Effizienz, Emissionsrechte, Kompensation – Klimaschutzmaßnahmen für den internationalen Seeverkehr

30.05.2016

In der Schifffahrt liegt ein erhebliches technisches und operatives Potential zur Minderung von Treibhausgasemissionen. Allein durch Effizienzsteigerungen können die Emissionen um 25 Prozent gesenkt und gleichzeitig Kosten gespart werden. Das Öko-Institut hat gemeinsam mit CE Delft und Rechtsanwalt Tim Bäuerle für das Umweltbundesamt  Potentiale zur Treibhausgasminderung im Seeverkehr und verschiedene Maßnahmen zu ihrer Erschließung analysiert.

Gut für die Umwelt: Ein Minderungsziel für die Treibhausgasemissionen in der internationalen Schifffahrt und eine marktbasierte Maßnahme

Unterschiedliche Maßnahmen können Schiffseignern Anreize setzen, Investitionen in effizientere Technologien zu tätigen. Sie können somit helfen, die Treibhausgasemissionen aus dem Seeverkehr zu reduzieren. Dies reicht allerdings aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht aus.

„Mit Effizienzsteigerung allein sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen. Es ist zu befürchten, dass ein Wachstum der Flotte die Effizienzsteigerung überkompensieren wird. Aus diesem Grund bedarf es eines Minderungsziels für Treibhausgasemissionen in der internationalen Schifffahrt und zusätzlicher Maßnahmen“, erklärt Friedhelm Keimeyer vom Öko-Institut.

Solche Maßnahmen könnten auf eine Verringerung der absoluten Emissionen des Sektors oder eine Kompensation der Emissionen durch die Finanzierung von Emissionsreduktionen in anderen Sektoren abzielen. In Betracht kommen mehrere marktbasierte Maßnahmen: ein Kompensations-Fonds, ein Emissionshandelssystem oder steuerliche Regulierungsmaßnahmen.

Der Endbericht „Analyse und Weiterentwicklung von Klimaschutzmaßnahmen im Seeschiffsverkehr unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen auf internationaler und europäischer Ebene“ teilt sich in sechs Diskussionspapiere aus den Jahren 2012 bis 2015 mit jeweils einer deutschen und englischen Zusammenfassung.

Steigende Treibhausgasemissionen im Schiffsverkehr

Der Bericht des Weltklimarats (IPCC) legt nahe, dass bis zum Jahr 2050 die globalen Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 70 Prozent im Vergleich zu 2010 reduziert werden müssen, um einen globalen Temperaturanstieg von mehr als 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu verhindern. Laut der dritten Treibhausgas-Studie der internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) werden die Emissionen des Schiffsverkehrs bis 2050 jedoch um 50 Prozent bis 250 Prozent steigen. Dies würde zu einer Erhöhung des Anteils an den weltweiten Emissionen vom derzeitigen Niveau von zwei  auf zehn Prozent führen, wenn der Rest der Welt auf dem Weg in Richtung des 2-Grad-Ziels ist. Bislang gibt es jedoch weder auf EU-, noch auf globaler Ebene ein System, das die Höhe der Treibhausgasemissionen des Schiffsverkehrs reguliert.

Endbericht „Analyse und Weiterentwicklung von Klimaschutzmaßnahmen im Seeschiffsverkehr unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen auf internationaler und europäischer Ebene“

Weitere Informationen zum Thema Klimaschutz im Seeverkehr auf der Webseite des Öko-Instituts (in englischer Sprache)

Ansprechpartner am Öko-Institut:

Friedhelm Keimeyer
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich
Umweltrecht & Governance
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-308
E-Mail: f.keimeyer@oeko.de