Nachhaltige Chemikalien – Einblicke in Theorie und Praxis

Chemikalien sind unabdingbar für eine nachhaltige Entwicklung. Sie können dabei helfen, Rohstoffe effizient einzusetzen und Produkte herzustellen, die ihrerseits dazu beitragen, Energie und Ressourcen sparsamer zu nutzen. Chemikalien und aus ihnen hergestellte Produkte müssen jedoch so produziert, eingesetzt und entsorgt werden, dass sie kein Risiko für Mensch, Natur und Umwelt darstellen. Arbeit-, Umwelt- und Verbraucherschutz sind Nachhaltigkeitsziele, an denen sich auch Chemikalien messen lassen müssen.

Das Öko-Institut hat intensiv an der Bewertung und Weiterentwicklung von Kriterien für die Nachhaltigkeitsbewertung von Chemikalien gearbeitet und die Umsetzung mitgestaltet. Hierzu gehören auch die staatlichen Rahmenbedingungen. Ziel ist es dabei stets, Risiken, die von Chemikalien ausgehen können, zu vermeiden und diese in ihren Eigenschaften so zu verbessern, dass sie ökologisch, sozial und wirtschaftlich erfolgreich sind.

Unternehmen profitieren von nachhaltiger Chemie

Unternehmen profitieren, wenn sie gefährliche oder riskante Stoffe durch weniger problematische Chemikalien ersetzen. Sie tragen damit aktiv zum betrieblichen Arbeits- und Umweltschutz bei – die Kosten für diese sinken. Nutzen sie nachwachsende Rohstoffe, können sie diese auch in Zukunft noch für die Produktion und Weiterverarbeitung von chemischen Endprodukten einsetzen. Nicht zuletzt verringern sie aktiv die Schadstoffbelastungen in Wasser, Böden und in der Luft.

Durch die EU-Chemikalienverordnung REACH kommen auf Hersteller und weiterverarbeitende Anwender von Chemikalien neue Herausforderungen zu. Bis 2018 müssen die Vorgaben der Europäischen Kommission hinsichtlich Ermittlung und Information zu gefährlichen Stoffen in geltendes Recht der EU-Mitgliedsstaaten überführt werden. Das Öko-Institut arbeitet für die Ausgestaltung und Weiterentwicklung dieser Regularien gemeinsam mit der Politik, Wirtschaftsunternehmen und Verbraucherschutzinitiativen zusammen.

REACH Praxisführer: Sicher arbeiten mit Chemikalien

Der „sichere Umgang mit Chemikalien“ ist ein zentrales Anliegen der EU-Chemikalienverordnung REACH. Wer mit chemischen Stoffen arbeitet, kommt häufig auch mit ihnen in Kontakt. Die Berührung von Mensch und Umwelt mit Chemikalien wird Exposition genannt. Sie kann kurz oder lang, einmal oder wiederholt, auf ganz verschiedenen Wegen und in unterschiedlich hohen Konzentrationen erfolgen. Wie sie hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf menschliche Gesundheit und Umwelt bewertet werden können, ist Bestandteil des REACH Praxisführers des Öko-Instituts.

Wichtigstes Ziel des Leitfadens: Er will Nicht-Fachleute mit den zentralen Begriffen und Methoden der Expositionsbewertung vertraut machen. Dies soll es ihnen erleichtern, die Anforderungen von REACH in der Praxis besser umzusetzen. Schwerpunkte sind hierbei die Expositionsbewertung, die Risikobeschreibung und die daraus folgenden Schritte, um die Chemikalien in den Lieferketten sicher zu verwenden und gut über die Gefahren zu informieren.

Nachhaltige Chemie in die Praxis bringen!

Die Bewertung von chemischen Stoffen hinsichtlich ihrer Risiken, aber auch Potenziale für eine nachhaltige Wirtschaftsweise wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Mittelfristig müssen schädliche Stoffe vollständig ersetzt, Chemikalien nachhaltig erzeugt und ihre Wechselwirkungen mit anderen Stoffen erforscht werden. An den methodischen Grundlagen hierfür hat das Öko-Institut intensiv gearbeitet. Nun gilt es, dieses Wissen in unternehmerische Praxis umzuwandeln. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen Unternehmen dabei, Chemikalien aktiv nachhaltig einzusetzen und die REACH-Verordnung effektiv umzusetzen.

Dazu hat das Öko-Institut gemeinsam mit dem Umweltbundesamt einen Leitfaden für nachhaltige Chemikaliennutzung erarbeitet und „goldene Regeln“ für Anwender formuliert: Auf Problem- und gesundheitsschädliche Stoffe verzichten, Chemikalien in ihrer Mischung mit anderen analysieren, nachwachsende Rohstoffe bevorzugen, Risiken in der Nutzung erforschen, anspruchsvolle Umwelt- und Sozialstandards in der Produktion einhalten, lange Transportwege vermeiden, auf Energie- und Wasserverbrauch sowie das Abfallaufkommen achten. Diese und andere Richtlinien tragen dazu bei, die Chemie nachhaltiger zu gestalten.