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Klimalabel auf dem Prüfstand

Wegweiser für eine CO2-arme Wirtschaft?

Grüne Ideen
Weshalb Spitzenprodukte künftig ausgezeichnet werden

Grüner Fußball
Wie der FSV Mainz 05 auf die Umwelt achtet

Grüner Einkauf
Was die öffentliche Hand noch verbessern kann

Kleine Kügelchen mit großer Wirkung

Neue Geschirrspüler sparen Strom mit innovativer Technik: Das Mineral Zeolith trocknet Tassen und Teller sehr energieeffizient

Kleine, weiße Kügelchen mit etwa 3,5 Millimeter Durchmesser sorgen bei Geschirrspülmaschinen für eine große Wirkung. Die Rede ist von dem vulkanischen Mineral Zeolith. 1,15 Kilogramm dieser Kügelchen befinden sich seit November 2008 in neuen Geschirrspülern des Unternehmens Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH). Die Zeolithe können durch Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit beziehungsweise Kristallwasser Energie speichern und beschleunigen damit den Trocknungsprozess. Mit der Folge: Die Maschine verbraucht deutlich weniger Strom - nur noch 0,83 Kilowattstunden pro Spülgang. Würden alle Geschirrspüler in Deutschland, die älter als zehn Jahre sind und mehr als 1,3 Kilowattstunden Strom pro Spülgang verbrauchen, mit dieser neuen Technik ausgestattet, könnten 1,2 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids eingespart werden. Das entspricht dem Ausstoß von ungefähr 600.000 Autos mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern.
Bosch-Siemens-Hausgeräte hat diese Technik entwickelt und dafür kürzlich den Klima-Innovationspreis von Bundesumweltminister Norbert Röttgen erhalten. „Die neuartige Zeolith-Technologie ermöglicht einen enormen Effizienzsprung“, sagt BSH-Chef Dr. Kurt-Ludwig Gutberlet. „Diese Geräte brauchen noch einmal 20 Prozent weniger Strom als die bisher sparsamsten Geschirrspüler.“ Derzeit ist die Technik erst in Maschinen aus dem obersten Preissegment eingebaut, doch sie soll bald auch auf den breiten Markt kommen.

Und wie funktioniert das Prinzip? Zeolith ist ein Material, das bis zu 40 Prozent seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen kann und sich dabei erwärmt. Die Zeolithe trocknen das Geschirr nach dem Reinigungsvorgang, indem sie dem Innenraum Feuchtigkeit entziehen und sie mit ihrer großen inneren Oberfläche speichern. Dort verbleibt das Wasser bis der Geschirrspüler das nächste Mal läuft. Dann wird das Mineral erhitzt, gibt die Feuchtigkeit wieder ab und ist so bereit für den nächsten Trocknungsvorgang. Ein Abnutzungseffekt tritt laut Bosch-Siemens nicht auf, die Zeolithe halten bis zum Lebensende einer Spülmaschine durch. Bei der Verschrottung lasse sich das ungiftige Material zudem trennen und wiederverwerten, so das Unternehmen. Christiane Rathmann

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Kleine Kügelchen mit großer Wirkung

Neue Geschirrspüler sparen Strom mit innovativer Technik: Das Mineral Zeolith trocknet Tassen und Teller sehr energieeffizient

Weitere Informationen unter www.bsh-group.de

von Michael Sailer

Sprecher der Geschäftsführung im Öko-Institut

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

eine Fastfood-Kette, die mit einem CO2-Label für Burger wirbt? Das Beispiel aus Schweden sorgte letztes Jahr für Schlagzeilen. Ob Blaubeeren, Nordsee-Fisch oder Rindfleisch – wer in dem skandinavischen Land Lebensmittel aus heimischer Produktion einkauft, findet auf der Verpackung neuerdings ein Klimalabel, das den CO2-Fußabdruck des Produkts anzeigt. Weltweit gibt es viele ähnliche Label-Initiativen, die vergleichbare Projekte planen oder schon umgesetzt haben.

Klimaschutz in Konsumentenhand? Die Idee hört sich gut an, immerhin sind 40 Prozent der Treibhausgasemissionen auf den privaten Konsum zurückzuführen. Und bei den Verbrauchern wächst das Bewusstsein dafür, dass es auch in ihrer Hand liegt, ob der Klimawandel aufgehalten werden kann: Laut einer Eurobarometer-Umfrage von 2009 geben 80 Prozent der EU-KonsumentInnen an, dass Umweltschutzkriterien eine wichtige Rolle bei ihrer Kaufentscheidung spielen. 40 Prozent der Befragten achten beim Einkaufen „immer“ auf Energieeffizienz, 37 Prozent zumindest „meistens“ oder „oft“. Und 72 Prozent der EU-BürgerInnen sprechen sich für die Einführung eines CO2-Labels aus.

Im Schwerpunkt dieser Ausgabe von eco@work erfahren Sie, warum das Öko-Institut pure CO2-Label dennoch für wenig zielführend hält (Seite 8). Damit die VerbraucherInnen in Zukunft klima- und umweltfreundlich shoppen können, sollten besser bereits bestehende Umweltkennzeichen genutzt werden (wie zum Beispiel der „Blaue Engel“). Diese informieren nicht nur über Klimafaktoren, sondern auch über weitere Umweltfaktoren. Und sie sind bei KonsumentInnen wie Konzernen bereits bekannt und akzeptiert (Seite 14).

In vielen Anwendungsfeldern ist die Berechnung des Klimafußabdrucks von Produkten eine gute Methode, um den Klimaschutz voran zu bringen. Beispielsweise hilft er Unternehmen dabei, zu erkennen, wo sie in ihren Produktketten am besten Treibhausgase einsparen können. Deswegen setzen wir uns auf internationalem Parkett dafür ein, dass bei der Entwicklung einer neuen ISO-Norm zur Berechnung des Klimafußabdrucks streng auf Klimaschutz- und andere Umweltkriterien geachtet wird. Dazu haben wir unter anderem im Auftrag des Umweltbundesamts unser „Memorandum Product Carbon Footprint“ erstellt (Seite 11).

Privates Konsumverhalten wie auch das Verhalten von Unternehmen stärker in den Fokus von Klimaschutzmaßnahmen zu rücken, scheint wichtiger denn je: Der Klimagipfel in Kopenhagen mit seinen sehr mageren Ergebnissen hat gezeigt, dass die Probleme nicht allein in der politischen Sphäre gelöst werden können. Verbraucher und Unternehmen müssen mit eigenen Schritten vorangehen…

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr

Michael Sailer
Sprecher der Geschäftsführung im Öko-Institut

m.sailer@oeko.de

Impressum


eco@work – April 2010
ISSN: 1863-2017

Herausgeber:
Öko-Institut e.V.

Redaktion:
Christiane Rathmann (cr)
Katja Kukatz (kk)
David Siebert (ds)

Verantwortlich:
Dr. Rainer Grießhammer

Weitere AutorInnen:
Hendrik Acker, Daniel Bleher, Dr. Dirk Bunke, Katharina Hien (kh), Christian Küppers, Dominik Seebach, Mathias Steinhoff, Dr. Jenny Teufel

Gestaltung/Layout:
Tobias Binnig, www.gestalter.de

Technische Umsetzung:
Markus Werz, Öko-Institut e.V.
Brita Berger, Wilhelm Innovative Medien

Redaktionsanschrift:
Postfach 50 02 40, 79028 Freiburg,
Tel.: 0761/452 95-0, Fax: 0761/452 95-88
redaktion@oeko.de, www.oeko.de

Bankverbindung für Spenden:
Sparkasse Freiburg – Nördlicher Breisgau
BLZ 680 501 01,
Konto-Nr. 2 063 447
IBAN: DE 96 6805 0101 0002 0634 47
BIC: FRSPDE66,
Spenden sind steuerlich abzugsfähig.

Bildnachweis:
Titel © Liddy Hansdottir - Fotolia.com
S.2 © Zeolith BSH Bosch und SiemensHausgeräte
S.5 oben: © ExQuisine - Fotolia.com; Mitte: © tiero - Fotolia.com; unten: © corepics - Fotolia.com
S.6 © Thomas Weitzel - Fotolia.com
S.7 oben: © Thomas Teufel - Fotolia.com; unten: © Öko-Institut
S.8 © Aleksejs Pirnenko - Fotolia.com –
S.10 © nature & more, The Carbon Trust
S.11 © sk_design - Fotolia.com
S.12 links: © Ilja Masík - Fotolia.com; Mitte: © fefufoto - Fotolia.com; links: © Victors Neimanis - Fotolia.com
S.13 oben links: © motograf - PIXELIO; oben rechts: © Eisenhans - Fotolia.com; Mitte: © Öko-Institut; unten: © thierry burot - Fotolia.com
S.16 oben: © julien tromeur - Fotolia.com; unten: © Thaut images - Fotolia.com, Lack-O‘Keen - Fotolia.com
S.17 © Brooke Fuller - Fotolia.com
S.18 © drubig-photo - Fotolia.com
S.20 © Dmitry Sunagatov - Fotolia.com
andere © Privat oder © Öko-Institut

Aktuelles im Überblick

Der Fußball wird grün - Öko-Institut berät FSV Mainz 05 beim Klimaschutz

Der Fußball wird grün

Öko-Institut berät FSV Mainz 05 beim Klimaschutz

Wie gewinnt man viele Menschen für eine gute Sache? Mit Vorbildern! Deswegen hat sich der Fußballverein FSV Mainz 05 dafür entschieden, als „Klimaverteidiger“ ein gutes Beispiel zu geben. Der Energieversorger Entega, der Haupt- und Trikotsponsor des Mainzer Bundesligisten, hat dafür das Öko-Institut engagiert: „Wir haben zuerst einen kleinen CO2-Fußabdruck erstellt“, so der Projektverantwortliche Dr. Matthias Buchert vom Öko-Institut. Dann haben die Mainzer erste Vorschläge zur Treibhausgas-Reduktion umgesetzt: Sie entschieden sich für Ökostrom, stellten die Lüftungsanlage stromsparend um und engagierten einen Klimawart. Auch der Caterer zog mit und grillt nun die Würstchen für die Fans ebenfalls mit Ökostrom und gibt Getränke in Mehrwegbechern aus.

„Wir sind im ersten Schritt dabei, den CO2-Ausstoß des Vereins zu minimieren“, so Dr. Buchert. Im zweiten Schritt gehe es darum, auf erneuerbare Energien umzusteigen. Erst wenn alle diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, gelte es zu überlegen, den verbliebenen CO2-Ausstoß durch Abgaben extern zu kompensieren.

„Der Verein arbeitet vorbildlich mit und hat auch ein Klimatraining für seine Bundesligaspieler durchgeführt“, erläutert Dr. Buchert. Jeder Spieler soll Vorbild für die Zuschauer sein und zum Beispiel einen Klimaschutz- und Energiespar-Check in seiner Wohnung machen lassen und effizientes Autofahren lernen. Mit dem FSV-Verteidiger Niko Bungert, der als „Klimabotschafter” des Vereins auftritt, hat das Projekt ein positives Gesicht: „Er ist jung, sympatisch und fährt auch mal mit dem Fahrrad zum Training“, so Dr. Buchert. Der Verein sorgt gleichzeitig für Publicity während der Spiele. Das bringt Werbung für alle Beteiligten und die gute Sache. „In der Sportszene erreicht man Zielgruppen, die man sonst nicht unbedingt ansprechen kann“, erklärt der Wissenschaftler. In den Blogs der Fanseiten hat der FSV dafür bereits viel Applaus bekommen. kh

info: Dr. Matthias Buchert

Der REACH Praxisführer

Chemikalien: Unterstützung und Instrumente für Unternehmen

Die EU-Chemikalienverordnung REACH stellt Unternehmen vor neue Aufgaben, um den sicheren Umgang mit Chemikalien zu gewährleisten: Unter anderem müssen bis zum 1. Dezember 2010 für alle Stoffe die in großen Mengen produziert werden, sowie für besonders gefährliche Stoffe Registrierungsdossiers erstellt und an die europäische Chemikalienagentur ECHA in Helsinki geschickt werden.

Das Öko-Institut unterstützt in mehreren Projekten gerade kleine und mittelständische Unternehmen bei der Umsetzung von REACH. Besonders wichtig ist dabei der REACH Praxisführer, der im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Verband der Chemischen Industrie vom Öko-Institut erstellt wird, gemeinsam mit dem Forschungs- und Beratungsinstitut Gefahrstoffe (FoBiG). Im Mittelpunkt stehen zwei Aufgaben: Zum einen die Beurteilung, ob und in welchem Umfang es beim Einsatz chemischer Produkte zu Expositionen kommt, das heißt zum Kontakt zwischen Chemikalien und Menschen oder der Umwelt. Zum anderen die Ermittlung von Maßnahmen, die einen sicheren Umgang mit Chemikalien ermöglichen und in der gesamten Lieferkette kommuniziert werden können – von örtlichen Absauganlagen bis zu geschlossenen Anlagen. Besonders wichtig sind hier „Expositionsszenarien“, in denen die erforderlichen Bedingungen und Risikomanagementmaßnahmen für die unterschiedlichen Anwendungen von Stoffen und Gemischen beschrieben und industriellen und gewerblichen Kunden mitgeteilt werden.

Ende April dieses Jahres wird es eine interessante Ergänzung geben, in der es um eine besonders harte Nuss geht: Die Beurteilung von Gemischen unter REACH. Denn in den meisten Fällen werden Chemikalien nicht als einzelne Stoffe, sondern in Gemischen eingesetzt, zum Beispiel als Lack, Klebstoff oder Reinigungsmittel. Hier müssen die Hersteller dieser Produkte in ihrem Sicherheitsdatenblatt des Gemischs alle Informationen zu den Inhaltsstoffen berücksichtigen, die sie erhalten haben. Die zahlreichen Möglichkeiten, die es dabei gibt, werden im Praxisführer an Beispielen erklärt. Die Erweiterung des Praxisführers gibt auch Tipps und Instrumente, mit denen Anwender von Chemikalien prüfen können, ob ihre Verwendungen vom Sicherheitsdatenblatt ihres Lieferanten abgedeckt sind.

Der REACH Praxisführer kann kostenlos unter www.vci.de (deutsche Fassung) bzw. www.cefic.org (englische Fassung) heruntergeladen werden.

info: Dr. Dirk Bunke

Keine Pauschalurteile über gefrorene Lebensmittel

Wissenschaftler zeigen Wege auf, wie die Tiefkühlindustrie nachhaltiger gestaltet werden kann

Auch bei Lebensmitteln lassen sich viele Treibhausgasemissionen einsparen: So rücken beispielsweise die CO2-Äquivalente, die bei dem Flugtransport oder der Tiefkühllagerung von Lebensmitteln entstehen, immer stärker in den Fokus von Klimaschutzbemühungen.

Die Datengrundlage, die für die Bilanzierung der Treibhausgasemissionen industrieller Prozesse in der Lebensmittelindustrie benötigt wird, ist aber noch nicht umfangreich ermittelt. Pauschalisierende Aussagen zum Verzicht auf bestimmte Angebotsformen, wie Tiefkühlprodukte oder andere Convenience-Produkte, dürfen deswegen nicht getroffen werden. Dennoch interessieren sich immer mehr führende Unternehmen dafür, welche Risiken, aber auch Chancen Unternehmenstrategien zur CO2-Einsparung mit sich bringen und lassen ihre Produktionsketten darauf hin untersuchen. Dabei dürfen mögliche Strategien zur Treibhausgas-Reduzierung aber nicht zu Lasten anderer Nachhaltigkeitsfaktoren erfolgen, beziehungsweise sollten mögliche Vor- und Nachteile für Klima, Umwelt und Gesellschaft sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Öko-Institut im Auftrag des Deutschen Tiefkühlinstitutes, welche die für die deutsche Tiefkühlindustrie relevanten Indikatoren sind, die im Rahmen einer umfassenden Nachhaltigkeitsanalyse betrachten werden sollten. Im Fokus der Sondierungsstudie steht das Produktportfolio der deutschen Tiefkühlindustrie, deren Umweltauswirkungen im Rahmen einer Stoffstromanalyse entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfasst werden sollen. Als Ergebnis wird das Öko-Institut dem Deutschen Tiefkühlinstitut ein Konzept für eine umfassende Nachhaltigkeitsanalyse ausarbeiten. Dr. Jenny Teufel / ds

info: Dr. Jenny Teufel

Kurz & Knapp

Neues Buch: Welt ohne Wasser

Mit der „Geschichte und Zukunft eines knappen Gutes“ befasst sich ein neues Buch, das von Prof. Peter Cornelius Mayer-Tasch, Mitglied des Kuratoriums im Öko-Institut, herausgegeben wurde. Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Doch bereits heute versiegen Flüsse, Seen trocknen aus und das Grundwasser zieht sich zurück. Weltweit haben über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Das Buch zeigt, dass gerechte Wasserverteilung eine der Schlüsselaufgaben des 21. Jahrhunderts ist und beleuchtet ebenso unterhaltsam wie fundiert die Kultur und Geschichte der Wassernutzung. Die Autoren des Buches stammen allesamt aus dem Umfeld der Forschungsstelle Politische Ökologie München. ds

Welt ohne Wasser? Geschichte und Zukunft eines knappen Gutes
Taschenbuch, 260 S. Campus Verlag,
ISBN: 978-3593390376

Jetzt online

Ressourcenfieber-Website

Wie lange werden unsere natürlichen Ressourcen an Metallen, Mineralien, nachwachsenden Rohstoffen und die Ressource Fläche noch reichen? Wie können trotz des weltweit steigenden Bedarfs an Rohstoffen, Belastungen für Umwelt und Klima verringert werden? Wie kann die Ressourcennachfrage in Zukunft nachhaltiger gestaltet werden? Diese Fragen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das Öko-Institut arbeitet seit Jahren intensiv zu dem umfassenden Themenkomplex „Ressourceneffizienz“. Um die Verbreitung der vielen unterschiedlichen Projektergebnisse zu erleichtern, hat das Öko-Institut nun eine eigene Internetplattform eingerichtet, auf der alle wesentlichen Publikationen verfügbar gemacht werden. Die Web-Adresse der Seite wurde nach der bekannten und vielfach nachgefragten Broschüre „Ressourcenfieber“ benannt.

„Mit der Website können wir dem interessierten Fachpublikum nun alle unsere Arbeiten zum Thema Ressourcen in gebündelter Form anbieten. Wir erhoffen uns dadurch, dass dieser wichtige Forschungsschwerpunkt noch stärker wahrgenommen wird“, sagt Dr. Matthias Buchert, Leiter der Arbeitsgruppe „Ressourcen“.

info: Daniel Bleher | www.resourcefever.com

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Der Fußball wird grün

Öko-Institut berät FSV Mainz 05 beim Klimaschutz

Ansprechpartner

Dr. Matthias Buchert
Bereichsleiter Infrastruktur & Unternehmen
Büro Darmstadt
Tel. +49-6151/8191-11
Fax +49-6151/8191-33
E-Mail Kontakt



Der REACH Praxisführer

Chemikalien: Unterstützung und Instrumente für Unternehmen

Ansprechpartner

PD Dr. Dirk Bunke
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Produkte & Stoffströme
Geschäftsstelle Freiburg
Tel. +49-761/45295-54
Fax +49-761/45295-88
E-Mail Kontakt

Der REACH Praxisführer kann kostenlos heruntergeladen werden unter:
www.vci.de (deutsche Fassung) bzw. www.cefic.org (englische Fassung)

Keine Pauschalurteile über gefrorene Lebensmittel

Wissenschaftler zeigen Wege auf, wie die Tiefkühlindustrie nachhaltiger gestaltet werden kann

Ansprechpartnerin

Dr. Jenny Teufel
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Produkte & Stoffströme
Geschäftsstelle Freiburg
Tel. +49-761/45295-54
Fax +49-761/45295-88
E-Mail Kontakt

Neue Kandidaten für den Klimaengel

Das Öko-Institut legt bei 100 besonders klimarelevanten

Das Öko-Institut legt bei 100 besonders klimarelevanten Produktgruppen Kriterien dafür fest, wann Spitzenmodelle als energiesparend und umweltfreundlich gelten können. Die Ergebnisse dienen unter anderem als Vergabegrundlage für den blauen „Klimaengel“.

Damit wir unsere Klimaziele erreichten können, müssen sich Konsummuster und Produkte deutlich ändern. Einige Produktgruppen spielen dabei eine besonders wichtige Rolle: etwa weil ihr Beitrag zu den Treibhausgasemissionen in Deutschland groß ist und sie gleichzeitig über hohe Energiespar-Potentiale verfügen (beispielsweise Heizungen, Waschmaschinen, Kühlschränke, Gefriertruhen etc.). Ebenso wichtig für den Klimaschutz sind Produkte, die den Energieverbrauch signifikant verringern, zum Beispiel Wärmedämmung bei Gebäuden, Isolier-Fenster oder auch Master Slave-Steckerleisten, die die unnötige Stand-by-Funktion bei Geräten automatisch abschalten.

Neuerdings können energieeffiziente Spitzenprodukte in diesen Produktkategorien – wenn sie alle Klima- und Umweltschutzauflagen erfüllen – einen „Blauen Engel“ mit der Ergänzung „Schützt das Klima“ erhalten. Mit der neuen Zusatzinformation soll das Umweltzeichen als zentrales Klimazeichen positioniert werden und so Verbraucher beim umwelt- und klimafreundlichen Einkauf unterstützen. Für mehr als 30 Produktgruppen steht bereits fest, wann sie den blauen Klimaengel tragen dürfen, in den nächsten Jahren sollen für weitere 100 Produktgruppen Vergabekriterien entwickelt werden.

Dafür untersucht das Öko-Institut in einem mehrjährigen Forschungsprojekt in Kooperation mit dem IFEU und ÖKOPOL, bei welchen Produktgruppen eine mögliche Siegelvergabe aus Klimasicht besonders sinnvoll ist und welche Reduktionspotentiale dort in den nächsten Jahren zu erreichen sind. Dabei arbeitet das Öko-Institut eng mit Umweltbundesamt, der Jury Umweltzeichen und dem RAL, die für die Vergabe des Umweltzeichens verantwortlich sind, zusammen. Die Forschungsergebnisse sind auch relevant für die Kriteriensetzung bei möglichen Förderprogrammen sowie anderen Umweltzeichen. Sie werden zudem bei den laufenden EU-Verhandlungen über die Ökodesign-Richtlinie, beispielsweise zu Espressomaschinen oder aktuell zu Fernsehgeräten, eingebracht und stellen generell eine wichtige Grundlage für die Umweltberatung sowie die EcoTopTen-Marktübersichten des Öko-Instituts dar.

In der ersten Projektphase wurden zehn Produktgruppen untersucht: Espressomaschinen (inklusive Kapsel-Automaten), Netbooks, Masterslaves (automatische Steckerleisten), Wasserkocher, DVD-Player (inklusive DVD-Rekorder, Blu-ray Disk-Player), Gasherde und gasbeheizte Kochstellen, Waschmaschinen, Wäschetrockner, Kühl- und Gefriergeräte sowie TV-Geräte. Die weiteren aus Klimasicht besonders wichtigen Produkte werden im laufenden Projekt bearbeitet.

Die Auswahl der Produkte erfolgt dabei in einem mehrstufigen Verfahren, weil davon ausgegangen werden kann, dass sich die Bedeutung einzelner Produktgruppen für den Klimaschutz im Laufe der Zeit verschiebt und auch neue Produkte auf den Markt kommen. Damit neben dem Klimaschutz auch alle anderen wichtigen Umweltschutzaspekte beachtet werden, werden die Produkte mit der Öko-Instituts-Nachhaltigkeits-Methode PROSA (Product Sustainability Assessment) bewertet. Dabei werden die Ökobilanz, die Lebenszykluskostenrechnung, die Nutzenanalyse und - soweit möglich - auch soziale Aspekte berücksichtigt. Die Ökobilanz umfasst hierbei alle relevanten Umwelt- und Gesundheitsaspekte, also neben dem Treibhausgaspotential auch Ressourcenverbrauch, Überdüngungs-Potential, Lärm, Toxizität, etc.
Hohe Einsparpotentiale – auch bei kleinen Geräten
Die ersten Forschungsergebnisse zeigen, dass die potentiellen Kandidaten für den blauen Klimaengel gegenüber durchschnittlich gekauften Produkten hohe Treibhausgas-Reduktionspotentiale aufweisen: Sie liegen zwischen 20 und 56 Prozent, im Durchschnitt bei 45 Prozent. Absolut gesehen liegt das Strom-Einsparpotential bei den zehn untersuchten Produktgruppen bei rund 900 Kilowattstunden pro Jahr und das Reduktionspotential bei den Treibhausgasemissionen bei 667 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Jahr. Würden in den zehn beschriebenen Produktgruppen nur noch die energiesparendsten Spitzenmodelle betrieben, könnte ein durchschnittlicher Haushalt etwa 30 bis 40 Prozent Strom sparen. Überraschenderweise gibt es auch bei den kleineren Geräten hohe absolute Einsparpotentiale, beispielsweise bei Espressoautomaten mit rund 100 Kilowattstunden pro Jahr und damit etwa so viel wie bei einem energieeffizienten Kühlschrank (A++ gegenüber A-Klasse).

Bei den untersuchten Produkten verursacht die Nutzungsphase die meisten Treibhausgasemissionen. Der Nutzeranteil liegt mit wenigen Ausnahmen (zum Beispiel Netbooks) zwischen 80 bis 95 Prozent, wohingegen die Phasen Herstellung und Entsorgung zusammengerechnet meist nur für zehn bis 20 Prozent der Emissionen verantwortlich sind. Dabei hat einerseits der Konsument durch die Art der Nutzung Einfluss auf den Energieverbrauch, andererseits wird dessen Höhe auch im Vorfeld durch die Hersteller bestimmt, die beim Produktdesign über die Verbrauchswerte entscheiden.

Auch Convenience-Funktionen können den Stromverbrauch der Geräte gegenüber einer Basisversion deutlich erhöhen. Ein Beispiel hierfür ist die Schnellstartfunktion bei DVD-Rekordern und Blu-ray Disk-Playern: Der jährliche Stromverbrauch nimmt dadurch gegenüber Geräten ohne Schnellstartfunktion deutlich zu, bei den DVD-Rekordern mit Festplatte um rund 170 Prozent oder jährlich 70 Kilowattstunden, bei den Blu-ray Disk-Playern um rund 286 Prozent oder jährlich 72 Kilowattstunden.

Außerdem zeigt das Forschungsprojekt, dass energiesparende Spitzenprodukte den Konsumenten nicht mehr Kosten verursachen als herkömmliche Modelle: Die Lebenszykluskosten der energieeffizienten potenziellen Umweltzeichenprodukte liegen gleichauf mit denen konventioneller Produkte oder sind sogar deutlich geringer.

Bis Ende 2012 sollen für alle 100 aus Klimasicht wichtigsten Produktgruppen Vergabekriterien vorliegen, zum Beispiel auch für Staubsauger, Fenster, Wärmedämmmaterialien, Elektrofahrräder, Telefon- und WLAN-Anlagen, grüne Rechenanlagen und Server. Dr. Rainer Grießhammer

info: Dr. Rainer Grießhammer



Umweltschutz in China
Seit längerem gibt es bereits eine Kooperation zwischen dem „Blauen Engel“ und dem chinesischen Umweltzeichen. Herstellern umweltfreundlicher Produkte wird damit die Beantragung und Nutzung der Umweltzeichen des jeweils anderen Landes erleichtert und ihnen damit eine bessere Startposition in den deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen eingeräumt. Nun will das chinesische Umweltministerium sein Umweltzeichen um eine Klimakennzeichnung für CO2-arme Produkte erweitern. Dabei will man von den Erfahrungen des blauen Klimaengels lernen.

Ende 2009 hat China dafür mit der GTZ einen Vertrag abgeschlossen, in dem eine Kooperation bei der Entwicklung von Kriterien für energieverbrauchende Produkte vereinbart wurde. Exemplarisch soll für zwei Produktgruppen geklärt werden, wann sie das Umweltzeichen mit Klimainformationen tragen dürfen. Bei einer der Produktgruppen sollen die gemeinsam erarbeiteten Klima- und Umweltschutzkriterien in beiden Ländern anerkannt werden. Das Öko-Institut berät die GTZ und das chinesische Umweltministerium bei der Planung und Durchführung des gesamten Projekts. ds

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Neue Kandidaten für den Klimaengel

Ansprechpartner

Dr. Rainer Grießhammer
Mitglied der Geschäftsführung
Produkte & Stoffströme
Geschäftsstelle Freiburg
Tel.+49-761/45295-50
Fax.+49-761/45295-88
E-Mail Kontakt

Öko-Strom
Dominik Seebach
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Energie & Klimaschutz
Geschäftsstelle Freiburg
Tel.+49-761/45295-27
Fax.+49-761/45295-88
E-Mail Kontakt

Der CO2-Fußabdruck ist als Verkaufsargument unseriös“

Im Interview: Gerd Billen, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. - vzbv

Bisher ist es für Verbraucher schwer, an Informationen zu kommen, wenn sie klimafreundliche Produkte kaufen möchten. Doch wäre es für sie wirklich eine Hilfe, wenn der CO2-Fußabdruck auf allen Produkten und Dienstleistungen angegeben würde? Die Angaben auf den unterschiedlichen Produkten müssten untereinander für Laien leicht vergleichbar sein. Frage ist zudem, ob eine solche Angabe für Verbraucher tatsächlich nützlich ist und nicht eher zu weiterer Verwirrung beiträgt.

Dazu im Interview: Gerd Billen, Vorsitzender des Bundesverbands der Verbrauchzentralen.

Herr Billen, wünschen sich die Verbraucher eine Kennzeichnung zum CO2-Fußabdruck auf Produkten?
Wir haben im vergangenen Jahr eine Studie zum Thema veröffentlicht, was Verbraucher bei Mobilität und Ernährung zum Klimaschutz denken. Generell wünschten sich 83 Prozent der Befragten eine Kennzeichnung, die auf die Klimawirkung von Lebensmitteln hinweist.

Wird zum Beispiel die Angabe der CO2-Emission pro Kilometer bei Neufahrzeugen laut EU-Richtlinie von den Verbrauchern zur Kenntnis genommen?
Ich denke, ja. Es ist aber fraglich, ob sie daraus entscheidende Schlüsse ziehen. Die Umsetzung der Richtlinie erfolgte in Deutschland durch nackte Zahlen, ohne Vergleiche oder Erklärung – völlig unzureichend! Wir fordern eine klarere und verständlichere Darstellungsform, die sich am Label für Haushaltsgeräte orientiert.

Macht ein eigenes CO2-Label aus Verbrauchersicht Sinn?
Es ist den Verbrauchern nicht zuzumuten, alle aktuellen Label des deutschen Markts zu kennen. Vor diesem Hintergrund macht es keinen Sinn, ein weiteres Siegel zu entwickeln. Zumal es bereits Label gibt, die aussagen, wie klimafreundlich ein Produkt in der Produktions- oder Nutzungsphase ist, zum Beispiel das Energieeffizienzklasse-Label bei Haushaltsgeräten.

Was halten sie von den CO2-Labeln, die in anderen Ländern bereits im Einsatz sind?
Wir beobachten derzeit einen Trend, dass Produkte und Dienstleister mit dem „Klimaargument“ werben, also auf Klimafreundlichkeit oder gar Klimaneutralität hinweisen. In Großbritannien und Schweden gibt es bereits Unternehmen, die einen CO2-Fußabdruck auf ihren Produkten ausweisen. Sie tun dies allerdings in Verbindung mit einer Reduktionsverpflichtung beziehungsweise einem Ranking innerhalb der Produktgruppe. Derzeit kann und darf der CO2-Fußabdruck nicht zu einem Verkaufsargument werden, denn es gibt keine einheitliche Methode, ihn zu berechnen. Es ist deshalb nicht seriös, ihn zu Marketingzwecken einzusetzen.

Aus Verbrauchersicht ist es eher sinnvoll, dass Unternehmen und Dienstleister ihre Prozesse optimieren. Den Verbrauchern muss die Verantwortung, welche Produkte sie unter Klima-Aspekten kaufen, nicht zugemutet werden. Es ist vielmehr wichtig, aufzuklären, wie sie bei der Produktnutzung das Klima schonen können. Denn in der so genannten Nutzungsphase eines Produktes entstehen immer noch beträchtliche CO2-Emissionen, die von Verbrauchern durch ihr Verhalten beeinflusst werden können.

Wie können Verbraucher die Klimarelevanz von Lebensmitteln beurteilen – reicht hier das Biosiegel?
Die ökologische Herstellungsart ist ein Aspekt unter vielen, die Verbraucher beachten können, um klimafreundliche Lebensmittel einzukaufen. Denn die meisten Produkte aus kontrolliert-biologischem Anbau haben eine bessere Klimabilanz. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten, klima-freundlich einzukaufen: saisonale und regionale Produkte, Verzicht auf eingeflogene Lebensmittel oder wenig fetthaltige Milchprodukte und Fleisch.

Was halten Sie vom Umweltzeichen Blauer Engel?
Er bietet Verbrauchern Verlässlichkeit, weil er hohe Standards setzt. Sowohl bei Klimaschutz und Energieeffizienz als auch bei allen anderen Aspekten, die für den Schutz von Umwelt und Gesundheit wichtig sind. Neuerdings gibt es den Zusatzhinweis „Schützt das Klima“. Produkte, die diesen Klimaengel erhalten, zeichnen sich durch eine hohe Energieeffizienz aus und sind besonders energiesparend. Der Blaue Engel für Klimaschutz wird innerhalb von Produktgruppen vergeben, die für den Klimaschutz eine besonders große Rolle spielen: Etwa Netbooks, Waschmaschinen oder Espressomaschinen und über Elektrogeräte hinaus zum Beispiel Gasherde, Autoreifen oder auch Dienstleistungen wie Carsharing.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Katharina Hien.

www.vzbv.de

Gerd Billen, 55, gehörte 1985 zu den Gründern der Verbraucher Initiative e.V. und war deren Bundesvorsitzender. Von 1993 bis 2005 war er Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland NABU e.V. Dann wechselte er in die Otto Group als Leiter des Bereiches Umwelt- und Gesellschaftspolitik und baute maßgeblich das Projekt „Cotton made in Africa“ auf. Der Sozial- und Ernährungswissenschaftler ist unter anderem Mitglied im Council von Consumers International, der Deutschen UNESCO Kommission, im Beirat der Deutschen Energieagentur und im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA).

Drei Persönlichkeiten im Porträt:

Ran Liu, Prof. Dr. Matthias Finkbeiner, Prof. Mario Schmidt

Gemeinsam planen

Ran Liu will Brücken zwischen China und Deutschland bauen

Die Öko-Instituts-Expertin für Ökobilanzen Ran Liu ist in Shanghai aufgewachsen. „Ich bin zum Studium nach Deutschland gekommen, weil hier die Umweltschutz-Vorreiter sind“, so die gebürtige Chinesin. Am Öko-Institut hat sie unter anderem den CO2-Fußabdruck von Fisch und Kaffee berechnet. „Dabei analysiere ich alle Schritte von der Gewinnung der Rohstoffe über Produktion, Verpackung, Transport, Lagerung, Nutzung bis hin zur Entsorgung“, erklärt die Umwelttechnikerin. „Nur so kann man die Beiträge aller Beteiligten ermitteln und Problemverschiebungen vermeiden.”

Besonders spannend findet sie es, den CO2-Fußabdruck für große Unternehmen wie die Metro-Gruppe zu erarbeiten. „2007 war Metro Vorreiter – inzwischen haben sich viele deutsche Unternehmen angeschlossen.“ Ihre Überzeugung ist: Nur was gemessen wird, bekommt Aufmerksamkeit. Nur worauf die Aufmerksamkeit liegt, wird verbessert.
Das neueste Projekt führt sie wieder in die Heimat. Gemeinsam mit dem Environmental Certification Center des Umweltministeriums in China ist geplant, Klima-Kriterien für chinesische Produkte zu entwickeln. Diese sind zwar hauptsächlich Exportartikel, werden aber auch in China verkauft. „Wenn dort nur einige Prozent der Bevölkerung umdenken würden, hätte das bereits immense Auswirkungen auf das Klima“, ist sich Liu sicher. kh

info: Ran Liu

Global Player

Prof. Dr. Matthias Finkbeiner setzt sich für eine einheitliche Methodik ein

Von neuen CO2-Labels hält Prof. Dr. Matthias Finkbeiner nichts: „Ideal fände ich ein festes persönliches CO2-Budget, das pro Jahr ausgeschöpft werden kann, ob nun für neue Geräte, Steaks zum Mittagessen oder Autofahrten.“

Er will möglichst effektiv zur Umweltverträglichkeit von Produkten informieren. Der Leiter des Sustainable Engineering an der TU Berlin entwickelt mit seinem Team Bewertungsverfahren für Umweltverträglichkeit. Für sein laufendes Projekt „Carbon Footprint“ hat er kürzlich den 1. Berliner Preis „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ erhalten. Im Projekt hat er dazu beigetragen, weltweit verschiedene Berechnungen von CO2-Fußabdrücken (PCF) zu vereinheitlichen. „Wir haben jetzt einen weitgehend konsistenten Stand der PCF-Standards erreicht“, erklärt Finkbeiner, der froh ist, dass damit global ein Beitrag zum Klimaschutz möglich wird. „Es war sehr anspruchsvoll, den bestmöglichen Kompromiss der Erwartungen und Methoden aller Beteiligten in den Griff zu bekommen.“ Der 43-Jährige richtet sich nach Einstein: Es soll so einfach wie möglich sein - aber auch nicht einfacher.

Zurzeit arbeitet Prof. Dr. Matthias Finkbeiner gerade an einem ISO-Standard für einen Water-Footprint. „Tatsächlich ist die lebenswichtige Ressource Wasser genauso bedroht wie das Klima – Wasser ist das neue CO2“, erklärt der Umwelttechniker. kh

info: www.see.tu-berlin.de

Genau genommen

Prof. Mario Schmidt hält CO2-Bilanzen einzelner Produkte für zu kurz gefasst

„Den CO2-Fußabdruck für jede Kartoffelchipssorte zu berechnen, ist absurd und spiegelt eine falsche Genauigkeit vor“, meint Prof. Mario Schmidt. Der Direktor des Instituts für Angewandte Forschung IAF sieht mehr Sinn in CO2-Bilanzen für ganze Produktgruppen zum Vergleich von Verkehrsmitteln, Flaschen- versus Tetrapack-Milch oder Biogemüse gegenüber konventionellem. „Konsumenten entscheiden sich aber auch nach Marken“, so der Ökobilanzexperte. Daher sei es besser, die Unternehmen hinter den Marken möglichst klimafreundlich zu gestalten, als nur einzelne Produkte.

„Bisher sehen die Umweltbilanzen deutscher Unternehmen so gut aus, weil dabei ihre Lieferanten im In- und Ausland kaum berücksichtigt werden.“ Er will die gesamte Vorkette der Produktion an die Klimabilanz des Unternehmens knüpfen.

Seine Idee: Entlang der Wertschöpfungskette muss jedes Unternehmen die CO2-Emissionen seiner Lieferanten und die der eigenen Wertschöpfung verrechnen und diese Zahl an seine Kunden weitergeben. So wird der Ausstoß der Unternehmen auf simple Weise deutlich. „Damit bekommen Entscheider in den Unternehmen einfach und schnell wichtige Informationen, um Weichen zu stellen für die eigene Produktion, die Produktentwicklung und vor allem für die Lieferantenauswahl“, erläutert der Physiker. kh

info: www.umwelt.hs-pforzheim.de

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Gemeinsam planen

Ran Liu will Brücken zwischen China und Deutschland bauen

Ansprechpartnerin

Ran Liu
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Produkte & Stoffströme
Merzhauser Straße 173
D-79100 Freiburg
Tel. +49-761/45295-54
r.liu@oeko.de

Ausbildung & Berufserfahrung

  • Seit September 2007: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Öko-Institut, Bereich Produkte & Stoffströme

  • 12/2006 - 5/2007: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM), Environmental Engineering in Kooperation mit Technischer Universität (TU) Berlin

  • 6/2006 - 12/2006: Werkstudentin am Fraunhofer-Institut für IZM

  • 8/2005 - 5/2006: Praktikum und Diplomarbeit bei Siemens AG, Berlin

  • 6/2005 – 7/2005: Werkstudentin, GreenDeltaTC GmbH, Berlin

  • 8/2004 – 4/2005: Studentische Mitarbeiterin am Institut für Technischen Umweltschutz an der TU Berlin

  • 10/2001 – 9/2006: Studium des Technischen Umweltschutz an der TU Berlin; Abschluss Diplom-Ingenieurin (Univ.)

Expertise
Forschungsschwerpunkt: Nachhaltiger Konsum und Produkte

Themen

  • Technische und ökologische Bewertung von Produkten und Prozessen

Methoden

  • Ökobilanzen & Stoffstromanalysen (LCA)

  • Product Carbon Footprint (PCF)

  • Unternehmensklimabilanzen (CCF)

  • IZM-TPI (Toxic Potential Indicator)

Wichtige Projekte

  • Treibhausgas-Bilanz für die REWE Group Deutschland (2009)

  • Klimabilanzen für die Metro Group (2008 / 2006)

  • Ökobilanz der Kaffeezubereitung, Bodum

  • Product Carbon Footprint analysis of five different selected fish products (GTZ)

  • Product Carbon Footprint of green coffee - Case study „Tchibo Privat Kaffee Rarity Machare“

  • Critical Review zur CO2-Bilanz von Trinkmilch, Brot und Kartoffel des FiBL Österreich

  • Fallstudien in KMU zur Anpassung an die RoHS-Gesetzgebung


Global Player

Prof. Dr. Matthias Finkbeiner setzt sich für eine einheitliche Methodik ein

Ansprechpartner

Prof. Dr. Matthias Finkbeiner
Technische Universität Berlin
Department of Environmental Technology
Chair of Sustainable Engineering
Office Z1
Strasse des 17. Juni 135
D-10623 Berlin
Germany
Tel.: +49 30 314-24341
matthias.finkbeiner(at)tu-berlin.de

zur Person
Geboren am 3. Oktober 1966 in Waiblingen, verheiratet, zwei Kinder

beruflicher Werdegang

  • 1996 – 1997

  • Friedrich-Schiller-Universität Jena, Abschluss Dissertation: Ziel-abhängige Lebenszyklus-Einschätzung industrielle Reinigungsprozesse
  • 1997 – 1999

  • PE International GmbH, Leinfelden-Echterdingen (Senior Consultatnt und zuletzt Vizedirektor, Gründung der Joint-Venture PE Asia Corporation)
  • 1999 – 2007

  • Mercedes-Benz Gruppe der Daimler AG, Stuttgart (Leiter für Ökobilanzen, Koordinator für Umweltmanagement in der Entwicklungs, Leiter Umweltverträglichkeit für Projekte mit alternativen Fahrzeugantrieben
  • seit 2007

  • Professor für Sustainable Engineering (ehemals Systemumwelttechnik) am Institut für Technischen Umweltschutz der TU Berlin
  • seit 2010

  • Gast-Professor am Lahti Center, Aalto University School of Science and Technology, Finnland

Stipendien und Preise

  • Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes

  • STA-Fellowship der Agency for Industrial Science and Technology für einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt am National Institute for Resources and Environment in Tsukuba, Japan

  • DaimlerChrysler Environmental Leadership Award

  • SAE Environmental Excellence in Transportation Award (Society of Automotive Engineers, USA)

  • Erster Berliner Preis „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ für das Projekt Carbon Footprint im Rahmen der UNEP/SETAC Life Cycle Initiative

Ausschüsse

  • Mitglied des Chairman´s Advisory Committee and Chair of the Portfolio Task Force in TC207 for the ISO14000 series of standards

  • Vorsitzender des ISO TC207/SC5 Life Cycle Assessment

  • Mitglied des International Life Cycle Board (ILCB) of the UNEP/SETAC Life Cycle Initiative

  • Leiter des carbon footprint project of the UNEP/SETAC Life Cycle Initiative

  • Mitglied des Steering Committee of the Greenhouse Gas Protocol Product/Supply Chain Initiative of WBCSD/WRI

  • Gründungsmitglied der Bayreuther Initiative for Business Ecology

  • Mitglied des Verein Deutscher Ingenieure (VDI)

  • Vize-Vorsitzender des Ausschusses für Life Cycle Assessment der Gesellschaft Deutscher Chemiker (bis 2000)

  • Deutscher Abgeordneter des NATO-Komitees “Clean Products and Processes” (bis 2000)

  • Vorsitzender des Life Cycle Assessment Komitees des Verbands der Automobilindustrie (bis 2007)

  • Mitglied des Life Cycle Assessment Komitees der European Council for Automotive Research (EUCAR) (bis 2007)

  • Mitglied des nationalen Normungsorgans DIN for “Life Cycle Assessment” – ISO 14040

  • Mitglied des nationalen Normungsorgans DIN for “Design for Environment” – ISO 14062

Herausragende Projekte

  • Wasser im Lebenszyklus von Kupferprodukten Bewertung des Wasserverbrauchs bei der Herstellung von Kupfer und Kupferprodukten

  • LCMethods - Vergleich mehrerer Lebenswegmethoden

  • Carbon Footprint Projekt der UNEP/SETAC Life Cycle Initiative

  • Elekrifizierung von Fahrzeugen mit dem Fokus Materialien

  • Wasserbilanz eines Produktionsstandortes der Daimler AG

  • UNEP – SETAC Life Cycle Initiative, Arbeitsgruppe Wasser

  • RESEFI Ressourceneffizienz in kleinen und mittelständischen Unternehmen

  • EVALCA - Evaluierung ökologischer Lebenszyklusanalysen für ausgewählte Anwendungen

  • Ressourceneffizienz in Produkt und Produktion

  • Preussen Riskware - Risikobetrachtung

  • NATO - Ägypten - Abwasseranlagenbewertung

  • Wasser im Automobil Lebenszyklus in Kooperation mit Volkswagen AG


Genau genommen

Prof. Mario Schmidt hält CO2-Bilanzen einzelner Produkte für zu kurz gefasst

Ansprechpartner

Prof. Dr. Mario Schmidt
Quantitative Methoden der BWL / Stoffstrommanagement
Hochschule Pforzheim
Tiefenbronner Str. 65
75175 Pforzheim
Tel.: 0 72 31 / 28 - 64 06 bzw. -6135
mario.schmidt(at)hs-pforzheim.de

zur Person

  • 1960 in Freiburg geboren
    Ist durch den Widerstand gegen das Kernkraftwerk Wyhl sozialisiert: Er hat die Bürgerinitiative in Umkirch mitgegründet, mitdemonstriert und war auf dem Bauplatz dabei.

  • 1978 - 1980
    Studium an der Universität Freiburg: Physik

  • 1980 - 1985
    Studium an der Universität Heidelberg: Astrophysik

  • 1985 - 1989
    Wiss. Mitarbeiter am IFEU – Institut für Energie- u. Umweltforschung Heidelberg e.V. Schmidt hatte in seinem Studium die Vorgängereinrichtung Tutorium Umweltschutz ehrenamtlich betreut und an der Universität Heidelberg die „Ringvorlesung Umweltschutz“ geleitet.

  • 1989 - 1990
    Referatsleiter beim Senator f. Umwelt Hamburg

  • 1991 - 1999
    Consultant-Tätigkeit u. Fachbereichsleiter ifeu GmbH Heidelberg

  • seit 1999
    Professor für ökologische Unternehmensführung an der Hochschule Pforzheim

Arbeitsschwerpunkte
Forscht am stofflichen und energetischen Metabolismus unserer Industriegesellschaft:

  • Energie- und Stoffstrommanagement

  • Umweltmanagement

  • Life Cycle Assessment

  • Operations Research

Ämter und Funktionen

  • seit 1996
    Prüfer für die Zulassung von Umweltgutachtern

  • seit 2002
    Direktor des Instituts für Angewandte Forschung IAF

  • seit 2002
    Gewähltes Mitglied des Senats der Hochschule Pforzheim

  • seit 2004
    Mitglied der AG IV zur Beratung des baden-württemb. Wissenschaftsministeriums

  • seit 2004
    Sprecher der IAF-Leiter in Baden-Württemberg
    Mitarbeit bei VDI-Richtlinien und DIN/ISO-Normen

Buchveröffentlichungen (Auswahl)

  • Schmidt, M.: Effizient mit Ressourcen umgehen. Kosteneinsparung und Nachhaltigkeit in produzierenden Unternehmen. Hanser, München (in Vorbereitung)

  • Schmidt, M., Schwegler, R.: Umweltschutz und strategisches Handeln, 2003, Gabler, Wiesbaden

  • Schmidt, M., Höpfner, U. (Hrsg.): 20 Jahre ifeu-Institut. Umweltforschung zwischen Wissenschaft und Politik. Vieweg Wiesbaden/ Braunschweig. 1998

  • Schmidt, M., Häuslein, A. (Hrsg.): Ökobilanzierung mit Computerunterstützung. Springer-Verlag. Berlin/ Heidel¬berg/ New York. 1997

  • Schmidt, M., Schorb, A. (Hrsg.): Stoffstromanalysen in Ökobilanzen und Öko-Audits. Springer-Verlag. Berlin/ Heidel¬berg/ New York. 1995

  • Schmidt, M. (Hrsg.): Leben in der Risikogesellschaft. Der Umgang mit modernen Zivilisationsrisiken. Alternative Konzepte 71. Verlag C.F. Müller Karlsruhe. 1989

Ergebnisse aus der Forschungsarbeit

Umweltfreundlicher öffentlicher Einkauf

Projekt des Öko-Instituts zeigt, wie sich die Beschaffung verbessern lässt

Durch den Einkauf von umweltfreundlichen Produkten und Dienstleistungen kann die öffentliche Hand aufgrund ihrer hohen Kaufkraft in erheblichem Maß die Umwelt entlasten und dazu beitragen, nicht-nachhaltige Produktions- und Konsummuster zu verändern. Im Rahmen eines kürzlich abgeschlossenen Projekts für das Umweltbundesamt hat das Öko-Institut in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Betriebliche Umweltökonomie der TU Dresden eine Reihe von Maßnahmen und Untersuchungen durchgeführt, die helfen sollen, umweltfreundliche Beschaffung zu fördern und weiter zu verbessern.

Unter anderem wurden für die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung Schulungsmaterialien entwickelt, die sich an die MitarbeiterInnen der öffentlichen Hand wenden und über Themen wie rechtliche Grundlagen, die Verwendung von Produktkriterien in Ausschreibungen oder die Berechnung von Lebenszykluskosten informieren. Im Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums, einem der größten Einkäufer der öffentlichen Hand in Deutschland, wurden eine Analyse der Hemmnisse für eine umweltfreundlichere Beschaffung durchgeführt und Empfehlungen für deren Abbau erarbeitet. Ein weiterer Forschungsgegenstand war die Frage, inwieweit öffentliche Beschaffung zu einer Förderung umweltfreundlicher Innovationen beitragen kann. Dabei wurde die fehlende Anpassung von Innovationen an die spezifischen Nutzerbedürfnisse der öffentlichen Verwaltung als ein wesentliches Defizit festgestellt und Empfehlungen erarbeitet, um mit diesem Problem umzugehen. Schließlich wurde in einer Fallstudie zum Hoch- und Tiefbausektor festgestellt, dass eine umweltfreundliche innovative Beschaffung im Baubereich zu positiven Beschäftigungeffekten führen würde. Hendrik Acker

info: Hendrik Acker

Folgen eines Reaktorunfalls für die Landwirtschaft

Entwurf für eine Eilverordnung klärt bisher offene Fragen

Durch einen Reaktorunfall in Deutschland, der auch heute nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden kann, könnten bis zur Hälfte aller landwirtschaftlichen Flächen in der Bundesrepublik radioaktiv kontaminiert werden. Zudem muss mit einem Zusammenbruch der Nachfrage nach in Deutschland hergestellten landwirtschaftlichen Produkten gerechnet werden. Doch wie sollen beim Eintreten eines solchen Falles die großen Mengen an radioaktiv kontaminierten Lebensmitteln entsorgt werden? Bislang war das unklar. Eine Studie des Öko-Instituts, die für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit erarbeitet wurde, hat nun bislang noch offene technische und rechtliche Fragen geklärt.

Im Rahmen der Studie wurde zuerst ein Referenzszenario entwickelt, welches das Ausmaß der Kontamination und die Masse der betroffenen landwirtschaftlichen Produkte beschreibt. Dann wurden technische Entsorgungsmöglichkeiten erarbeitet. Im dritten Schritt des Projektes wurde ein Vorschlag für eine Eilverordnung formuliert, die im Ereignisfall in Kraft gesetzt werden könnte. Der Entwurf sieht die Festlegung eines Schwellenwerts für die radioaktive Kontamination vor, unterhalb dem die anfallenden Ernteprodukte in üblichen Entsorgungsanlagen der Abfallwirtschaft entsorgt werden können. Liegen die Werte darüber, müssen zusätzliche Maßnahmen des Strahlenschutzes beachtet werden. Ein weiterer Schwellenwert soll festlegen, ab wann die kontaminierten landwirtschaftlichen Produkte als radioaktiver Abfall zu behandeln sind. Für die Festlegung der konkreten Höhe der Schwellenwerte sind weitere Untersuchungen erforderlich. Mathias Steinhoff / Christian Küppers / ds

info: Mathias Steinhoff | Christian Küppers

Ökologisch, fair, bezahlbar und gelabelt?

Bisher gibt es kein allgemeines Nachhaltigkeitslabel für Produkte / Öko-Institut und Institut für ökologische Wirtschaftsforschung schlagen vor, Gütekriterien für die Weiterentwicklung bestehender Siegel zu erarbeiten

Verbraucher wollen sich heutzutage vor dem Kauf immer öfter darüber informieren, ob der Teppich ohne Kinderarbeit gefertigt wurde oder das Spielzeug keine giftigen Stoffe enthält. Unterschiedliche Label und Siegel helfen dabei, hier eine gute Wahl zu treffen. Doch bisher gibt es kein Label, das ökologische und ökonomische Kriterien sowie soziale Aspekte gleichermaßen abdeckt. Eine neue Studie vom Öko-Institut und dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung kommt zu dem Schluss, dass ein einheitliches „Nachhaltigkeitslabel“ über alle Produktgruppen hinweg auch nicht sinnvoll ist. Stattdessen schlagen die WissenschaftlerInnen vor, die bestehenden Umwelt- und Sozialsiegel in Richtung Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln.

„Wenn Verbraucher rundherum nachhaltig konsumieren wollen, fehlt ihnen bisher eine einfache orientierende Signalanlage“, sagt Projektleiterin Dr. Jennifer Teufel vom Öko-Institut. Die zahlreichen Produktlabel bilden in der Regel nur Teilaspekte der Nachhaltigkeit ab, zumeist ökologische, selten soziale. Viele existierende Label sind auf bestimmte Produktgruppen beschränkt. „Es wäre sehr aufwändig und teuer, ein einheitliches Nachhaltigkeitslabel auf dem Markt einzuführen. Zudem besteht die Gefahr, dass die renommierten und bekannten Siegel durch ein neues Nachhaltigkeitslabel relativiert würden. Deshalb raten wir von diesem Weg ab“, so die Öko-Instituts-Expertin.

Die Studie schlägt stattdessen vor, die bestehenden Siegel in mehreren Stufen weiterzuentwickeln. „Aus unserer Sicht ist es zunächst wichtig, gemeinsam mit den Beteiligten aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik informelle Gütekriterien für Produktkennzeichen zu erarbeiten, die aufzeigen, was Nachhaltigkeit in Kennzeichen erfordert“, sagt Dr. Frieder Rubik vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. „Daraus könnten sich gemeinsame Nachhaltigkeitsstandards ergeben. Am Ende des Diskussionsprozesses sollen dann die bestehenden Zeichen diese Standards für sich selbst umsetzen.“ Aus Sicht der Experten könnte dieser Prozess in rund drei Jahren umgesetzt werden.

Wie sind die WissenschaftlerInnen im Projekt vorgegangen?
Im Rahmen des Forschungsvorhabens haben sich die WissenschaftlerInnen rund 70 Label genauer angeschaut und die Vor- beziehungsweise Nachteile der Kennzeichen aufgelistet. Darunter waren so bekannte Siegel wie der „Blaue Engel“ und das FSC-Zeichen, aber auch verschiedene Textilsiegel und Siegel für Bauprodukte. Häufigstes Defizit: Es gibt beim ökologischen und sozialen Nachweis über den gesamten Lebensweg vor allem Lücken bei den Rohstoffen und bei den Vorprodukten, die oft unter sozial schwierigen Bedingungen in Entwicklungsländern produziert werden. Hier müssen die neu zu entwickelnden Gütekriterien ansetzen. Aufbauend auf einer Literaturanalyse und Experteninterviews wurden mögliche konzeptionelle Ansatzpunkte für ein allgemeines produktübergreifendes Nachhaltigkeitslabel skizziert und im Rahmen einer Stärken-Schwächen-Analyse die Vor- und Nachteile dieser konzeptionellen Varianten gegeneinander abgewogen.

Vorteil für den Verbraucher - einfache Info, gute Orientierung
Welchen Vorteil hätte der Verbraucher von der Anwendung neuer Nachhaltigkeitsstandards durch einzelne Zeichensysteme? Er wäre beim Kauf eines Teppichs künftig sicher, dass dieser ohne Kinderarbeit produziert worden ist, die verwendete Baumwolle zudem ökologisch und fair angebaut wurde und der Teppich auch keine schädlichen Gifte enthält. Und diese Information würde ihm ein bereits renommiertes Label, wie beispielsweise der Blaue Engel geben, das die entwickelten Standards in sein Zertifizierungssystem aufgenommen hat. Christiane Rathmann

info: Dr. Jenny Teufel

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Umweltfreundlicher öffentlicher Einkauf

Projekt des Öko-Instituts zeigt, wie sich die Beschaffung verbessern lässt

Ansprechpartner

Hendrik Acker M.E.S
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Umweltrecht & Governance
Büro Berlin
Tel. +49-30/405085-360
Fax +49-30/405085-388
E-Mail Kontakt

Der Endbericht des Projekts „Analyse des öffentlichen Beschaffungswesens des Bundes und Maßnahmen zu seiner noch umweltfreundlicheren Ausrichtung - UBA- Forschungsvorhaben“ sowie die Schulungsunterlagen werden demnächst unter www.umweltbundesamt.de bereit gestellt.

Folgen eines Reaktorunfalls für die Landwirtschaft

Entwurf für eine Eilverordnung klärt bisher offene Fragen

Titel des abgeschlossenen Forschungsprojekts: „Klärung technischer und rechtlicher Fragestellungen bei der Beseitigung radioaktiv kontaminierter Abfälle landwirtschaftlicher Produkte nach Ereignissen mit nicht unerheblichen radiologischen Konsequenzen“.

Ansprechpartner

Mathias Steinhoff
Wissenschaftliche Mitarbeiter
Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Büro Darmstadt
Tel. +49-6151/8191-22
Fax +49-6151/8191-33
E-Mail Kontakt

Christian Küppers
Wissenschaftliche Mitarbeiter
Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Büro Darmstadt
Tel. +49-6151/8191-22
Fax +49-6151/8191-33
E-Mail Kontakt

Ökologisch, fair, bezahlbar und gelabelt?

AnsprechpartnerIn

Dr. Jennifer Teufel
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Produkte & Stoffströme
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: 0761/452 95-52
E-Mail Kontakt

Dr. Frieder Rubik
Leiter des Forschungsfeldes Ökologische Produktpolitik
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gGmbH, Büro Heidelberg
Telefon: 06221/64916-6
E-Mail: frieder.rubik(at)ioew.de

Weitere Informationen

Die vollständige Studie können Sie hier kostenlos herunterladen: download.ble.de/08HS031.pdf

Was wäre eigentlich, wenn... …es eine richtig gute Verbraucherinformation zu Umwelt- und Klimaschutz gäbe?

Eine Kolumne von Dr. Rainer Grießhammer

Klima- und umweltfreundlicher Konsum? Sinnvoller als der Label-Dschungel im Supermarkt wäre es, sich auf Lead-Label zu konzentrieren und gleichzeitig schärfere Umweltschutz-Gesetze einzuführen

Als Verbraucher hat man ja wenig Zeit und muss zwischen Haushalt führen und arbeiten, zum Kindergarten fahren, Schulaufgaben checken, die Eltern besuchen, der Steuererklärung, Gartenpflege, Elternabend etc. auch noch einkaufen und möchte dabei vielleicht noch die Umwelt schützen. In der Regel will man rapp-zapp noch schnell einkaufen, am liebsten immer im gleichen Laden, wo man genau weiß, wo was steht.

Meistens finden sich auf den Produkten aber keine Informationen darüber, ob oder warum sie umweltfreundlich sind. Deswegen ist man zuerst einmal begeistert, wenn ein großer Handelskonzern ankündigt, auf alle seine Produkte draufzuschreiben, wie viel CO2 – das hat ja irgendetwas was mit Klima zu tun …- bei der Produktion freigesetzt wird. Und tatsächlich gibt es schon die ersten Produkte mit solchen Labels, zum Beispiel den Walkers Snack – einen CO2-Fußabdruck von 75 Gramm pro Packung zeigt das Klimalabel darauf an. Wenn jetzt daneben im Regal ein anderer Snack mit 65 Gramm stünde, dann würde man doch sofort diesen Snack nehmen, und wenn er zehn Cent teurer wäre, nach einigem Zögern vielleicht auch noch.

Mit gutem Umweltgewissen würde man dann den Supermarkt verlassen und vielleicht noch mal schnell den Mittelklassewagen volltanken. Ausgerechnet auf der Tanksäule wird aber leider kein CO2-Wert angegeben - der läge aber ungefähr in der Größenordnung von 120.000 Gramm oder 1.600 Walkers Snacks! Das CO2-Sparen mit Walkers Snack wäre auch noch superteuer: Zehn Cent für zehn Gramm CO2 sind umgerechnet 10.000 Euro pro Tonne einge-spartem CO2. Bei der Wärmedämmung von Häusern liegt man etwa bei zehn bis 20 Euro pro Tonne CO2. Wenn man das Auto benzinsparend fahren würde, so wie es die Verkehrsclubs empfehlen, könnte man die CO2-Emissionen pro Tankfüllung um immerhin rund 15.000 Gramm reduzieren und würde sogar noch Geld sparen.

Zur Reduktion von Stress wäre es unendlich hilfreich, wenn nicht irgendwelcher Firlefanz ausgezeichnet wird und Verbraucher nicht mit einer Flut belangloser Informationen ohne jede Aussagekraft überschüttet werden. Stattdessen könnte man viel sinnvollere Maßnahmen durchführen. Meine Vorschläge:

Warum wird der Verkauf von Produkten mit drastisch schlechten Umwelteigenschaften nicht einfach gesetzlich verboten? Vor über zehn Jahren wurden die ersten Drei-Liter-Autos auf den Markt gebracht – wieso dürfen heute und in den nächsten Jahren überhaupt noch Pkw mit einem mehrfachen Verbrauch verkauft werden?

Da es dann aber trotzdem noch Unterschiede zwischen den Produkten geben wird (aber im Bereich von Zehner-Prozenten und nicht mit Faktor 2, 3 oder mehr!), sollten die besten Produkte durch wenige Lead-Label und Kennzeichnungen ausgezeichnet werden: das Umweltzeichen Blauer Engel, das Bio-Siegel, die Energieeffizienzkennzeichnung und das Fair-Trade-Siegel - also vier Label bzw. Kennzeichnungen statt der momentan 400! Perspektivisch sollte es sogar nur ein Nachhaltigkeits-Siegel geben!

In einem bundesweit einheitlichen Internet-Portal könnten – wie bei www.ecotopten.de
- für alle relevanten Produktgruppen (also nicht für Snacks…) die Best-Produkte in aktuellen Marktübersichten dargestellt werden - mit den oben genannten vier Labeln, mit den Lebenszykluskosten und Testergebnissen zur Qualität. Den Zugang bekommt man auch im Laden über Internet und Handy (Strich-Code).

Wenn das alles gewährleistet ist, kann man in Ruhe seinen Snack essen – wenn die im Bio-Siegel integrierte Lebensmittel-Ampel grün zeigt… Dr. Rainer Grießhammer

Dr. Rainer Grießhammer ist Mitglied der Geschäftsführung im Öko-Institut und forscht in dem Institutsbereich Produkte & Stoffströme zu produktbezogenem Klimaschutz. Der promovierte Chemiker war Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltänderungen WBGU (2004-2008) und in der Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ des Deutschen Bundestags (1992-1994). Darüber hinaus ist er stellvertretendes Mitglied beim Kuratorium der Stiftung Warentest und Vorstandsprecher der Stiftung Zukunftserbe.

info: Dr. Rainer Grießhammer

Tipps und Termine

Nanotechnologien: Chance für die Nachhaltigkeit?

Öko-Institut lädt am 14. September zur Jahrestagung nach Darmstadt ein / 30-Jahr-Feier des Darmstädter Büros

Chance oder Risiko? Um Nanotechnologien künftig umwelt- und sozialverträglich zu nutzen, gibt es noch erheblichen Forschungs- und Handlungsbedarf. Schon heute gibt es aber vielversprechende Ansätze, zu denen auch das Öko-Institut mit wissenschaftlichen Erkenntnissen beigetragen hat. Doch wie können wir auf dieser Basis neue Erfolgskonzepte für eine nachhaltige Nutzung der Nanotechnologien herausarbeiten? In welchen Anwendungsbereichen wären nanotechnologische Innovationen besonders sinnvoll? Diesen und vielen weiteren Fragen wird die Jahrestagung des Öko-Instituts

am Dienstag, 14. September 2010,
im Wissenschafts- und Kongresszentrum „darmstadtium“
Schlossgraben 1, 64283 Darmstadt,


nachgehen. ExpertInnen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft werden zusammen mit WissenschaftlerInnen des Öko-Instituts über das Thema „Nanotechnologien: Chance für die Nachhaltigkeit?“ diskutieren.

Eine der zentralen Aufgaben wird zukünftig darin bestehen, im offenen Dialog mit allen Stakeholdern Entwicklungsprozesse nanotechnologischer Produkte zu begleiten. So sollen bereits in einem frühen Stadium Risiken entlang des gesamten Lebensweges eines Produkts identifiziert und verringert werden. Gleichzeitig müssen die Potenziale für eine nachhaltige Entwicklung ermittelt und gemeinsam umgesetzt werden.

Bei der Tagung will das Öko-Institut diskutieren, welchen Beitrag die kommende Generation von nanotechnologischen Produkten und Verfahren zum Erreichen verschiedener gesellschaftlicher Ziele erbringen kann. Auf dieser Grundlage sollen konkrete Anwendungen betrachtet und Instrumente zu deren Bewertung und Gestaltung vorgestellt und weiterentwickelt werden. Außerdem werden die Wissenschaftler aufzeigen, wie die gesellschaftliche Diskussion geführt werden kann. Weitere Informationen zu den Arbeiten des Öko-Instituts zum Thema Nanotechnologie finden sich unter: www.oeko.de/nano.

Am Vorabend steht eine Festveranstaltung auf dem Programm, bei der das 30-jährige Bestehen des Darmstädter Büros des Öko-Instituts gefeiert wird. Das detaillierte Programm der Jahrestagung und der Jubiläumsfeier erscheint im Sommer. cr

info: Christiane Rathmann | www.oeko.de/jahrestagung

Burn Out der Wirtschaft

Im Gespräch: Top-Manager Peter H. Grassmann und Öko-Instituts-Geschäftsführer Dr. Rainer Grießhammer

Zu einer Talk-Runde mit anschließender Diskussion lädt das Öko-Institut am Donnerstag, 6. Mai 2010, alle Interessierten in seine Geschäftsstelle, Merzhauser Straße 173, 79100 Freiburg, ein. Beginn ist um 19 Uhr. Zu Gast im Öko-Institut ist der Vorstandsvorsitzende der Umwelt-Akademie und ehemalige Top-Manager Peter H. Grassmann. Er stellt sein neues Buch vor: „Burn Out - Wie wir eine aus den Fugen geratene Wirtschaft wieder ins Lot bringen“.

Im Gespräch mit Dr. Rainer Grießhammer, Mitglied der Geschäftsführung im Öko-Institut, präsentiert Grassmann seine Lösung für eine zukunftsfähige Marktwirtschaft. Denn nach seiner Einschätzung verlangt die Finanzkrise mehr als das Kurieren an Symptomen - der Autor will den Kapitalismus zähmen. Grassmanns Rezept gegen die Misere ist ein neuer Weg, der weder dem markt-radikalen Macho-Kapitalismus verfällt noch zur Staatsgläubigkeit führt - der Weg des gesellschaftlichen Dialogs. Er fordert die Mitbestimmung der Zivilgesellschaft in Unternehmen, nur durch verstärkte zivile Mitsprache können nach seiner Ansicht die Selbstheilungskräfte des erkrankten Systems gestärkt werden. Die Kraft des Dialogs bringe die Welt wieder in die Balance.

Peter H. Grassmann ist promovierter Physiker, er war Generaldirektor und Vorstandsmitglied bei der Siemens AG und Sprecher des Vorstands bei Carl Zeiss Oberkochen und Jena.

Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem oekom verlag statt. cr

info: Christiane Rathmann | www.oeko.de/dialog

Nanotechnologien: Chance für die Nachhaltigkeit?

In zahlreichen Projekten hat das Öko-Institut dazu beigetragen, eine gute Basis für eine nachhaltige Nutzung der Nanotechnologien zu schaffen. Die dabei entwickelten Methoden und Instrumente sind geeignet, neue Erfolgskonzepte für einen verantwortungsvollen Umgang mit nanotechnologischen Produkten und Verfahren zu erarbeiten. Wie das Öko-Institut die Partner aus Forschung, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft konkret an einen Tisch bringt, stellen wir in der nächsten Ausgabe von eco@work vor, die im Sommer erscheinen wird.

Zudem präsentieren wir unsere aktuellen Forschungsergebnisse und Positionen zu dem Thema.