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Sport : Umwelt

Ein Freundschaftsspiel

Behilflich
Das Öko-Institut berät Südafrika bei der Fußball-WM

Beachtlich
Zur Euro 2008 sind viele Fans mit der Bahn gefahren

Bedauerlich
Klimaschutz spielt im Urlaub kaum eine Rolle

Die Vorturner

Eine Idee wird zum Renner – Umweltschutz im Sportverein

Eingeweihte nennen ihn HT 16 - die Hamburger Turnerschaft von 1816. Rund 6000 Mitglieder gehören derzeit dem ältesten Turn- und Sportverein der Welt an. Dass die Sportler trotzdem mit der Zeit gehen, haben sie gezeigt. So haben sie sich vor zehn Jahren als erster Sportbetrieb einem europaweit genormten Umweltmanagement-Verfahren unterworfen: dem Öko-Audit. „Wie machen wir den Verein fit für die Umwelt?”, fragte sich das Management. Frei nach dem Motto: „Öko” finden die Mitglieder zwar gut, aber keiner soll es merken. Und es soll keiner auf Komfort verzichten. Innerhalb kürzester Zeit investierten die Vereinsmanager in eine Solarthermieanlage mit einer intelligenten Steuerungs- und Regelungstechnik, in ein Mini-Blockheizkraftwerk im Keller und in eine neue Strahlungsheizung. Aber auch Kleinigkeiten, wie Duscharmaturen, die den Wasserdurchfluss begrenzten, sorgten für große Wirkung. Allein 1000 Kubikmeter Wasser und damit 10.000 Euro konnte der Verein so im Jahr sparen. Die neue Heizung brachte Ersparnisse von rund 7500 Euro im Jahr. Selbst anfängliche Skeptiker im Verein überzeugten diese Geschäftsvorteile.

Das Öko-Audit liegt zwar schon einige Jahre zurück, doch der Verein hat über die Jahre einige Angebote ins Leben gerufen, die zum Vorbild im deutschen Vereinssport geworden sind. Und er hat mit seinem Beispiel andere angestiftet, sich ebenfalls um den Umweltschutz im Sportverein zu bemühen. Die Initiative überzeugte damals sogar den Filmemacher Carl A. Fechner, der mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt einen Dokumentarfilm über die Vorturner aus Hamburg drehte. cr

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Die Vorturner

Eine Idee wird zum Renner – Umweltschutz im Sportverein

Ansprechpartner

Martin Schmied
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
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Weitere Informationen

  • Einen Leitfaden für umweltfreundliche Sportgroßveranstaltungen, „Green Champions für Sport und Umwelt“, haben der Deutsche Olympische Sportbund und das Bundesumweltministerium unter fachlicher Beteiligung des Öko-Instituts herausgegeben.

    Der Leitfaden kann hier >> kostenlos heruntergeladen werden.


  • Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hält viele weitere Materialien zum Thema „Sport und Umwelt“ bereit.

    Hier >> kommen Sie zum Download-Bereich.


  • Kooperationsprojekt Sport und Umwelt
    Das Kooperationsprojekt Sport und Umwelt zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt startete am 1. Januar 2004. Es ist über eine geplante Laufzeit von fünf Jahren mit einem Finanzvolumen von 2,5 Millionen Euro ausgestattet und soll mit einem jährlichen Budget von 500.000 Euro und einer Förderquote bis zu 50 Prozent Umweltprojekte aus den Reihen der Sportorganisationen unterstützen.

    Die Förderschwerpunkte konzentrieren sich auf die Themenbereiche Klima- und Ressourcenschutz, Naturschutz und Umweltkommunikation/Umweltbildung. Unterstützt werden vor allem öffentlichkeits- und breitenwirksame Modellprojekte sowie Kooperationsprojekte mit unterschiedlichen Partnern. Kriterien für die Förderung sind vor allem Innovation, Modellcharakter, Umweltentlastung, Breitenwirksamkeit, Öffentlichkeit und langfristige Effekte.

    Kontakt

    HT 16
    Sport- und Freizeitzentrum der HT16
    Sievekingdamm 7
    20535 Hamburg
    Telefon (040) 25 17 49 0
    Telefax (040) 25 17 86 46
    E-Mail Kontakt

    Fechner Media GmbH
    Telefon 07462/92 39 2-0
    E-Mail Kontakt
    www.fechnermedia.de

Lohses UmWELT

Über Gedanken, Ideen und Begegnungen in einem bewegten Berufsleben

Liebe Leserinnen und liebe Leser,
es ist gerade mal ein paar Wochen her. Kaum steige ich in Freiburg aus dem Zug, stehe ich auch schon mitten drin, im wild hupenden Autokorso, im bunten Fahnenmeer. Europa im Fußballfieber. Klasse, wie sich die Menschen für ihre Teams begeistern, denke ich mir. Ungefähr eine halbe Minute lang. Dann holt mich der Analytiker ein. Berufskrankheit. Und ich frage mich: Hat eigentlich schon mal jemand gerechnet? Was das für unsere Umwelt bedeutet?

Hunderttausende Fans, die kreuz und quer durch Europa fliegen. Wer ist mit der Bahn angereist? Nach jedem Spiel die Autofahrten im Kreis herum. Könnten wir nicht auch mal einen Fahrradkorso starten? Etliche Tonnen Abfall. Klappt die Sortierung? Die weltweiten Fernsehübertragungen. Wie wär’s mit Ökostrom? Ganz zu schweigen von den Fanartikeln oder dem Rasen, der kurzfristig in den Stadien verlegt worden ist. Wer denkt an die Folgen durch Herstellung, Transport und Entsorgung? Je länger ich überlege, desto mehr Aspekte gehen mir durch den Kopf.

Und kaum ist das eine Ereignis vorbei, folgt das nächste, die olympischen Spiele. Dann geht das Ganze von vorne los. Nur noch schlimmer, weil viel größer. Höchstens die Autokorsos werden fehlen. Können wir uns das überhaupt noch leisten? Fragt sich der Umweltschützer.

Selbstverständlich, sagt der Sportsfreund. Es gibt viele gute Gründe, warum Sportgroßveranstaltungen ein wichtiger Bestandteil unseres Kulturlebens sind. Dazu gehört nicht zuletzt die Tatsache, dass hier ehemals verfeindete Nationen aufeinandertreffen. Heute sind Turniermannschaften nationale Schmelztiegel und auf dem Spielfeld gelingt in den meisten Fällen, was in der Geschichte oft scheiterte: hitzige Auseinandersetzungen, bei denen am Ende die Fairness überwiegt.

Und trotzdem: Es ist wichtig, dass Sport und Umwelt so gut es geht miteinander versöhnt werden. Möglichkeiten dafür gibt es viele. Lesen Sie mehr dazu in diesem Heft. Und schreiben Sie uns, welche Maßnahmen Sie sinnvoll finden. Oder für Augenwischerei halten. Oder welche Anregungen Sie für uns haben. Ich freue mich darauf!

Herzliche Grüße

Ihr Joachim Lohse | j.lohse(at)oeko.de

Impressum


eco@work – August 2008
ISSN: 1863-2017

Herausgeber:
Öko-Institut e.V.

Redaktion:
Christiane Rathmann (cr)
Katja Kukatz (kk)

Verantwortlich:
Christian Hochfeld

Weitere Autoren:
Katharina Hien (kh), Dr. Joachim Lohse, Friederike Stoller (fst)

Gestaltung/Layout:
Hannes Osterrieder

Technische Umsetzung:
Markus Werz, Öko-Institut e.V.
Brita Berger, Wilhelm Innovative Medien

Titelfoto:
© mipan - Fotolia.com

Redaktionsanschrift:
Postfach 50 02 40, D-79028 Freiburg
Tel.: 0761/45295-0, Fax: 0761/45295-88
redaktion@oeko.de
www.oeko.de

Bankverbindung für Spenden

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BLZ 680 501 01
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IBAN: DE 96 6805 0101 0002 0634 47
BIC: FRSPDE66

Spenden sind steuerlich abzugsfähig.

Aktuelles im Überblick

Product Carbon Footprint, EcoTopTen, Tarifrechner für Ökostrom, grüne Beschaffung und mehr

Radioaktiv belastete Lebensmittel...

...sind für den Markt untauglich. Doch sie lassen sich auch nicht ohne Weiteres entsorgen. Was also im Notfall damit tun?

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich etliche Kilometer von Deutschland entfernt. Doch auch hier zu Lande hinterließ sie nicht nur Angst und Schrecken. Viele landwirtschaftliche Produkte waren so stark radioaktiv belastet, dass sie nicht mehr in den Handel gebracht werden konnten. Und käme es zu einem schweren Unfall in einem deutschen oder grenznahen Kernkraftwerk, wäre dieser Berg unbrauchbarer Lebensmittel noch deutlich größer. Neben vielen anderen gravierenden Folgen also ein weiteres Problem, das im Notfall gelöst werden müsste: Wohin damit? Zwar existieren diverse Vorschläge. „Die könnten sich zum Teil aber als nicht praktikabel entpuppen”, gibt Kernenergieexperte Christian Küppers vom Öko-Institut zu bedenken, „aus technischen Gründen oder wegen ungenügender Kapazitäten oder weil geeignete Entsorgungsmethoden rechtlich gar nicht zugelassen sind.” Im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz klärt das Öko-Instituts daher jetzt, welche Entsorgungswege empfehlenswert wären. Darauf aufbauend werden die Wissenschaftler eine Notverordnung für den Ernstfall entwerfen, damit sinnvolle Maßnahmen künftig auch eine rechtliche Basis haben. kk

info: Christian Küppers

kurz & knapp

Neu bei EcoTopTen
Konsum mit Köpfchen? Kein Problem mit den Marktübersichten von EcoTopTen! Aktualisierte Empfehlungen zu ökologischen Spitzenprodukten, die umweltfreundlich sind, eine hohe Qualität und einen angemessenen Preis haben, gibt es online zum Beispiel zu Autos, Carsharing, Ökostrom, Energiesparlampen, Geschirrspülmaschinen und Kühlgeräten, Waschmaschinen, Holzpelletheizungen und Fernsehern, weitere folgen in Kürze. EcoTopTen informiert übrigens nicht nur über den Kaufpreis der Produkte, sondern auch über die Kosten, die durch deren Nutzung entstehen. kk

www.ecotopten.de

Für Sparfüchse
Der Verein EnergieVision, der gemeinsam vom Öko-Institut, der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und der Umweltstiftung WWF Deutschland getragen wird, bietet einen attraktiven, neuen Service: einen Tarifrechner speziell für empfehlenswerten Ökostrom. Bei Eingabe der Postleitzahl und des individuellen jährlichen Stromverbrauchs listet er die günstigsten Produkte. Der Mehrwert: Der Rechner berücksichtigt nur Angebote, die der Umwelt einen zusätzlichen Nutzen bringen. Deren Nachfrage lässt den Anteil an Ökostrom am gesamten Strommix weiter wachsen. kk

www.ok-power.de/tarifrechner

Immer informiert:

unser Event Ticker auf www.oeko.de

Möchten Sie regelmäßig über aktuelle Veranstaltungen des Öko-Instituts informiert werden? Dann abonnieren Sie unseren neuen, kostenlosen Event-Ticker. Die Anmeldemaske finden Sie direkt auf unserer Startseite unter www.oeko.de.

Im Interview: Christian Hochfeld über das PCF-Pilotprojekt

„Gut für das Klima”

Der Product Carbon Footprint, die produktbezogene Klimabilanz von ausgewählten Produkten, wird in einem Pilotprojekt ermittelt, an dem das Öko-Institut beteiligt ist. Zusammen mit den weiteren Projektträgern WWF, PIK und Thema1 und den Unternehmenspartnern dm Drogeriemarkt, DSM, Frosta, Henkel, REWE-Group, Tchibo, Tengelmann, Tetra Pak und T-Home werden für ausgewählte Produkte die CO2-Emissionen ermittelt. Erste Ergebnisse werden Ende des Jahres 2008 erwartet. Was dahinter steckt, erläutert Christian Hochfeld, stellvertretender Geschäftsführer am Öko-Institut.

Wie trägt das Projekt zum Klimaschutz bei?
Um klimafreundliche Produkte herstellen zu können, ist es unerlässlich, die Treibhausgas-Emissionen von deren Herstellung bis zur Entsorgung zu kennen. Werden die Emissionen erfasst, können Einsparpotentiale entdeckt und umgesetzt werden. Der Product Carbon Footprint ist demnach ein geeignetes Mittel, um den Einfluss eines Produktes auf den Klimawandel festzustellen und zu verringern.

Was für Vorteile hat der Verbraucher davon?
Ungefähr 40 Prozent der klimarelevanten Emissionen des durchschnittlichen Bundesbürgers entstehen durch Ernährung und Konsum. Bisher gibt es jedoch kaum Möglichkeiten für die Konsumenten, emis-
sionsarme Produkte zu erkennen. Hier sollen die Projektergebnisse helfen und klimafreundlichen Konsum erleichtern.

Es bestehen schon ähnliche Initiativen in anderen europäischen Ländern. Wie steht das Projekt dazu?
Bisher fehlt es an international einheitlichen Erfassungsmethoden und Richtlinien für die Kennzeichnungen von Produkten. Diese Lücke will das Pilotprojekt schließen, vorhandene Methoden und Standards weiterentwickeln sowie zur internationalen Harmonisierung beitragen.

Das Interview führte Friederike Stoller.

info: Christian Hochfeld

Wettstreit ums Dach

Sollten wir unsere Häuser künftig mit Dachsteinen aus Beton statt mit Tonziegeln decken? Aus Umweltsicht spräche einiges dafür. Denn ein Dachstein aus Beton verursacht während seines gesamten Lebensweges nur rund 45 Prozent der Treibhausgase, die bei einem Dachziegel aus Ton anfallen. Der Hauptgrund dafür: Die Produktion von Dachsteinen verbraucht wesentlich weniger Energie. Das ist das Ergebnis einer Ökobilanz, die das Öko-Institut im Auftrag des Unternehmens Monier erstellt hat. Aber auch in anderen Umweltaspekten punkten Dachsteine, zum Beispiel mit geringeren Feinstaubmengen. kk

info: Carl-Otto Gensch

Hoch im Kurs:

Grüne Beschaffung

Die öffentliche Beschaffung soll nach dem Willen der Bundesregierung umweltfreundlicher werden. Viele Praktiker jedoch sind zögerlich. Im Auftrag des Umweltbundesamtes untersuchen das Öko-Institut und die TU Dresden aktuell, warum. Dazu werden ausgewählte Bundesinstitutionen jetzt, und noch einmal in einem Jahr, standardisiert befragt. So soll geprüft werden, ob sich die Beschaffungspraxis durch die Problemanalyse verändert hat. Um vorhandene Wissenslücken zu schließen, erstellen die ExpertInnen außerdem umfangreiches Schulungsmaterial. kk

info: Andreas Hermann

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Radioaktiv belastete Lebensmittel...

Ansprechpartner

Christian Küppers
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Institutsbereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
E-Mail Kontakt

„Gut für das Klima“

Im Interview: Christian Hochfeld über das PCF-Pilotprojekt

Ansprechpartner

Christian Hochfeld
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Institutsbereich Infrastruktur & Unternehmen
Stellvertretender Geschäftsführer
E-Mail Kontakt

Eine Kurzbeschreibung des Pilot-Projektes Product Carbon Footprint lesen Sie hier >>.

Nähere Informationen zu den Trägern des Pilotprojektes sowie deren Statements zum Projekt erhalten Sie hier >>.

Weitere Angaben zu den beteiligten Unternehmen finden Sie auf folgender Seite >>.

Wenn Sie noch tiefer in das Thema eintauchen möchten, finden Sie weitere Hintergrundinformationen und Präsentationen der Fachtagung „Carbon Footprint von Produkten – Methodik und Kommunikation“ hier >>.



Wettstreit ums Dach

Ansprechpartner

Carl-Otto Gensch
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Koordinator Institutsbereich Produkte & Stoffströme
E-Mail Kontakt

Weitere Informationen
Die vollständige Studie können Sie hier >> kostenlos aus dem Internet herunterladen.



Hoch im Kurs:

Grüne Beschaffung

Ansprechpartner

Andreas Hermann
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Institutsbereich Umweltrecht & Governance
E-Mail Kontakt

Weitere Informationen

Eine Kurzbeschreibung des Projekts lesen Sie hier >>

Wissenswertes rund um das Thema grüne Beschaffung hat das Umweltbundesamt unter der folgenden Homepage zusammengestellt: www.beschaffung-info.de

So grün, so schön, so schwierig?

Ökologie und Sport gehören untrennbar zusammen / Doch es gibt noch Probleme zu lösen

Die Fußball-Europameisterschaft ist vor kurzem zu Ende gegangen, die olympischen Spiele in China beginnen bald. Das Jahr 2008 steht ganz im Zeichen des Sports. Ob es um jubelnde Fußball-Anhänger in den Stadien und auf den Fan-Meilen oder um zu erwartende olympische Rekorde in Peking geht, die beiden sportlichen Großveranstaltungen haben eines gemeinsam: Sie mobilisieren Menschenmassen. Und sie können somit auch der Umwelt schaden. „Damit finden wir uns nicht ab”, meinen Dr. Hartmut Stahl und Christian Hochfeld aus dem Öko-Institut. Zusammen mit anderen Wissenschaftlern und Experten haben sie vor zwei Jahren „Green Goal” erfolgreich abgeschlossen – ein Umweltkonzept für die Fußball-WM in Deutschland. Seitdem hat sich in puncto Ökologie und Sport viel getan. Welche Bedeutung das Thema mittlerweile bekommen hat, welche Erfolge dem zugrunde liegen und wo sich unverändert Schwierigkeiten zeigen, lesen Sie im Schwerpunkt dieser Ausgabe.
Die Klimaneutralität – eine knifflige Aufgabe
Ralph Harthan gehört zu den Energieexperten im Öko-Institut und hat sich dort unter anderem auf Projekte spezialisiert, mit denen Treibhausgase ausgeglichen werden. „Wir haben bei der WM für die Kompensation der Treibhausgase je ein Klimaschutzprojekt in Indien und Südafrika empfohlen, die nach dem so genannten Gold Standard zertifiziert sind”, sagt der Berliner Wissenschaftler. „Damit genügen die Projekte höchsten Sozial- und Um-
weltstandards.” Knapp 100.000 nicht vermeidbare Tonnen Kohlendioxid sind während der Fußball-WM in Deutschland angefallen und anschließend kompensiert worden. Bezahlt haben das der DFB, der Welt-Fußballverband und weitere Partner. Doch zuvor hat das Umweltkonzept des Öko-Instituts dafür gesorgt, dass ungefähr 20 Prozent weniger Energie verbraucht wurde und zudem konsequent erneuerbare Energien zum Einsatz kamen. 13 Millionen Kilowattstunden zertifizierter Öko-Strom wurden zusätzlich eingespeist. Aus Sicht des Öko-Instituts ein deutlicher Erfolg.

Trotzdem geriet die klimaneutrale Ausrichtung der WM in die Schusslinie, weil die WM-Organisatoren nur die Treibhausgase in Deutschland betrachtet haben. „Green Goal hat noch Optionen zur Weiterentwicklung gelassen, das sind die internationalen Flüge”, erwidert Green-Goal-Experte Dr. Hartmut Stahl. Hinzu kommt, dass nur Deutschland im Verantwortungsbereich des Organisa-tionskomitees lag. Der Wissenschaftler findet es wichtig, dass die WM ein nachhaltiges Erbe hat: So sind beispielsweise in den Stadien und WM-Städten Photovoltaikanlagen mit einer Spitzenleistung von 2800 Kilowatt installiert. Zudem ersetzen Regen-, Oberflächen- und Brunnenwasser bis heute in sechs Stadien das kostbare Trinkwasser.

13 von den insgesamt 16 anspruchs-vollen Umweltzielen hat das Umweltkonzept erreicht. Und Green Goal macht Schule: Die Euro 2008 baute darauf auf, auch Südafrika setzt sich anspruchsvolle Ziele. Weitere Länder und internationale Sportveranstaltungen ziehen nach. Lesen Sie mehr dazu in den nachfolgenden Artikeln.

Es gibt vereinzelte Rückschritte
So grün, so schön? Leider nein. Nicht jede Sportveranstaltung, die sich „grün” nennt, greift auf die hohen Standards von Green Goal zurück. Mancher Veranstalter von großen Sport-Events legt zudem im Vorfeld keine klar definierten Ziele fest, auch das Know-how und die Bedeutung, die der Ökologie zugebilligt werden, unterscheiden sich. Probleme bereitet zum Teil der Breitensport. Immer noch bauen Vereine oder Städte Sportstätten und Stadien, bei denen an ökologische Kriterien nicht gedacht wird. „Hier gibt es noch viel zu tun”, findet Stahl.

Demgegenüber stechen die olympischen Winterspiele in Vancouver 2010 und die olympischen Sommerspiele in London 2012 positiv hervor, weil sie große Pläne für eine ökologische Lebensweise schmieden. Mit Hilfe des Sports wollen die Kanadier beispielsweise das Alltagsleben der Menschen beeinflussen und eine positive Stimmung für die Nachhaltigkeit schaffen.

Der Leitfaden Green Champions – eine erfolgreiche Hilfe
Seit kurzem bietet ein neuer Leitfaden eine Orientierung für alle Organisatoren von Groß-Events genauso wie für Verbände und Vereine. „Green Champions” für Sport und Umwelt gibt praxisnahe Tipps und einen guten Überblick, wie sich ein Sport-Event umweltgerecht organisieren lässt. Praktische Beispiele mit Modellcharakter gehören ebenso dazu
wie Checklisten oder ein Literaturverzeichnis. Die Broschüre zeigt zudem auf, dass Umweltschutz im Sport zu echten Win-Win-Situa-tionen führt. Wer auf die Ressourcen achtet, spart Kosten und leistet somit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

In die Handlungsanleitung eingeflossen sind Erfahrungen der Öko-Instituts-Wissenschaftler ebenso wie ein Forschungsprojekt, bei dem in Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln Sport-Großveranstaltungen eines Jahres unter verschiedenen Kriterien ausgewertet wurden.
Dass der Leitfaden sehr gut angenommen wurde, ist nach Ansicht der Öko-Instituts-Experten ein Zeichen: „Wir sehen den Willen, Umweltschutz im Sport zu etablieren”, sagt Stahl.

Green Cop – eine umweltfreundliche Veranstaltung
Weiteres positives Beispiel für eine verantwortungsvolle Event-Organisation: die UN-Naturschutzkonferenz. Als im Mai dieses Jahres rund 5000 Teilnehmer aus 190 Staaten nach Bonn reisten, um sich dort über die biologische Vielfalt und die weltweite Naturzerstörung auszutauschen, standen die Veranstalter vor einer ökologischen Herausforderung. Es fielen rund 20.000 Tonnen schädliche Treibhausgas-Emissionen durch die internationalen Flüge an. Hinzu kamen Abfallmengen, der Energieverbrauch und der innerstädtische Verkehr als potentielle Umweltverschmutzer. Ein eigenes Umweltkonzept „Green Cop” vom Öko-Institut, das auf dem Leitfaden „Green Champions” aufbaute, sorgte erfolgreich für Abhilfe.

Fazit des Öko-Instituts-Experten Stahl: „Ob im Sport oder in der Politik – bei großen Veranstaltungen müssen ökologische Aspekte einbezogen werden. Daran führt kein Weg vorbei.”
Christiane Rathmann

info: Dr. Hartmut Stahl | Ralph O. Harthan

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So grün, so schön, so schwierig?

Ökologie und Sport gehören untrennbar zusammen / Doch es gibt noch Probleme zu lösen

Ansprechpartner

Dr. Hartmut Stahl (Sport und Umwelt allgemein, Green Goal, Green Cop)
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
E-Mail Kontakt

Christian Hochfeld (Green Goal)
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
E-Mail Kontakt

Martin Schmied (Leitfaden Green Champions)
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
E-Mail Kontakt

Ralph O. Harthan (Klimaprojekte)
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
E-Mail Kontakt

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Cup der guten Hoffnung

Bald rollt der Ball wieder ins grüne Tor: Umweltfreundliche Fußball-WM in Südafrika

Wenn Ike Ndlovu über seine Aufgabe spricht, ist ihm der Stolz anzumerken. „Südafrika ist das erste afrikanische Land, das eine Veranstaltung in dieser Größe ausrichtet”, sagt er. Ike Ndlovu arbeitet als Umweltbeauftragter in Sachen Fußball. Genauer gesagt gehört der Afrikaner dem Organisationskomitee für die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika an und in dieser Funktion sorgt er mit Unterstützung des Öko-Instituts dafür, dass der Ball 2010 wieder in ein grünes Tor rollen soll. Vorbild für das internationale Großevent: das deutsche Umweltkonzept Green Goal.

Als vor zwei Jahren die Fußball-WM in Deutschland zu Ende ging, haben sich Wissenschaftler aus dem Öko-Institut mit dem südafrikanischen Umweltminister getroffen. Dieser meldete Interesse an, das Sportereignis in seinem Heimatland ökologisch auszurichten und zugleich das Bewusstsein für globale und lokale Umweltthemen zu schärfen. Und so hat das südafrikanische Ministerium für Umwelt und Tourismus in enger Zusammenarbeit mit dem örtlichen Organisationskomitee (LOC) und den neun Austragungsorten ein anspruchsvolles Green-Goal-Konzept für 2010 erarbeitet. Seit Sommer 2007 berät das Öko-Institut offiziell die Südafrikaner und gibt seine eigenen Erfahrungen an die jetzigen WM-Organisatoren weiter.

„Das Augenmerk des Konzepts liegt auf dem Abfallmanagement, dem Energie- und Wasserverbrauch, der umweltfreundlichen Mobilität und dem Klimaschutz”, erläutert Green-Goal-Experte Dr. Hartmut Stahl. „Die kommende Fußballweltmeisterschaft klimaneutral auszurichten, ist dabei das Hauptanliegen. Deshalb wurde ein umfassender Handlungsplan mit den Schwerpunkten auf Energieeffizienz, erneuerbaren Energien sowie der Kompensation der verbleibenden CO2-Emissionen entwickelt. So soll gewährleistet werden, dass das
gesteckte Ziel erreicht wird und die
Veranstaltung eine positive Bilanz hinterlässt”, fasst er die Kernpunkte zusammen.

Die Organisatoren wünschen sich ein positives Vermächtnis
Damit dies gelingt, stehen grundsätzliche Leitlinien im Mittelpunkt.

  • Ein umweltfreundliches Handeln:
    Neue Technologien und ein ökologisches Verhalten sollen dafür sorgen, das Abfallaufkommen, den Energieverbrauch, die Luft- und Wasserverschmutzung möglichst klein zu halten. Konkret geplant sind Maßnahmen zur Abfallvermeidung und Neuerungen in der Infrastruktur wie beispielsweise der Einsatz von Abfall-Recyclinganlagen oder Maßnahmen, um den Verkehr umweltfreundlich zu gestalten.

  • Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung:
    Es sind gezielte Maßnahmen geplant, um die Gemeinden von Anfang an auf allen Ebenen in die Konzeptentwicklung und in die Entscheidungen einzubinden. Zudem sollen Arbeitsplätze vor Ort geschaffen und die städtische Wirtschaft gefördert werden.

  • Aktionen für ein ökologisches Bewusstsein:
    Die Pläne für eine umweltfreundlich organisierte Fußball-WM sowie deren Vorteile sollen der Öffentlichkeit erläutert werden, um so zukünftiges Handeln zu verändern. Hoffnung setzen Ike Ndlovu und seine Mitstreiter diesbezüglich auch auf die hohe Medienaufmerksamkeit.

  • Ein positives Vermächtnis hinterlassen:
    Schlussendlich soll eine umweltgerecht organisierte WM kurz- und langfristig zu einer grundlegenden Verbesserung der Ökologie in Südafrika führen. Wenn der Verbrauch von wichtigen Rohstoffen wie Wasser, Strom und Treibstoff sinkt, und darüber hinaus die Biodiversität geschützt wird, kann dies auch wirtschaftlich gesehen langfristige positive Folgen haben.

Im Laufe des Sommers beginnt die Umsetzung des Green-Goal-Kon-zepts, weitere konkrete Ziele werden dann der Öffentlichkeit vorgestellt. Derzeit sind die Organisatoren zuversichtlich, dass die Ergebnisse und Leistungen auch ein Vorbild für die WM in Brasilien im Jahr 2014 sein werden. Dass der Weg an der einen oder anderen Stelle noch steinig werden könnte, wissen alle Beteiligten. Kritischer Punkt könnte aus Sicht des Öko-Instituts beispielsweise der Neubau der Stadien werden.

Vier Arenen werden für das Turnier ganz neu gebaut: das Greenpoint-Stadion in Kapstadt, das Nelson-Mandela-Bay-Stadion in Port Elizabeth, das Durban-Stadion und das Mbombela-Stadion in Nelspruit. Das WM 2010 Finale soll in Johannesburg im Soccer-City-Stadion stattfinden, ein reines Fußball-Stadion mit derzeit 80.000 Plätzen. Das Stadion soll bis zur Fußball WM 2010 grundlegend umgebaut und modernisiert werden. „Wir hoffen zwar, dass beim Neu- und Umbau ökologische Kriterien beachtet werden”, sagt Öko-Instituts-Experte Dr. Hartmut Stahl. „Aber wegen des knappen Zeitrahmens ist es schwierig, das Thema Umwelt noch grundlegend beim Stadionbau zu berücksichtigen.”

Green Goal interessiert auch andere Länder
Klar ist indes schon jetzt, dass auch andere Sport-Großveranstaltungen und andere Länder Interesse am Umweltschutz zeigen. Beispiel Rugby-Weltmeisterschaft 2011 in Neuseeland: Die Organisatoren haben ein Umweltkonzept auf Basis der Green-Goal-Ideen entwickeln lassen, ob es umgesetzt wird, muss allerdings noch entschieden werden. Die Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEP) organisierte kürzlich eine Delegationsreise an das Schwarze Meer nach Sotschi, um den dortigen Stand der Umweltbemühungen für die Winterolympiade 2014 zu begutachten. Unter den eingeladenen Experten: Wissenschaftler aus dem Öko-Institut.

Green-Goal-Fachmann Stahl bewertet diese Entwicklung als Erfolg – allerdings mit kleinen Abstrichen: „Zum Glück gehört Umweltschutz bei internationalen Sport-Veranstaltungen mittlerweile fast selbstverständlich dazu. Doch noch ist es lange nicht überall eine Pflichtaufgabe und auch die Qualität der Umweltkonzepte unterscheidet sich”, sagt er. Sein Wunsch für die Zukunft: konkrete und verpflichtende Umweltstandards auf internationaler Ebene.
Christiane Rathmann
Mitarbeit: Friederike Stoller


info: Dr. Hartmut Stahl

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Cup der guten Hoffnung

Bald rollt der Ball wieder ins grüne Tor: Umweltfreundliche Fußball-WM in Südafrika

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„Die EURO 2008 ermöglicht es, große Gesellschaftsgruppen für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren”

Im Interview: Christian Pladerer vom Österreichischen Ökologie Institut

Für die Fußball-Europameisterschaft 2008 haben die beiden Gastgeberländer Österreich und Schweiz das Nachhaltigkeitskonzept „Umwelt am Ball” entwickelt. Initiiert vom österreichischen Umweltminister Josef Pröll erarbeiteten das Österreichische Ökologie Institut und die Firma Brainbows die Grundlagen dafür. Sie gingen vom Projekt „Green Goal” des Öko-Instituts zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 aus und erweiterten es. Christian Pladerer vom Österreichischen Ökologie Institut war maßgeblich am Nachhaltigkeitskonzept beteiligt und zieht gegenüber eco@work sein Resümee.

Wie grün war die EURO 2008 im Rückblick denn wirklich? Was konnte realisiert werden?
Sehr erfolgreich waren der Ausbau und die Nutzung des öffentlichen Verkehrs. Mit dem Kombi-Fußballticket konnten alle öffentlichen Verkehrsmittel, auch die Bahn, am Tag des Spiels und bis zum Mittag des nachfolgenden Tages kostenlos benutzt werden. Ich selbst bin zu Deutschland gegen Polen nach Klagenfurt gefahren und habe gesehen: Das Angebot wurde gut angenommen und es war alles prima organisiert. Vielleicht bringt die gute Erfahrung auch im Alltag mehr Menschen auf die Schienen. Ein weiterer Pluspunkt war die Öko-Auditierung der vier österreichischen Stadien nach EMAS. Das Wiener Stadion erhielt eine Solaranlage und es wurden wassersparende Armaturen angebracht. Das alles sind Einrichtungen, die auch nach der EM für einen umweltgerechteren Betrieb sorgen. Ein dritter positiver Aspekt war das Mehrwegsystem für Getränke: Die Stadien waren wirklich sauber. Für die Stadien, für die das System neu war, hoffen wir, dass sie auch zukünftig dabei bleiben.

Was war die größte Schwierigkeit bei „Umwelt am Ball”?
Die größte Umweltbeeinträchtigung bei einem Sportgroßereignis ist der Verkehr. Leute in öffentliche Verkehrsmittel zu bringen, ist bei weitem der teuerste Aspekt. Auch war die Mehrweg-Getränkeversorgung in Klagenfurt ein heiß umkämpftes Thema, das auch während der EM nicht ganz hundertprozentig klappte. Die Gastrobetriebe außerhalb der offiziellen Fan-Zonen verkauften in der Stadt günstige Getränke in Dosen und Einwegbechern. Da hat leider die Stadtpolitik versagt. In Innsbruck hingegen lief es gut, denn dort kaufte die Stadt Mehrwegbecher und stellte sie den Gastrobetrieben zur Verfügung.

Was haben Sie aus dem Projekt Green Goal des Öko-Instituts gelernt?
Green Goal war eine super Basis, vor allem hat uns der Endbericht sehr geholfen. Das Organisationskomitee der FIFA hatte damit den ersten Schritt gemacht. Für die UEFA, die ja die EM ausrichtet, waren solche Gedanken noch neu. Green Goal hat den Umweltbereich betrachtet, wir haben zusätzlich soziale Aspekte hinzu genommen wie beispielsweise Barrierefreiheit, Fair Trade, regionale Produkte, Gender und Migranten. Sehr positiv finde ich, dass die Umweltministerien und die UEFA von uns einen Evaluierungsbericht angefordert haben.

Welches Resümee ziehen Sie nach der Fußball-EM?
Die Erfahrungen mit „Umwelt am Ball” sind sehr wertvoll für andere Großveranstaltungen wie Kultur- oder Musikfestivals, Messen und Kongresse. Wir beraten zur Zeit die Ministerien zu einem Konzept „Green Events”. Außerdem streben wir mit mehreren Projekten an, auch regionale, kleinere Veranstaltungen wie Almabtriebe oder Käsefeste umweltverträglicher zu gestalten.

Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Katharina Hien.

info: pladerer(at)ecology.at

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Ansprechpartner

Christian Pladerer
Österreichisches Ökologie Institut
Seidengasse 13
A-1070 Wien
Tel: +43 699 1 523 61 01; Fax: +43 1 523 58 43
Web: www.ecology.at | www.umweltamball.at

Zur Person

  • 1969 in Villach, Kärnten, geboren

  • Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ in Wien

  • 1994 bis 1999 Abfallberater der Stadt Wien

  • seit Februar 1999 Mitarbeiter des Österreichischen Ökologie-Instituts, Mitglied der Institutsleitung und Bereichsleiter „Ressourcenmanagement“



Arbeitsschwerpunkte
Nachhaltige Abfall- und Stoffstromwirtschaft, Maßnahmen zur Abfallvermeidung, Nutzung nachwachsender Rohstoffe und Strategische Umweltprüfungen.

Ausgewählte Projekte

  • Vergleichende Ökobilanz verschiedener Bechersysteme beim Getränkeausschank mit Fokus auf Großveranstaltungen; Laufzeit: 2007 bis 2008

  • Die Umweltchecker: Unterrichtsmaterialien zur Nachhaltigkeit für Kinder von 6 bis 12 Jahren und wissenschaftliche Begleitung der Ausstellung im ZOOM Kindermuseum; Laufzeit: 2006 bis 2007

Im Porträt: Dr. Hartmut Stahl, Andreas Klages und Theodore Oben

Neue Denkansätze

Dr. Hartmut Stahl ist der Fußball-Freak im Öko-Institut

Früher hat er Bälle gekickt und gebaggert, heute fährt er lieber Kajak, klettert oder wandert. „Zu Sport und Natur habe ich einen starken Bezug”, sagt der promovierte Chemiker. Mit vier anderen „Neuen” im Öko-Institut machte er sich 1999 an ein gemeinsames Projekt: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland möglichst umweltverträglich zu gestalten. „Wir nannten uns 'Die grünen Wilden', aber das Gerücht, dass wir uns nur günstige WM-Tickets besorgen wollten, stimmt nicht”, schmunzelt der 44-Jährige.

Mit ihrem Vorschlag sorgten sie beim Deutschen Fußball-Bund für neue Denkansätze. Das Projekt Green Goal sei ein beiderseitiger Kennenlern-Prozess bis hin zur heutigen Wertschätzung gewesen, so der Projektleiter: „Neben anderen Folgeprojekten steht es Pate für die Fußball-WM 2010 in Südafrika.” Doch es sei weniger der Weltfußballverband als die Austragungsländer, die sich mit Umweltfragen beschäftigen. „Umweltschutz gehört zwar inzwischen zu Sportgroßveranstaltungen, die Qualität der Bemühungen ist aber sehr unterschiedlich”, so Stahl. Er strebt darum zukünftig internationale Standards an. kh

info: Dr. Hartmut Stahl

Neue Aufgaben

Andreas Klages vom Sportbund findet Umweltschutz wichtig

Umweltthemen sind seit April 2007 neu in seinem Bereich: „Es ist konsequent, denn der Sport nutzt natürliche Ressourcen und ich bin für Breitensport und Sporträume zuständig”, sagt Andreas Klages. Seit nunmehr sieben Jahren ist der Politologe beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). „Zum einen brauchen unsere 91.000 Sportvereine Ressourcen, zum anderen findet Sport direkt in der Natur statt”, so der Leiter des Ressorts, der beide Aspekte nachhaltig betreiben will. Zu den Olympischen Spielen in Peking seien zwölf Milliarden US-Dollar in den Umweltschutz geflossen: Photovoltaik, Nahverkehr und Naherholungsgebiete baute das lokale Organisationskomitee aus. „Aber Sport kann die vielfältigen Umweltprobleme nicht lösen, sondern nur ein Katalysator sein”, sagt der 39-Jährige. Klages hat kürzlich mit dem Öko-Institut und dem Bundesumweltministerium den Leitfaden für umweltgerechte Sportgroßveranstaltungen Green Champions fertig gestellt. Zur Zeit bringt er im zu überarbeitenden Umweltrecht neue Sportbezüge ein und organisiert die umweltgerechte Modernisierung der deutschen Sportstätten. kh

info: Andreas Klages

Neue Strategien

Theodore Oben von der UNEP setzt sich für Südafrika ein

Als Leiter der Kinder- und Jugendabteilung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hat Theodore Oben viel mit Sport zu tun. Er organisiert Kooperationen zwischen Jugendorganisationen und Schulen in mehr als 150 Ländern. „Sport ist dabei ein grundlegender Faktor”, sagt Oben. Doch auch für den Erwachsenensport ist er zu begeistern. So engagiert er sich auf politischer Ebene für den umweltgerechten Ablauf der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

„Die UNEP ist ein strategischer Partner für Green Goal 2010 und wir freuen uns, dass die WM zum ersten Mal in Afrika stattfindet”, sagt Oben. Die neun Gastgeberstädte hätten ein großes Interesse am Umweltschutz: „Sie sehen die WM als Chance, ihre Infrastruktur zu verbessern, zum Beispiel beim Abfallmanagement.” Das komme längerfristig der Bevölkerung zugute. Leider gäbe es jedoch große Unterschiede, was umwelttechnisches Know-How, Personalkapazitäten und finanzielle Mittel der Städte beträfe. Nicht nur zur WM, sondern auch zur Winterolympiade in Sotschi 2014 und zu anderen Themen greift Oben gerne auf die Expertise des Öko-Instituts zurück. kh

info: Theodore E. A. Oben

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Neue Denkansätze

Hartmut Stahl ist der Fußball-Freak im Öko-Institut

Ansprechpartner

Dr. Hartmut Stahl
Rheinstraße 95
D-64295 Darmstadt
Tel. +49-6151/8191-13
Fax +49-6151/8191-33
E-Mail Kontakt

Forschungsschwerpunkt: Sport und Umwelt

  • Beratung von Veranstaltern, Verbänden und Politik im Bereich Umwelt und Sport

  • Durchführung von Stoffstromanalysen und Ökobilanzen

  • Entwicklung von Abfallkonzepten und Bewertung von Abfallmanagement

  • Projekte und Beratung im Bereich der Umweltstatistiken

Ausgesuchte Projekte

  • Green GoalTM – das Umweltkonzept für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006TM)

  • Entwicklung eines integrierten und innovativen Umweltkonzeptes für die Olympiabewerbung von Leipzig und Rostock

  • Stoffströme der Platingruppenmetalle: Systemanalyse und Maßnahmen für eine nachhaltige Optimierung der Stoffströme der Platingruppenmetalle

  • DSD 2020: Beiträge der Dualen System Deutschland AG zur Nachhaltigen Entwicklung – Stand und Perspektiven


Andreas Klages vom Sportbund findet Umweltschutz wichtig

Ansprechpartner:
Deutscher Olympischer Sportbund
Andreas Klages
Ressort Breitensport / Sporträume
Otto-Fleck-Schneise 12
60528 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 67 00 351
E-Mail Kontakt

Zur Person

  • Jahrgang 1968, verheiratet, 2 Kinder

  • Studium der Politik, Rechts- und Medienwissenschaften in Marburg

  • Diplom-Politologe

  • 1995-1996 Mitarbeiter Universität Marburg/L., Institut für Politikwissenschaft

  • 1996-2001 Generalsekretär Deutscher Baseball und Softball Verband

  • Seit 2001 beim Deutschen Sportbund; jetzt: Deutscher Olympischer Sportbund…

  • …dort stellvertretender Direktor Sportentwicklung und Ressortleiter Breitensport/Sporträume

Weitere Informationen

www.dosb.de/de/sportentwicklung/sportstaetten-und-umwelt

Broschüre Green Champions



Theodore Oben von der UNEP setzt sich für Südafrika ein

Ansprechpartner

Theodore Oben, Kenya, Nairobi
ist UNEP, für Sport und Umwelt / Foto!
Theodore E. A. Oben
Division of Communications and Public Information
United Nations Environment Programme
P.O. Box 30552, 00100 Nairobi, Kenya
Tel: 254 20 7623262
Fax: 254 20 7623927
E-Mail Kontakt

zur Person
Theodore Oben hat einen Master in „Management und Organisationsentwicklung“ der internationalen Universität Nairobi, Kenya. Er ist Leiter der der Kinder- und Jugendabteilung des United Nations Environment Programme UNEP mit Sitz in Nairobi.

Arbeitsschwerpunkte
Theodore Oben entwickelte Kooperationen für mehr als 17.000 Jugendorganisationen und Schulen. Er initiierte elektronische Netzwerke für Jugendliche in mehr als 150 Ländern. Er organisierte mehrere Kinder-Konferenzen und Erholungslager weltweit und entwickelte die UNEP-Strategie für Kinder, Jugendliche und Sport. Darüber hinaus schrieb er mehrere Publikationen und UNEP-Infomaterialien für Kinder und Jugendliche.

www.unep.org
www.unep.org/tunza

Ergebnisse aus der Forschungsarbeit

Die Themen: Lebensmitteltransporte, Drohkulisse „Stromlücke“, Fischereimanagement und Risiko Sondermüll

Volle Fahrt voraus

Klimafreundlicher Lebensmitteltransport

Fruchtige Ananas, saftige Kiwis und frisch geschnittene Rosen locken von den Ladenauslagen. Wo sie herkommen, kann der interessierte Verbraucher mittlerweile aufgrund der Kennzeichnungspflicht erfahren. Aus Umweltsicht ist es jedoch viel wichtiger zu wissen, wie sie transportiert wurden und welche Emissionen damit verbunden sind. Nach diesen Informationen sucht der Konsument allerdings vergeblich.

Kirsten Havers, Mitarbeiterin am Öko-Institut im Bereich Infrastruktur & Unternehmen, hat sich in ihrer aktuell veröffentlichten Magisterarbeit mit der Rolle der Luftfracht bei Lebensmitteltransporten befasst. Havers betont: „Angesichts der Zunahme der Luftfracht in den letzten Jahren und dem damit verbunden gravierenden Anstieg der Emissionen muss der Transport auf umweltfreundliche Verkehrsmittel verlagert werden. Ein Umdenken ist klimapolitisch unumgänglich.” Dies ist nach Aussage der Expertin notwendig, da der Transport mit dem Flugzeug im Vergleich zu dem per Hochseeschiff mehr als die 200-fache Menge an C02-Emissionen ausstößt. Außerdem machen die technischen Fortschritte im Bereich der Hochseeschifffahrt inzwischen größtenteils auch den Transport von leicht verderblichen Waren möglich. fst

info: Kirsten Havers

Stromlücke als irreführende Drohkulisse

Zukünftige Versorgungsengpässe sind nicht das zentrale Problem

Gehen in Deutschland die Lichter aus, wenn der Atomausstieg wie geplant fortgesetzt wird und zudem der anhaltende Widerstand gegen neue Kohlenkraftwerke viele Neubauprojekte verhindert? Mit dieser Frage hat sich ein aktuelles Diskussionspapier des Öko-Instituts beschäftigt. Darin kommen die Energieexperten zu dem Ergebnis: Die „Stromlücke” ist nur eine irreführende Drohkulisse, das eigentliche Problem liegt an anderer Stelle.

Der Debatte, ob der Strom künftig noch ausreicht, hat eine Studie der Deutschen Energie Agentur (dena) Auftrieb gegeben. Dieser Untersuchung zufolge werden massive Versorgungsengpässe bis zum Jahr 2020 vorhergesagt, falls der Bereich der Kohlekraft nicht ausgebaut und dennoch der Ausstieg aus der Kernenergie vollzogen wird. Vor diesem Hintergrund wird auch eine Fortsetzung der kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten als Subvention für neue Kohlekraftwerke gefordert.

Angesichts der bestehenden Versorgungskapazitäten ist eine solche Entwicklung nach Ansicht des Öko-Instituts jedoch ausgeschlossen: „Deutschland ist Stromexportland und hat auch die Ausfälle einzelner Kernkraftwerke im vergangenen Jahr gut gemeistert”, sagt Energieexperte Dr. Felix Matthes. Viele der geforderten Maßnahmen zur Lösung des vermeintlichen Problems seien ökologisch kontraproduktiv. Es steht aber außer Frage, dass ein grundlegender Umbau des Stromversorgungssystems notwendig ist, wenn die Ziele der Klimaschutzpolitik erreicht werden sollen, so das Öko-Institut.

Seitens der Politik ist konsequentes Handeln gefordert: Sie muss regenerative Energien sowie neue Technologien vermehrt fördern und gesetzliche Richtlinien im Bereich der Stromeffizienz schaffen. Die Energie-Unternehmen müssen ihrerseits die von der Politik definierten Ziele akzeptieren und umsetzen. „Die zentrale Herausforderung wird weniger das Auftreten einer Stromlücke sein, als vielmehr die klimafreundliche Gestaltung des künftigen Stromsystems”, sagt Matthes.

Das bestehende Stromversorgungssystem ist nach seiner Ansicht so flexibel, dass auch dann keine Engpässe auftreten werden, wenn es zu Verzögerungen bei Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und umweltschonender Kraft-Wärme-Kopplung kommt. fst

info: Dr. Felix Christian Matthes

Fischereirechte: Wem gehören sie in Zukunft?

Individuelle Fangquoten werden heiß gehandelt – und intensiv diskutiert

Ein großer Teil der europäischen Fischerei-Industrie ist in der Dauerkrise. Viele Fischbestände haben historische Tiefstände erreicht, manche drohen zu kollabieren. Wie lässt sich der Trend stoppen? Dieser Frage sind 13 europäische Forschungsinstitute in dem dreijährigen Forschungsprojekt „Comparative Evaluations of Innovative Solutions in European Fisheries Management” (CEVIS) nachgegangen. Weltweit haben sie Fischereimanagement-Methoden unter ökologischen, sozialen, ökonomischen und rechtlichen Aspekten untersucht.

Wie handhaben Staaten zum Beispiel ihre nationalen Fangquoten? Dazu hat das Öko-Institut die Praxis in Großbritannien und in den Niederlanden miteinander verglichen. Beide Länder teilen ihre nationale Fangquote in individuelle und sektorale Quoten auf. Die Quoten sind übertrag- und handelbar und werden in Erzeugerorganisationen gepoolt. Diese regeln den Quotenhandel und sind dafür verantwortlich, dass die Gesamtquote nicht überfischt wird. Heute funktioniert das System in den Niederlanden gut. Es setzte sich aber erst durch, als Fischer und Industrie Anfang der 90er Jahre die Möglichkeit zur Mitbestimmung bekamen und sich Überwachung und Kontrolle verbesserten.

In Großbritannien sind die handelbaren Quoten umstrittener. Der Grund: „Dort ist bisher unklar, wem die Quotenanteile eigentlich gehören. Dies mache Investitionen unsicher, kritisieren manche Fischer”, sagt Franziska Wolff vom Öko-Institut. „Andere befürchten Konzentrationseffekte und wieder andere lehnen eine ‚Privatisierung’ von Fischereirechten durch solche Quoten grundsätzlich ab.”

Handelbare Fischereirechte werden in der EU derzeit intensiv diskutiert. Wolff warnt: „Diese Systeme sind keine Wundermittel. Sie benötigen klare ökologische Leitplanken und die Kontrolle von Fischanlandungen muss funktionieren.” Das niederländische und britische Beispiel zeige aber, dass das Quotenmanagement durch Gruppen einem rein individuellen Management vorzuziehen sei, weil es Selbstkontrolle fördert. kk

info: Norma Schönherr

Sonderabfälle: Schlummerndes Risiko

Gefährliche Schadstoffe können langfristig in die Umwelt gelangen / Problem weit unterschätzt

In vielen industriellen Prozessen fallen Sonderabfälle an, die hohe Mengen gefährlicher Schadstoffe enthalten, zum Beispiel Filterstäube aus der Müllverbrennung oder Stahlwerksstäube. Welche Entsorgungswege nehmen diese Abfälle? Und wie groß ist das Potenzial einer langfristigen Freisetzung der Schadstoffe in die Umwelt? Diesen Fragen ist das Öko-Institut erstmals qualitativ und quantitativ nachgegangen. Das alarmierende Ergebnis: „Die Möglichkeit, dass diese Schadstoffe in ein-, zwei- oder dreihundert Jahren freigesetzt werden könnten, ist viel größer als bisher angenommen”, sagt Projektleiter Günter Dehoust vom Öko-Institut. „Die Problematik wurde bisher unterschätzt. Das muss sich dringend ändern!”

Denn die transportierten Schadstofffrachten sind beachtlich. So ist zum Beispiel die Menge an Blei, die in den rund 500.000 Tonnen untersuchten Filterstäuben aus der Müllverbrennung konzentriert ist und bei nicht langfristiger Entsorgung in die Umwelt gelangen könnte, doppelt so hoch wie die Gesamtsumme an Blei, die aus Produktionsanlagen jährlich über Emissionen in Gewässer und die Luft freigesetzt wird. „Böden und Gewässer können erheblich mehr belastet werden, wenn nur ein kleiner Teil dieser Schadstoffe freigesetzt wird”, sagt der Experte. „Sonderabfälle müssen daher langfristig sicher entsorgt werden.”

Dieser Anforderung werden prinzipiell zwei Wege gerecht: Die Verbringung unter Tage und das hochwertige Recycling dieser Metalle, soweit hohe Umweltschutzstandards eingehalten werden. Entsorgungsalternativen über Tage sind dagegen langfristig deutlich unsicherer. Das belegt die aktuelle Studie, in der 50 Abfallarten und deren Entsorgungsvarianten vergleichend untersucht wurden, zehn davon im Detail. „Unsere Ergebnisse sollten Eingang in die behördliche Praxis finden”, fordert Günter Dehoust. kk

info: Günter Dehoust

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Volle Fahrt voraus

Klimafreundlicher Lebensmitteltransport

Ansprechpartnerin

Kirsten Havers
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Bereich Infrastruktur & Unternehmen
E-Mail Kontakt


Die Magisterarbeit von Kirsten Havers zur Rolle der Luftfracht bei Lebensmitteltransporten können Sie hier >> lesen.



Stromlücke als irreführende Drohkulisse

Zukünftige Versorgungsengpässe sind nicht das zentrale Problem

Ansprechpartner

Dr. Felix Christian Matthes
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Koordinator Energie & Klimaschutz
E-Mail Kontakt

Fischereirechte: Wem gehören sie in Zukunft?

Individuelle Fangquoten werden heiß gehandelt – und intensiv diskutiert

Ansprechpartnerin

Norma Schönherr
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Institutsbereich Umweltrecht & Governance
E-Mail Kontakt

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CEVIS – Comparative Evaluations of Innovative Solutions



Sonderabfälle: Schlummerndes Risiko

Gefährliche Schadstoffe können langfristig in die Umwelt gelangen / Problem weit unterschätzt

Ansprechpartner

Günter Dehoust
Öko-Institut, Büro Darmstadt
Institutsbereich Infrastruktur & Unternehmen
E-Mail Kontakt

Weitere Informationen

Die vollständige Studie können Sie hier >> kostenlos aus dem Internet herunterladen.

Was wäre eigentlich, wenn...

...Umweltschutz im Urlaub selbstverständlich wird?

Endlich Sommer – endlich Urlaubszeit. Erholung von der Hektik des Alltags, Ausspannen, Ruhe finden. Wie wäre es dieses Jahr mit Natur pur? Wandern zum Beispiel und in den Wäldern die Natur mit eigener Körperkraft erleben. Dort wartet eine friedliche Idylle: haushohe Buchen, die Schatten spenden, das Rauschen des Windes, der sich in den Baumwipfeln verfängt.

Die Realität des Reisens sieht jedoch oft anders aus. Blechlawinen, die gen Süden rollen, stundenlanges Warten in Staus oder Terminals, überfüllte Strände und Menschenmassen, die sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort befinden, sind die alljährlich wiederkehrenden Phänomene des Sommerurlaubs. Die wenigsten verreisen zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn. Und die Zahl derjenigen, die es mit dem Flugzeug in die Ferne zieht, nimmt rapide zu – den Steuervergünstigungen der Aero-Branche sei dank.

Die Folgen des vermehrten Flugverkehrs für die Umwelt sind dabei bekannt. Dennoch steigt die Zahl der jährlichen Kurztrips in die weite Welt, ein Wochenende in London, Barcelona oder New York ist für manche einfach ein Muss. Im Urlaub interessiert sich die Mehrheit der Deutschen nicht für Umweltschutz. Die Reise soll vor allem wenig kosten und schnell ans Ziel führen: Was zunächst verständlich ist, zu verführerisch locken die preiswerten Flüge gerade auch der Low-Cost-Airlines.

Die vom WWF in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut aktuell veröffentlichte Studie „Der touristische Klima-Fußabdruck” verdeutlicht jedoch eindringlich, wie unabdingbar es ist, den Ausstoß von Treibhausgasemissionen zu verringern. Diese entstehen im Tourismus vor allem durch den Flugverkehr und schaden so dem Klima erheblich. Um Nachhaltigkeit im Urlaub zu verwirklichen, sind deshalb alle gefragt: die Politiker, die den Mut aufbringen, Kerosin gegen die Marktmacht zu besteuern, die Reiseveranstalter, die umweltschonende Angebote ausbauen und kostengünstig anbieten, und auch die einzelnen Touristen, die sich im Urlaub auf etwas Neues einlassen.

Wäre es nicht sowieso spannend, ab und an statt auf einer Fernreise Unbekanntes in der Nähe zu erkunden? Ökologisch Reisen bedeutet jedoch nicht nur Nahurlaub: Inzwischen bestehen viele Möglichkeiten, auch in der Ferne den Urlaub umweltgerecht zu gestalten – von der Individual- bis zur Pauschalreise. Zahlreiche Reiseanbieter haben ökologisch und sozial verträgliche Angebote in ihrem Programm und die größeren Veranstalter springen zunehmend auf den ökologischen Zug auf.

Auch diejenigen, für die Umweltschutz im Urlaub keine Rolle spielt, können von den Reiseveranstaltern in die Öko-Konzepte eingebunden werden. Zum Beispiel, indem diese am Urlaubsort den Stromverbrauch durch den Einsatz von Energiesparlampen senken, die Wäschereien und Toiletten auf Regenwasser umstellen oder allzu viel Plastik am morgendlichen Frühstücksbüffet vermeiden. Dass dies funktionieren kann, hat die unter anderem vom Öko-Institut durchgeführte INVENT-Tourismus-Studie zum umweltverträglichen Reisen verdeutlicht. Angesichts der Touristenströme, die alljährlich die Länder queren, hat jeder kleine Schritt in Richtung Nachhaltigkeit große Wirkungen. Nicht zu vergessen ist, dass ganze Wirtschaftsregionen vom Tourismus abhängig sind. Inzwischen bedroht er jedoch nicht nur das Weltklima, sondern zunehmend die Grundversorgung der Einheimischen sowie die Eigenheiten der bereisten Regionen.

Tourismus verursacht aber nicht nur Umweltbelastungen, sondern ist auch deren Leidtragender. Denn letztendlich wollen wir doch alle eine unbelastete Natur genießen – vor allem im Urlaub.
Friederike Stoller

info: redaktion(at)oeko.de

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Ansprechpartner

Martin Schmied
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Institutsbereich Infrastruktur & Unternehmen
E-Mail Kontakt


In der aktuell vom WWF in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut veröffentlichten Studie „Der touristische Klima-Fußabdruck. WWF-Bericht über die Umweltauswirkungen von Urlaubsreisen“ erfahren Sie, wie Sie Ihren Urlaub nachhaltig gestalten können. Anhand von ausgewählten Urlaubsorten wird der jeweilige CO2-Fußabdruck berechnet und Einsparungsmöglichkeiten aufgezeigt. Sie erhalten Informationen darüber, wie Tourismus zum Schutz der Umwelt beitragen kann. Die vollständige Broschüre können Sie hier >> downloaden.

Wenn Sie sich über das vom Öko-Institut geleitete INVENT-Projekt informieren möchten, können Sie im Internet die Broschüre „INVENT Tourismus – Traumziel Nachhaltigkeit“ kostenlos downloaden. Dort werden die Grundidee, zielgruppenspezifische Marketingstrategien und die Ergebnisse des Projekts vorgestellt. Mehr Informationen finden Sie auf der Projekthomepage unter www.invent-tourismus.de. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt wurde vom Öko-Institut, dem Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), der Universität Lüneburg, der AMEROPA-Reisen GmbH und der Deutschen Bahn AG durchgeführt.

Mission Zukunft gestalten

Mitglieder werben Mitglieder

Unterstützen Sie unsere große Kampagne 500plus!

Mit Ihnen können wir unser Ziel erreichen: Wir möchten 500 neue Mitglieder gewinnen. Dadurch wollen wir den Rückhalt des Öko-Instituts in der Gesellschaft weiter verankern und auch künftig unsere finanzielle Unabhängigkeit wahren. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung.

Sie fördern als Mitglied bereits unsere unabhängigen Studien. Sie finden die Arbeit des Öko-Instituts wichtig und wünschen sich, dass noch mehr Menschen von den Veröffentlichungen und Veranstaltungen profitieren können. Dann erzählen Sie Ihren Freunden oder Kollegen von uns und geben unseren Mitgliederflyer weiter! Der Druckausgabe der Zeitschrift liegt das Faltblatt bei, das bei Interesse nur noch ausgefüllt und abgeschickt werden muss. Online stehen die Informationen unter: www.oeko.de/mitmachen.

Unsere Arbeit trägt seit mehr als 30 Jahren dazu bei, dass Umwelt- und Klimaschutz heute nicht nur als Herausforderung, sondern als Chance verstanden werden. Ob es um Nanotechnologien oder Energiegewinnung in Großkraftwerken geht - brisante und neue Themen stehen bei uns früh auf der Agenda. So haben wir schon vor über 25 Jahren gezeigt, dass die Energiewende möglich ist. Fragen beantwortet Romy Klupsch, 0761/452 95-24. fst

info: mitglieder(at)oeko.de

Vortragsabend in Freiburg

Zu einem Vortragsabend mit anschließender Diskussion lädt das Öko-Institut am Donnerstag, 30. Oktober, um 19 Uhr, alle Mitglieder und Interessierte nach Freiburg ein. Die Veranstaltung findet in den Räumen des Instituts, Merzhauser Straße 173, statt. Themen der Vorträge: Ökostrom und der „ökologische Fußabdruck” von Produkten. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter 0761/45295-0. cr

info: event(at)oeko.de

Mitgliederversammlung

Eine positive Bilanz für das Jahr 2007 zog Vorstandssprecher Helmfried Meinel in seinem Bericht vor der Mitgliederversammlung des Öko-Instituts. Am 28. Juni trafen sich die aktiven Mitglieder des Instituts im Darmstädter Büro, um auf das zurückliegende Jahr zu schauen.

Der Vorstand wurde entlastet und der Haushalt für 2008 in Höhe von rund 7,7 Millionen Euro beschlossen. Geschäftsführer Dr. Joachim Lohse unterstrich, dass die wissenschaftliche Arbeit des Instituts in seinem Jubiläumsjahr erneut erfolgreich verlaufen sei. Als Tätigkeitsschwerpunkte der Geschäftsführung für 2008 nannte er die Weiterentwicklung der Institutsstrategie sowie die Umsetzung des internen Führungsleitbilds.

Mit Helmfried Meinel, Dorothea Michaelsen-Friedlieb und Dr. Wolfgang Brühl wurden drei Vorstandsmitglieder für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. cr

Drei Fragen an...

Das Öko-Institut hat knapp 3000 Mitglieder.
Doch wer sind sie? Hier stellen sie sich vor.

Sabrina Malter, aus Hockenheim, 28 Jahre, Studentin Environmental Decision Making an der Open University und Chemielaborantin, seit vier Jahren Fördermitglied beim Öko-Institut.

Charakterisieren Sie sich in drei Schlagworten.
Weltverbessererin, Optimistin, Genießerin.

Warum sind Sie Mitglied beim Öko-Institut?
Die Arbeit des Öko-Instituts finde ich besonders wichtig. Komplexe Zusammenhänge werden deutlich gemacht und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Dadurch ist das Öko-Institut wichtiger Impulsgeber für die Gesellschaft und hilft mir auch persönlich so zu handeln, wie ich es für richtig halte.

Was wünschen Sie sich für die Welt von morgen?
Ich wünsche mir Menschen, die ihre eigenen Werte leben – ohne Ausreden, Ausflüchte und Verdrängen. Menschen, die sich in all ihren Rollen – ob als Konsumenten, Bürger, Politiker oder Unternehmer – der Verantwortung ihres Handelns bewusst sind und Zusammenhänge erkennen. Darüber hinaus wünsche ich mir eine Bildung, Forschung und Presse, die uns dabei helfen. Und Energie, Spaß,
Optimismus und Kreativität dabei, all die konkreten Missstände zu beheben!



Dr. Irene Schöne, 65 Jahre, ökologische Wirtschaftswissenschaftlerin, seit 29 Jahren Fördermitglied beim Öko-Institut.

Was prägt Sie in Ihrem Leben?
Ich denke, die Vorstellung, dass man häufig zu glauben genötigt wird, zu dem, was wenige Interessierte wollen, gäbe es keine Alternative. Alternativen mögen zwar nicht immer sofort sichtbar sein, aber es gibt sie. Man muss sich jedoch die Mühe machen, sie zu finden. Ich tendiere eher zum Selbstdenken, denn zum Hinnehmen.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer Mitgliedschaft beim Öko-Institut?
Ich möchte mit dem Öko-Institut daran arbeiten, eine „Integrierte Berichterstattung” über den Erfolg oder den Öko-Zuwachs eines Unternehmens einzuführen und allgemein zugänglich zu machen. Damit sollen viele Institutionen angeregt werden, dieses ökonomische Instrument einzusetzen. Grundlage dafür ist die Initiative der UmweltBank.

Gibt es ein Schlüsselereignis für Ihr Engagement im Umweltschutz?
Ein Schlüsselereignis waren für mich die Fragen der Weinbauern um Freiburg nach den Folgen des Baus des Atomkraftwerks Whyl. Die Fragen nach den Folgen für ihre Existenz, nach der Sicherheit des Umgangs mit radioaktivem „Abfall” sowie nach der unvermeidlichen Verknüpfung der friedlichen mit einer militärischen Nutzung der Atomenergie, das waren und sind für mich die Gründe für mein Engagement für den Umweltschutz. Wenn das Öko-Institut im Jahre 1977 nicht gegründet worden wäre, hätten Alternativen für die Energiepolitik kaum aufgezeigt werden können, weil sich die Experten mehr oder weniger auf der Seite der herrschenden Wissenschaft befunden hätten. Dies hat sich nicht zuletzt dank der Arbeit des Öko-Instituts inzwischen geändert.

Energieeffizienz, ja bitte! Aber wie?

Der Ausbau erneuerbarer Energien und mehr Energieeffizienz sind zentrale Elemente einer nachhaltigen Energieversorgung. Nur: Wie können Energieversorger, private Verbraucher, Unternehmen und die öffentliche Hand eigentlich dazu gebracht werden, Energie zu sparen, effizientere Technologien bereitzustellen und auch einzusetzen? Und welche Ansätze verfolgt das Öko-Institut? Diesen Fragen widmen wir uns im Schwerpunkt unserer nächsten Ausgabe von eco@work, die im Herbst erscheint.