Ausgabe: September 2018, Exportschlager Nachhaltigkeit? – Umweltschutz und Menschenrechte international


Im Fokus

Porträt

Dr. Carolijn Terwindt (ECCHR)

Recht und Gesetz sind für sie nicht in Stein gemeißelt. Sondern etwas, das sich im Zuge der Globalisierung weiterentwickeln kann und muss. „Ich arbeite zur Frage, wie europäische Unternehmen, die außerhalb von Europa produzieren, für Menschenrechtsverletzungen in ihren Tochterunternehmen oder bei ihren Zulieferfirmen im Ausland haftbar gemacht werden können“, sagt Dr. Carolijn Terwindt. Sie begleitet etwa eine Zivilklage gegen das Textilunternehmen Kik vor dem Landgericht Dortmund, die sich mit dem Brand in einer Textilfabrik in Karatschi (Pakistan) befasst. 259 Menschen starben dort 2012, geklagt wird von Überlebenden und Angehörigen. „Kik war ein indirekter Arbeitgeber“, so die Juristin von der Menschenrechtsorganisation ECCHR (European Center for Constitutional and Human Rights). „Wenn die Klägerinnen und Kläger Recht bekommen, könnte das den Weg für bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken und auch für weitere Klagen dieser Art ebnen – es wäre ein Präzedenzfall.“

In einem weiteren Fall hat Terwindt eine Beschwerde bei der Nationalen Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze (NKS) gegen den TÜV Rheinland begleitet. Dieser hatte bei einer Kontrolle der Arbeits- und Sicherheitsbedingungen im Rahmen eines so genannten Audits gravierende Mängel im bangladeschischen Fabrikkomplex Rana Plaza übersehen. „Eine Reform dieser Audits mit Blick auf ihre Transparenz und Finanzierung ist überfällig“, sagt Terwindt, „dies hat auch die NKS in ihrer abschließenden Erklärung anerkannt.“

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Ansprechpartnerin

Dr. Carolijn Terwindt

Senior Legal Advisor

Business and Human Rights
European Center for Constitutional and Human Rights e.V. (ECCHR)

Zossener Str. 55-58
Aufgang D
10961 Berlin

Tel.: +49 30 40 04 85 90

terwindt--at--ecchr.eu
www.ecchr.eu

Zur Person

Die Niederländerin Dr. Carolijn Terwindt hat an der Universität Utrecht Sozialanthropologie und Konfliktforschung studiert sowie Rechtswissenschaften, Strafrecht und Kriminologie. Anschließend erwarb sie einen Master of Laws (LL.M.) an der Columbia University School of Law. Hier promovierte sie auch zur Ethnografie kontroverser Kriminalisierung.

Seit 2012 ist Dr. Carolijn Terwindt im Bereich Business and Human Rights (Wirtschaft und Menschenrechte) der Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights e.V. (ECCHR, Europäisches Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte) in Berlin tätig. Ziel des ECCHR ist es, Menschenrechte mit juristischen Mitteln durchzusetzen. Die Juristin Terwindt arbeitet hier unter anderem in Fällen zur Durchsetzung von Menschenrechten in der Agrarindustrie sowie zur Unternehmenshaftung in der globalen Textilindustrie. Sie befasst sich dabei beispielsweise mit dem Brand in einer Textilfabrik im pakistanischen Karatschi im September 2012, bei dem 259 Menschen starben. Dr. Terwindt begleitet die Zivilklage von Überlebenden und Angehörigen vor dem Landgericht Dortmund gegen das deutsche Textilunternehmen Kik – Hauptkunde der abgebrannten Fabrik. In dem Verfahren geht es um die Mit-Verantwortung des Unternehmens für den Fabrikbrand sowie verbesserte Arbeitsbedingungen.

 

 

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