Maßnahmen zum Klimaschutz: So erreichen wir die Klimaziele bis 2050

Bis 2050 will Deutschland den Klimaschutz massiv vorantreiben. Die deutschen Klimaziele sehen vor, dass die Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 verringert werden. Dies erfordert grundlegende Umstellungen in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen. Politik, Wirtschaft und Konsumenten – alle müssen an einem Strang ziehen, um dem Klimawandel zu begegnen. Bedeutet das nicht starke Einschränkungen in unserem Lebensalltag? Wir räumen mit dem Vorurteil auf, dass Klimaschutz nur Verzicht bedeutet. Wir zeigen, wie unsere Gesellschaft im Jahr 2050 aussehen könnte, wenn zielführende Maßnahmen jetzt ergriffen würden. Begleiten Sie uns auf einer Reise durch das Klimaschutzszenario 2050!

Dieser Artikel basiert hauptsächlich auf zwei Studien des Öko-Instituts: „Klimaschutzszenario 2050“, erstellt im Auftrag des Bundesumweltministeriums und dem Hintergrundpapier „Klimaverträglich leben in 2050“.


Gemeinsam für mehr Klimaschutz: Was getan muss

Der Kampf gegen den globalen Klimawandel ist eine zentrale Herausforderung dieses Jahrhunderts. Erklärtes Ziel ist es, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu beschränken. Das ist keine willkürlich gewählte Größe: Der Weltklimarat IPCC geht davon aus, dass die Auswirkungen des Klimawandels beherrschbar bleiben, wenn sich die globale Durchschnittstemperatur um maximal zwei Grad Celsius erhöht. Steigt sie stärker an, können unumkehrbare Folgen im Klimasystem eintreten. So droht beispielswese das Versiegen des Golfstroms, in dessen Folge sich Deutschlands Klima dem von Kanada angleichen würde. Für einen effektiven Klimaschutz müssen deshalb alle Staaten den Ausstoß der Treibhausgase bis 2050 deutlich senken.

Deutschlands offizielles Klimaziel sieht vor, seine Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. In seinem „Klimaschutzszenario 2050“ hat das Öko-Institut berechnet, wie viel Einsparungen dafür nötig sind: Demnach dürfte Deutschland durchschnittlich nur noch rund 0,3 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen. Zum Vergleich: Momentan sind es etwa 0,8 Milliarden Tonnen CO2 – mehr als doppelt so viel.

Klimaschutz gegen die Überhitzung der Erdatmosphäre

Klimaschutz in Deutschland: Das sind die stärksten Hebel

Die notwendigen Veränderungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaftsweise können wir nur gemeinsam gestalten. Dabei sollten wir uns auf die größten Verursacher von Emissionen konzentrieren. Sie sind in diesen Sektoren zu finden:

  • Mobilität und Verkehr
  • Wohnen und speziell Wärme
  • Ernährung und Landwirtschaft
  • Energieerzeugung und Energieverbrauch

In den folgenden Absätzen erfahren Sie, welche Hebel helfen können, um die deutschen Klimaschutzziele bis 2050 zu erreichen.


Klimaschutz zu Hause: Klimaverträglich Wohnen und Heizen

Um das deutsche Klimaschutzziel zu erreichen, muss der Energieverbrauch in Häusern und Gebäuden stark gesenkt werden. Dabei sind Eigentümerinnen und Eigentümer ebenso gefragt wie Mieterinnen und Mieter. Wir müssen die Häuser energetisch sanieren – im Durchschnitt drei Prozent pro Jahr. Wir müssen die Energieeffizienz bei Neubauten stark erhöhen. Und wir müssen unseren Energieverbrauch reduzieren.

Wenn das gelingt, benötigen wir 2050 nur noch die Hälfte der Energie zum Heizen im Vergleich zu 1990. Bei gleichzeitiger Umstellung der Energieversorgung beziehen wir zudem Wärme aus erneuerbaren Energien. Damit decken wir einen großen Teil des Warmwasser- und Heizbedarfs, ohne klimaschädliche Emissionen zu verursachen.

Jeder kann selbst einen Beitrag leisten, um den persönlichen Energieverbrauch zu verringern:

  • Indem wir die Raumtemperatur in unseren Wohnungen um ein Grad senken. Das schränkt den Komfort kaum ein, spart aber sechs Prozent der Heizenergie.
  • Indem wir qualitativ hochwertige und langlebige elektrische Geräte nutzen, zum Beispiel besonders effiziente Kühlschränke, die nur den von uns benötigten Kühlraum anbieten.
  • Indem wir herkömmliche Lampen durch effizientere LED-Leuchten ersetzen. Sie haben eine deutlich höhere Lebensdauer und gleichen so den höheren Anschaffungspreis aus.

Diese Beispiele zeigen: Wir können heute und in Zukunft gut leben, ohne übermäßig zu konsumieren.

Klimafreundliches Wohnen spart Geld und Energie


Klimaschutz im Verkehr: Kurze Wege, Elektroautos, Carsharing und ÖPNV

Der Verkehrssektor verursacht rund ein Fünftel der Emissionen in Deutschland. Anders als in anderen Sektoren haben sich die Emissionen hier seit 1990 erhöht und nicht reduziert. Ein Grund dafür ist, dass Menschen und Güter größere Strecken zurücklegen. Hier sollten wir an mehreren Stellen ansetzen: Kürzere Wege in der Stadt, mehr Fortbewegung mit dem Rad und zu Fuß, Elektromobilität und Carsharing – auf diese Weise können wir zukünftig mobil sein und das Klima schützen.

Eine klimafreundliche Raumplanung muss Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Bildung verzahnter berücksichtigen als heute. Ein schrittweiser Umbau hin zur „Stadt der kurzen Wege“ hilft perspektivisch, lange Wege zu vermeiden. Dadurch brauchen wir seltener das Auto und unsere Mobilität wird klimaverträglicher. Außerdem steigt die Lebensqualität, denn gleichzeitig wird der Lärm in den Städten reduziert. Für unsere Alltagswege können wir Fahrrad, Bus oder Bahn nutzen. Zukünftig sollten die Städte diese Verkehrsträger aktiver fördern und so immer mehr Menschen von den Vorteilen überzeugen.

Privates Autofahren sollte umweltfreundlicher werden. Dies kann gelingen, wenn 2050 etwa 80 Prozent der Autos elektrisch betrieben werden. Voraussetzung dafür ist, dass der deutsche Staat und die Städte die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge weiter fördern und stark ausbauen.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung, Apps und smarten Planungstools wird Carsharing immer unkomplizierter. Zukünftig müssen viel weniger Menschen ein eigenes Auto besitzen, um mobil zu sein. Sind es heute noch 55 Prozent, kann so der Anteil im Jahr 2050 auf 43 Prozent sinken. Dadurch gibt es insgesamt deutlich weniger Fahrzeuge. Das spart Platz und eröffnet neue Möglichkeiten städtischen Raum zu nutzen, etwa für Gartenstreifen oder Begegnungsräume.

Klimafreundlich mobil in der Stadt der kurzen Wege


Klimaschutz, Landwirtschaft und Ernährung: Das kommt uns auf den Teller

Brot, Käse, Fleisch, Gemüse: Alles was wir essen, wird in landwirtschaftlichen Betrieben hergestellt. Wenn unsere Ernährung weniger klimaschädlich sein soll, müssen wir bei der landwirtschaftlichen Produktion ansetzen. Die herkömmliche Landwirtschaft erzeugt z.B. durch die Verwendung von industriell hergestelltem Dünger und Pflanzenschutzmitteln Treibhausgase. Im Ökolandbau werden hingegen keine industriellen Dünger verwendet, sondern zum Beispiel klimaverträgliche Pflanzen genutzt, um dem Boden wieder Nährstoffe zuzuführen. Das Ziel sollte sein, bis 2050 25 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen nach ökologisch verträglichen Grundsätzen zu bewirtschaften.

Der zweite große Hebel für mehr Klimaschutz ist unsere eigene Ernährung. Tierische Produkte hinterlassen einen deutlich größeren ökologischen Fußabdruck als pflanzliche Lebensmittel. Der Grund: Die Tierzucht braucht mehr Fläche, Wasser, Energie und Futtermittel, die wiederum angebaut werden müssen. Momentan ernähren sich circa zehn Prozent der Bevölkerung vegetarisch und etwa ein Prozent vegan – Tendenz steigend, insbesondere bei den jüngeren Generationen.

Etwa ein Drittel aller Haushalte isst schon heute bewusst weniger Fleisch. Wir sehen dies als Indizien für einen Trend, der sich fortsetzen wird. Wenn wir im Jahr 2050 noch ein Drittel der heutigen Fleischmenge essen und damit zum Beispiel auch nur noch ein Drittel der Kühe halten müssen, trägt auch unsere Ernährung zur Einhaltung der Klimaschutzziele bei. Diese Menge entspricht übrigens den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, ist also nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für die Gesundheit.

Klimafreundliche Landwirtschaft fängt mit unserer Ernährung an


Klimaschonende Energie: Unser Energiemix für die Zukunft

Fernsehen, das Internet nutzen, heizen, kochen und vieles mehr – wir benötigen viel Energie für unser tägliches Leben. Energie klimaverträglich zu gewinnen, ist deshalb besonders wichtig für den Klimaschutz. Es ist damit zu rechnen, dass immer mehr technische Geräte genutzt werden. Doch der Energieverbrauch kann trotzdem durch energiesparende Geräte beeinflusst werden.

Zukünftig wird Strom mehr und mehr fossile Brennstoffe wie Benzin oder Erdgas ersetzen. Wenn die Umstellungen in den Sektoren Mobilität und Wohnen gelingen, werden 2050 Elektrofahrzeuge oder die Wärmeerzeugung nahezu die Hälfte des dann produzierten Stroms verbrauchen. Damit Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen kann, muss Strom künftig fast vollständig mit erneuerbaren Energien produziert werden, die keine Treibhausgasemissionen verursachen. Windkraft ist die wichtigste Energiequelle zur Stromerzeugung, der zweitgrößte Anteil wird durch Solaranlagen produziert.

Gelingen die Sanierungspläne, werden wir 2050 vorwiegend in sanierten oder neuen Häusern wohnen. Dadurch brauchen wir deutlich weniger Energie zum Heizen als heute. Die benötigte Wärme wird vor allem aus Solarenergie oder Biobrennstoffen gewonnen. Hinzu kommen elektrische Heizungen mit hocheffizienten Wärmepumpen, die ebenfalls mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Auch Fernwärme wird eine Rolle spielen: Die Abwärme aus der Industrie sowie Wärme aus anderen Quellen wie Großwärmepumpen und Solarthermie wird im Jahr 2050 durch das Wärmenetz verteilt.

Strom und Wärme klimafreundlich erzeugt


Die Studie „Klimaschutzszenario 2050“ wurde im Dezember 2015 vom Öko-Institut und dem Fraunhofer-ISI im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit erstellt. Darin wird unter anderem analysiert, welche Emissionsminderung im Jahr 2050 zu erwarten ist, wenn die aktuelle Klimapolitik weitergeführt wird und welche Maßnahmen ergriffen werden müssten, um die deutschen Klimaziele zu erreichen.