Klasse statt Masse – Strategien und Potenziale für eine nachhaltige Biomassenutzung

Zumindest auf dem Papier bzw. in vielen Modellen ist Biomasse eine wirksame und „einfache“ Klimaschutzmaßnahme. Wirksam erscheint sie, da Biomasse in den Treibhausgasinventaren und auch in den meisten Klimaschutzszenarien mit Nullemissionen bilanziert wird, obwohl erhebliche Vorkettenemissionen auftreten können. Einfach erscheint diese Maßnahme im Vergleich zu manchen Klimaschutzmaßnahmen, welche über die Substitution von fossilen Energieträgern hinausgehen. Zunehmend mehrt sich jedoch Kritik an der Verwendung von Biomasse als Klimaschutzoption. Zentrale Kritikpunkte sind:

  • Biomasse trägt nicht notwendigerweise zum Klimaschutz bei. Bei Berücksichtigung der Emissionen aus indirekter Landnutzung (iLUC) kann die Klimabilanz sogar schlechter ausfallen als diejenige fossiler Energieträger.

  • Berücksichtigt man nicht nur die Treibhausgasemissionen, sondern erstellt eine umfassende Ökobilanz, so kann das Fazit noch negativer ausfallen

  • Die energetische Nutzung von Biomasse steht potenziell in Konkurrenz zu Nahrungs- und Futtermitteln und kann somit die Hungerproblematik verschärfen.

  • Es sind global nicht genug Flächen für eine deutliche Ausweitung der energetischen Biomassenutzung vorhanden.

Das Projekt des Öko-Institut e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die Bedingungen für eine strategische Ausrichtung des Biomassesektors zu adressieren und dabei den Beitrag zum Klimaschutz, die Komplexität von globalen Handelsstrukturen, Flächen- und Nutzungskonkurrenzen, Ernährungssicherung und sozialer Nachhaltigkeit angemessen zu diskutieren. Das Ergebnis ist eine gemeinsame Position des Instituts sowie die Entwicklung von Handlungsempfehlungen für einen nachhaltigen Umgang mit nachwachsenden Ressourcen.