Landwende: Schutz von Klima und Biodiversität

Die Abholzung von Regen- und anderen Wäldern, die nicht-nachhaltige Bewirtschaftung unserer Böden mit massivem Düngereinsatz, die Massentierhaltung für einen wachsenden Fleischkonsum – die Nutzung von Land, Böden und Wäldern ist nicht nachhaltig und trägt zu etwa einem Fünftel zum klimaschädlichen Ausstoß von Treibhausgasen bei. Allein 15 Prozent der Treibhausgasemissionen des privaten Konsums in Deutschland gehen auf Anbau und Verarbeitung, Transport und Lagerung von Lebensmitteln sowie die Speisenzubereitung und Resteentsorgung zurück.

Gleichzeitig sind laut Vereinten Nationen weltweit eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Auch hier ist der Mensch Hauptverursacher von zerstörender Landnutzung und Umweltverschmutzung. Mehr als 50 Prozent der Artenvielfalt geht laut dem Weltbiodiversitätsrat verloren, weil Ressourcen übernutzt werden und sich die Landnutzung intensiviert. Wie wir das Land nutzen, hat deshalb sowohl Auswirkungen auf den Schutz des Klimas als auch auf den Erhalt von Artenvielfalt. Nötig ist eine Landwende – also die nachhaltige Nutzung von Landressourcen, Böden Wäldern oder Mooren zum Schutz von Klima und Biodiversität.

Großer Klimafußabdruck durch fleischbetonte Ernährung (Flickr)  

Damit die Landwende gelingt, sind Änderungen auf allen Ebenen unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsweise nötig:

Bei unserer Ernährung:

  • Um das Klima zu schonen und die Biodiversität zu erhalten, müssen wir in Zukunft weniger Fleisch und mehr pflanzliche Produkte essen. Allein eine Reduktion des Fleischkonsums von heute rund 55 Kilogramm pro Jahr auf 15 Kilogramm wie von der Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen, kann die Belastungen aus der Landwirtschaft deutlich reduzieren.
  • Um diese Entwicklung zu unterstützen, muss eine schmackhafte pflanzenbasierte Kost im Lebensmitteleinzelhandel, in der Außer-Haus-Versorgung und der Gemeinschaftsverpflegung verfügbar und erschwinglich sein. Dafür müssen tierische Lebensmittel relativ zu pflanzlichen Lebensmitteln teurer werden, beispielsweise indem die flächenbasierte Förderung tierischer Futtermittel durch die EU-Agrarpolitik nicht mehr weiter subventioniert wird oder indem die umweltschädliche Subventionierung tierischer Produkte in Form des reduzierten Mehrwertsteuersatzes abgeschafft wird.
  • Bioprodukte sind für Umwelt und Mensch gesünder als konventionell hergestellte Lebensmittel. Sie enthalten deutlich weniger schädliche Stoffe wie Pestizid- und Arzneimittelrückstände, Schwermetalle, Nitrate oder Spuren von Gentechnik. Sie weisen oft eine höhere Dichte an (Mikro-)Nährstoffen auf, sind weniger stark verarbeitet und nutzen weniger Zusatzstoffe. Lebensmittel nach Biorichtlinien zu erzeugen, schützt Böden, (Grund-)Wasser, Luft, Tierwohl und das Klima.
  • Insgesamt sollten wir Lebensmittel saisonal konsumieren, also dann, wenn sie natürlich wachsen, und regionale Produkte bevorzugen. Es sollten importierte Produkte vermieden werden, die in den Herkunftsländern erhebliche ökologische Probleme verursachen (beispielsweise Mandeln aus Kalifornien).

Bei der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen:

  • Landwirtschaft muss innerhalb der planetaren Grenzen erfolgen und ökologisch ausgerichtet werden. Denn eine ökologische Landwirtschaft ist mit deutlich geringeren Umweltbelastungen verbunden und hilft, klimaschädliche Treibhausgase zu verringern.
  • Für einen neuen Gesellschaftsvertrag für die Landwirtschaft sind ordnungsrechtliche Vorgaben nötig, aber auch eine Ausrichtung von Subventionen an Klimaschutz- und Biodiversitätszielen – insbesondere der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP). Landwirtschaftliche Betriebe, die in Umwelt- und Tierwohlmaßnahmen investieren, sollten finanziell belohnt werden.
  • Moore, die für die landwirtschaftliche Nutzung trockengelegt werden, stoßen jährlich 32 bis 40 Tonnen Treibhausgase pro Hektar aus. Diese Moore und Feuchtgebiete wieder zu vernässen hilft in enormem Umfang, den im Boden gebundenen Kohlenstoff zu schützen und damit Emissionen zu reduzieren. Nötig ist der Umstieg auf eine nasse Moornutzung (Paludikultur) und der Ausstieg aus dem Torfabbau. Werden Klimaschutzleistungen der Landwirtschaft honoriert, lassen sich die Kosten und Risiken eines Umstiegs finanzieren.
  • Insbesondere die ökologische Tierhaltung auf der Weide hat Vorteile für Klimaschutz und Biodiversität. Hier muss weniger Energie aufgewendet werden, Belastungen für Gewässer durch Nitrate und Phosphor sowie für Böden durch eine niedrigere Ammoniakbelastung sind geringer. Daher sollte die Förderpolitik stärker die Weidehaltung und nicht die Stallhaltung unterstützen.
  • Biodiversität in der Landwirtschaft heißt auch, mehr und genetisch vielfältigere Tierrassen zu halten, mehr Arten und Sorten von Kulturpflanzen anzubauen, mit weniger Monokultur und engeren Fruchtwechseln. Eine kleinräumig und vielfältig strukturierte Agrarlandschaft, extensive Standorte, Feldsäume, aber auch weniger Düngen und Spritzen kommen der Ackerbegleitflora und -fauna zugute, von Insekten bis zu Bodenorganismen. Biodiversität erhöht die Ertragsstabilität in der Landwirtschaft und schützt sie vor den Auswirkungen der Klimakrise.
  • Der Stickstoffeinsatz muss insgesamt deutlich gesenkt werden, denn Stickstoff belastet Böden, Gewässer und Biodiversität. Dafür muss die Politik verbindliche Ziele zur Senkung der Stickstoffemissionen in der Landwirtschaft vorgeben.
  • Die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen muss sich auf die Herstellung von Nahrungsmitteln für Menschen konzentrieren. So wird die heutige Getreideproduktion zu rund 60 Prozent als Viehfutter verwendet, weitere rund 20 Prozent der Ackerfläche wird für den Anbau von Energiepflanzen genutzt. Mit weniger Tierhaltung einerseits und der Verwendung von Rest- und Abfallstoffen für die Bioenergiegewinnung andererseits würden Flächen frei für den Anbau von Lebensmitteln bzw. könnten zum Erhalt von Artenvielfalt geschützt oder durch Waldaufforstung zu Senken für die Kohlenstoffspeicherung genutzt werden.

Bei der Nutzung von Wäldern:

  • Immer noch sind große Teile des Waldes in einem naturfernen Zustand. Durch den fortschreitenden Klimawandel sind naturferne, wenig diverse Wälder besonders von Störungen wie Stürmen, Dürre und Insektenbefall betroffen. Hier müssen durch einen gezielten Waldumbau arten- und strukturreiche, klimaresiliente Wälder mit standortheimischen Baumarten geschaffen werden.
  • Waldbewirtschaftung in Deutschland muss durch gute fachliche Praxis den verschiedenen Funktionen des Waldes Rechnung tragen. Für deren Umsetzung ist ein effektives Anreizsystem für schonendere Waldnutzung, mehr Klima- und Naturschutz im Wald notwendig. Dadurch werden Einkommensmöglichkeiten von Waldbesitzenden jenseits des Holzmarktes geschaffen.
  • Die direkte Nutzung von Holz als Energiequelle durch Verbrennen belastet Luft und Atmosphäre. Holz als nachwachsender, aber endlicher Rohstoff muss möglichst in Kaskaden und für langlebige Produkte genutzt werden. Gerade ältere Laubbaumbestände, die nur als Feuerholz oder kurzlebige Holzprodukte wie Papier genutzt werden können, sollten zu Gunsten des Klima- und Naturschutzes nicht eingeschlagen werden.
  • Wir wissen zu wenig über die Entwicklung des Waldes und Auswirkungen der Nutzung. Das bisherige Monitoring des Waldes durch Inventuren in Zehn-Jahresintervallen muss daher mit höherer zeitlicher und räumlicher Auflösung durch Fernerkundungsdaten ergänzt und verbessert werden.
  • Der Konsum in Deutschland bedroht auch Wälder im globalen Süden. Auf nationaler und EU-Ebene braucht es deshalb rechtlich verbindliche Regelungen, die den Import von Produkten und Rohstoffen, die mit Entwaldung verbunden sind, verhindert. Gleichzeitig müssen Wälder wieder hergestellt werden. Dies sollte durch Anreizsysteme wie ergebnis-basierte Zahlungen finanziert werden, die nicht für die Kompensation von fossilen Emissionen genutzt werden können.

Insgesamt brauchen natürliche Kohlenstoffsenken ein eigenes Klimaschutzziel in der EU und in Deutschland. Nur so können Emissionen, die sich nicht vermeiden lassen, kompensiert und Treibhausgasneutralität erreicht werden, ohne auf aufwendige technische Lösungen angewiesen zu sein. Diese Senken müssen durch Klimaschutzmaßnahmen in der Landnutzung weiter aufgebaut und geschützt werden. Eine schonendere Nutzung trägt auch dazu bei, dass Naturräume widerstandsfähiger gegen extreme Klimaphänomene werden.

Flächenkonkurrenzen in der Landnutzung nehmen nicht nur ab, wenn weniger Tiere gehalten und tierische Produkte gegessen werden. Sie verringern sich auch, wenn degradierte Flächen bewirtschaftet, Agroforstsysteme ausgedehnt werden oder auch Agri-Photovoltaik ausbaut wird. Nicht zuletzt sinken Flächenkonkurrenzen im Rahmen der Energie- oder Mobilitätswende, wenn Energie in Wirtschaft und Gesellschaft grundsätzlich effizienter genutzt und eingespart wird bzw. Verkehr reduziert wird.

Mit diesen und weiteren Maßnahmen können die Klimakrise entschärft, das Artensterben gebremst und eine nachhaltige Ernährung gefördert werden. Landwirtschaftliche Erträge werden zudem stabiler und unabhängiger von externen Faktoren.  

Landwende: Informationen und Angebote des Öko-Instituts

Die Expertinnen und Experten des Öko-Instituts arbeiten zu vielen Aspekten der Landwende. Sie zeigen Zusammenhänge zwischen Klimaschutz und Biodiversität auf, untersuchen Wechselwirkungen zwischen den Themen und schlagen integrierte Lösungen für alle Akteure der Land- und Forstwirtschaft und des Ernährungssektors vor.

Übergreifende Informationen

Podcast „Wie viel Fleisch wollen wir morgen noch essen?“ zum Thema nachhaltige Ernährung, Klimaschutz und Biodiversität

Onlinemagazin eco@work Ausgabe 4/2021: Biodiversität

Onlinemagazin eco@work Ausgabe 1/2020: Nachhaltige Ernährung

Themenschwerpunkt „Nachhaltige Ernährung“

Themenschwerpunkt „Nachhaltige Landwirtschaft“

Themenschwerpunkt „Biodiversität“

Themenschwerpunkt „Internationaler Waldschutz“

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