Möglicher Eintrag von Radioaktivität in Wiesewasser und Rohwässer der Trinkwassergewinnung durch einen schweren kerntechnischen Unfall

Für die Trinkwasserversorgung von Basel wird Rheinwasser versickert und nach einer Passage durch Boden- und Grundwasserschichten in einer Trinkwasseraufbereitungsanlage behandelt. Der Basler Wasserversorger IWB beabsichtigt, als alternative Rohwasserquelle den Fluss Wiese zu nutzen, falls das Wasser des Rheins zur Nutzung aufgrund einer Verunreinigung nicht geeignet wäre. Das Öko-Institut wurde damit beauftragt, zu untersuchen, in welchem Ausmaß das Wasser der Wiese bei einem schweren Unfall in einem schweizerischen Kernkraftwerk mit Radionukliden kontaminiert sein kann. Es wurden dazu Freisetzungen radioaktiver Stoffe in Anlehnung an den Unfall in Fukushima-Daiichi angenommen und mit verschiedenen Fall- und Washout-Szenarien der mögliche Eintrag in die Wiese abgeschätzt. Dazu wurde ein Kompartimentmodell aufgebaut und es wurden unter anderem frühere Arbeiten zu Transport- und Austauschprozessen zwischen Fluss- und Grundwasser entlang der Wiese herangezogen. Weiterhin erfolgte eine Validierung mit Hilfe der Beobachtungen der Aktivitätskonzentrationen in deutschen Flüssen nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Der schweizerische Toleranzwert wäre für die betrachteten Radionuklide nach 14 Tagen wieder unterschritten. Da das Wasser der Wiese zur Trinkwassergewinnung nicht kontinuierlich versickert werden muss, sondern eine Unterbrechung von 14 Tagen die Trinkwassergewinnung nicht beeinträchtigt, ergab die Untersuchung daher, dass die Wiese als eine geeignete Option zur Ersatzversorgung mit Rohwasser anzusehen ist.