Jetzt ambitioniertere Klimaziele setzen in der EU und in Deutschland

Die EU möchte bis zum Jahr 2050 treibhausgasneutral werden. Dazu darf die Summe aus den verbliebenen Emissionen nicht höher sein als die dauerhafte Entnahme von CO2 aus der Luft, beispielweise durch Wälder.

Auf dem Weg dahin muss das aktuelle Klimaziel für das Jahr 2030 – 40 Prozent weniger Emissionen als im Jahr 1990 – auf mindestens 55 Prozent weniger Emissionen gesteigert werden. Wichtig ist dabei, dass dieses Ziel nicht durch Schlupflöcher aufgeweicht wird, wie zum Beispiel internationale Ausgleichsmaßnahmen. Neben dem Ziel kommt es auch auf den Weg dorthin an: Schnelle Emissionsminderungen reduzieren die bis 2050 ausgestoßenen Gesamtemissionen erheblich.

Jedes vermiedene Zehntelgrad Erhitzung ist ein Erfolg, für den es sich zu kämpfen lohnt

Auch Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasneutralität bis 2050 als langfristiges Ziel zu verfolgen. Deutschland ist für etwa ein Viertel der Gesamtemissionen der EU verantwortlich und spielt damit eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaziele.

Europäische Architektur für den Klimaschutz muss überarbeitet werden

Um eine Reduktion der EU-weiten Emissionen bis 2030 um 55 Prozent zu erreichen, müssen alle Sektoren ihren Beitrag leisten. Dazu muss die europäische Klimazielarchitektur überarbeitet werden.

  • Die Emissionen, die durch den EU-Emissionshandel (EU-ETS) erfasst werden, müssten beispielsweise um 59 bis 63 Prozent gegenüber 2005 sinken, statt um die bisher geplanten 43 Prozent. Dies betrifft die Emissionen aus der Energiewirtschaft und der Industrie.
  • Die Sektoren, deren Emissionen der EU-Klimaschutzverordnung (Effort Sharing) unterstehen, müssten entsprechend um 45 bis 49 Prozent sinken – anstatt der bisher angepeilten 30 Prozent. Diese Verordnung umfasst die Emissionen aus dem Verkehr, den Gebäuden, der Landwirtschaft und dem Abfallsektor und setzt verbindliche, nationale, jährliche Minderungsziele.
  • Natürliche Senken, wie Meere, Wälder oder Moore, nehmen Kohlendioxid auf und speichern es langfristig. Auch für sie muss ein Ziel für 2030 festgelegt werden, das die Verstärkung der Senken anreizt. Aktuell speichern die europäischen Wälder weniger CO2 als in den Jahrzehnten davor.

Mix aus CO2-Preis, Standards und Regulierungen nötig

Die Klimaziele können nur mit einem Mix aus Instrumenten erreicht werden, der alle Sektoren berücksichtigt. Neben einer CO2-Bepreisung müssen auch höhere Standards und Regulierungen gesetzt werden, beispielsweise zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Zudem muss ihre Umsetzung stärker kontrolliert werden.

Nur durch einen CO2-Preis wird es insbesondere im Verkehrs- und Gebäudesektor nicht zu nennenswerten Emissionsreduktionen kommen. Insbesondere in diesen Sektoren bestimmen die bestehende Infrastruktur und der Gebäudebestand die Energieverbräuche und die Verhaltensmuster. Um die erforderlichen Emissionsreduktionen dort zu bewirken, ist eine grundsätzliche Transformation erforderlich. Diese muss wegen der langen Realisierungszeiten früh ansetzen. Ein solcher Umbau kann nur durch zusätzliche Maßnahmen angestoßen werden.

Infografiken des Öko-Instituts zum Thema Klimaschutz (Flickr)  

Ambitionssteigerung im Klimaschutz: Informationen und Angebote des Öko-Instituts

Die Expertinnen und Experten des Öko-Instituts beschäftigen sich seit vielen Jahren mit den Fragestellungen des Klimaschutzes. Sie erarbeiten

  • Potenzialanalysen,
  • Emissions- und Stoffstrombilanzen,
  • Emissionsinventare und -projektionen sowie
  • Energie- und Klimaschutzszenarien.

Das Arbeitsspektrum umfasst die Bewertung energie- und klimapolitischer Instrumente sowie die Analyse verschiedenster Umsetzungsfragen. Die Energie-Expertinnen und -experten des Öko-Instituts forschen nicht nur national, sondern auch in der Europäischen Union, in Osteuropa, den USA und einigen Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Südostasiens.

Übergreifende Informationen

EU-Emissionshandel

EU-Klimaschutzverordnung (Effort Sharing)

Internationale Klimapolitik

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