institut zusammen mit der lichtl Ethics & Brands GmbH im Auftrag des Bundesumweltministeriums nach. In Kooperation mit ausgewählten Herstellern erprobte das Projektteam die internationale Nutzung des Blauen Engels und wertete die Erfahrungen aus. Dafür wurden drei Pilotprojekte in Großbritannien, Indien und der Türkei durchgeführt.


Der Blaue Engel zieht in die Welt – Film „Blue Angel goes international“ in englischer Sprache

Die besten Erfolgschancen hat der Blaue Engel im Business-to-Business-Markt (B2B) sowie in der öffentlichen Beschaffung, so ein Ergebnis der Studie. Das Umweltzeichen wird sich kurzfristig zudem nicht automatisch in ausländischen Märkten verbreiten. Um hier den mittel- bis langfristigen Erfolg des Blauen Engels zu sichern, braucht es eine zielorientierte Internationalisierungsstrategie. Wichtige Maßnahmen sind in diesem Zusammenhang, mit bereits etablierten nationalen Umweltzeichen gemeinsame Kernkriterien (Common Core Criteria) zu entwickeln sowie das jeweils andere Umweltzeichen gegenseitig anzuerkennen und zu zertifizieren.

Interview mit Siddharth Prakash „Erfahrungen des Blauen Engels in die Welt tragen“ im Blog des Öko-Instituts

Vortrag zum Projekt „Stärkung der internationalen Nutzung des Blauen Engels als Klimaschutzzeichen“

Der Blaue Engel für Raumklimageräte

Die Möglichkeiten des Blauen Engels, auch in anderen Ländern Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu fördern, zeigt zudem ein Projekt des Öko-Instituts, das sich mit Kälte- und Klimaanlagen befasste. Sie sind nicht nur wegen der klimaschädlichen Kältemittel bedenklich, sondern auch aufgrund ihres Energieverbrauchs. So gehen zum Beispiel in Thailand schon etwa 25 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen auf Kälte- und Klimaanlagen zurück, etwa 80 Prozent davon werden von Klimaanlagen verursacht.

In der Studie „The Blue Angel for Stationary Room Air Conditioners“ hat das Öko-Institut in Zusammenarbeit mit der HEAT GmbH den Blauen Engel für Raumklimageräte weiterentwickelt. Im Auftrag des Umweltbundesamtes haben sie eine Vergabegrundlage geschaffen, die in Deutschland ebenso wie in asiatischen Märkten angewandt werden kann. Mit Erfolg: Im März 2018 erhielt ein chinesisches Unternehmen den ersten Blauen Engel für ein Raumklimagerät mit sehr niedrigem Treibhausgaspotenzial und einer hohen Energieeffizienz.

Artikel „Aus Erfahrung bewährt. Nachhaltigkeitskriterien in ASEAN-Staaten“ im Magazin eco@work