Rückblick auf die Berliner Energietage

11.05.2018
Im Blick: Die Reform des EU-Emissionshandels

Das Öko-Institut war auch in diesem Jahr auf den Berliner Energietagen vertreten und hat Fachleute vor rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern eingeladen, die Reform des europäischen Emissionshandelssystems zu diskutieren. Im Zentrum des von Dr. Katja Schumacher moderierten Workshops stand ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen und nächsten Schritte für die Reform des Emissionshandels. Ebenso wie die Frage, welche Auswirkungen die Reform auf die Wirksamkeit des Emissionshandels haben werden und ob diese durch den Einsatz weiterer politischer Maßnahmen erhöht werden kann. Dafür wurde auch ein Blick über Europa hinaus auf das Emissionshandelssystem weltweit geworfen. 

Auf dem richtigen Weg

Dabei kam die Diskussionsrunde unter Beteiligung von Dr. Dirk Weinreich vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Christoph Kühleis von der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt), Dr. Constanze Haug vom International Carbon Action Partnership (ICAP) sowie Charlotte Loreck und Dr. Johanna Cludius vom Öko-Institut zu dem Ergebnis, dass die Reform des Emissionshandels in die richtige Richtung geht und einen wesentlichen Beitrag zum Abbau von Emissionsüberschüssen leistet. Dieser Beitrag reicht jedoch nicht aus, um das langfristig internationale Klimaziel des Pariser Abkommens zu erreichen, das vorsieht die Temperaturerhöhung auf bis zu zwei Grad zu begrenzen.

Wirkungsvoll: Komplementäre Maßnahmen

Handlungsspielräume sahen die meisten Vortragenden darin, das Emissionshandels-Cap im Zeitverlauf stärker zu kürzen. Diese Obergrenze legt fest, wie viele Treibhausgasemissionen von den emissionshandelspflichtigen Anlagen insgesamt ausgestoßen werden dürfen. Zudem müssen Überschüsse von Emissionsrechten schneller und stärker abgebaut oder Zertifikate gelöscht werden. „Komplementäre nationale Maßnahmen, wie ein CO2-Mindestpreis oder Stilllegungen von Kohle-Kraftwerken können diese Entwicklungen wirkungsvoll ergänzen und stehen nicht - wie oft befürchtet - im Wege“, so Dr. Katja Schumacher, Expertin für den EU-Emissionshandel zu den weiteren Ergebnissen des Workshops. „Auch der Blick ins Ausland zeigt, dass in anderen Emissionshandelssystemen, wie etwa in Kalifornien, solche Maßnahmen bereits integriert werden, um eine Stabilität und Wirksamkeit des Emissionshandels zu gewährleisten.“     

Folgende Präsentationen zu den Vorträgen sind zum Download verfügbar:

"Die Marktstabilitätsreserve im Zusammenspiel mit komplementären Maßnahmen"
Dr. Johanna Cludius, Öko-Institut e.V.

"Ein CO2-Mindestpreis für den Stromsektor"
Charlotte Loreck, Öko-Institut e.V.

"Neues aus der DEHSt – aktuelle Emissions-entwicklung im ETS-Sektor in Deutschland und Ausblick"
Christoph Kühleis, Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt)

„Der Emissionshandel vor Phase IV – Aktuelles aus Berlin und Brüssel“
Dr. Dirk Weinreich, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit