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Nachhaltige Biomassennutzung: Ein schonender Umgang mit der endlichen Vielfalt

Biomasse umgibt uns im alltäglichen Leben. Man stößt tagtäglich auf sie, in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen. So gehören Nahrungsmittel genauso zur Biomasse wie zum Beispiel Papierprodukte, Biokunststoffe und Textilien. Auch die Bioenergie ist ein wichtiger Bestandteil der Biomasse, stellt sie doch 80 Prozent der weltweiten regenerativen Energien dar.

Der häufige Einsatz von Biomasse hat seinen Grund: Sie hat ein sehr großes Spektrum von Verwendungen und ist scheinbar unendlich verfügbar, weil sie nachwächst. Die vielseitigen Vorteile der Rohstoffe sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da auch die Liste der potentiellen Gefahren und Probleme lang ist. Angeführt durch Themen wie die Ernährungssicherung, die in starker Konkurrenz zur Bioenergieproduktion steht, jedoch immer Vorrang haben sollte. So sollte hinterfragt werden, wie und wo die Biomasse angebaut wurde, wann sie wirklich klima- und umweltfreundlich ist und welche Potentiale in Bezug auf Nachhaltigkeit in ihr stecken. Die Nachfrage nach Biomasse in ihren vielen Erscheinungsformen ist groß und steigt weiter. Jedoch trifft diese steigende Nachfrage auf einen endlichen Faktor: Die globalen Anbauflächen sind begrenzt.

In diesem Spannungsfeld von großer Nachfrage, begrenzten Anbauflächen, Ernährungssicherung, der Wahrung von Landnutzungsrechten, dem Klimaschutz, der Bewahrung der Biodiversität und dem Schutz von Böden und Wasser ist es notwendig, nachhaltige Lösungen für eine effiziente und klimafreundliche Produktion und Nutzung der Biomasse zu entwickeln. Dieser Aufgabe begegnet das Öko-Institut in Zusammenarbeit mit und im Auftrag für zahlreiche Partner.

Einfluss der Bioenergieproduktion auf Ressourceneffizienz in der EU

Der Frage nach möglichen negativen Auswirkungen der Biomasseproduktion in der EU und wie diesen begegnet werden kann, geht das Öko-Institut im aktuellen Projekt ReceBio (Study on Impacts on Resource Efficiency of Future EU Demand for Bioenergy) nach. Im Auftrag der Europäischen Kommission untersucht das Öko-Institut gemeinsam mit fünf Partnern, darunter das International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), welche Auswirkungen die europäische Bioenergieproduktion auf die Ressourceneffizienz hat.

Dabei wurde deutlich, dass die Intensivierung der Landnutzung sowie vor allem Landnutzungsänderungen negative Folgen im Hinblick auf Biodiversität, die biologische Vielfalt, nach sich ziehen. Dies geschieht häufig dann, wenn etwa Wälder gerodet werden, um Platz für Acker- oder Weideland zu schaffen. Auch kann Biomasseproduktion zu einer übermäßigen Nutzung von Wasserressourcen führen sowie zu dessen Verschmutzung zum Beispiel durch Pestizide. Ob die Biomasseproduktion das Klima durch Treibhausgasemissionen beeinflusst und wie, hängt stark davon ab, wie die Gesamtbilanz der Biomasse ausfällt. Um dies zu beurteilen müssen alle Schritte der Wertschöpfungskette bekannt sein.

Gegen den Welthunger - Verzicht auf Bioenergie

Weltweit hungern nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (Food and Agriculture Organization, FAO) rund 800 Mio. Menschen. In einer aktuellen Analyse für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie untersucht das Öko-Institut, auf wieviel Bioenergie reiche Industriestaaten verzichten müssten, um die Menge an Biomasse auszugleichen, die zur ausreichenden Ernährung fehlt. Der Zusammenhang ist einfach: Wird weniger Anbaufläche für den Anbau von Biomasse, die zur Produktion von Bioenergie genutzt wird, verwendet, steht mehr Fläche für den Anbau von Nahrung zur Verfügung.

Die Auswertung der Daten ergab, dass die Länder mit hohem Bruttoinlandsprodukt, ohne Berücksichtigung der Themen Nahrungszugang und –verteilung, ihren Verbrauch von Bioenergie rein rechnerisch um lediglich sieben Prozent reduzieren müssten, um den weltweiten Nahrungsmangel auszugleichen.

Ziel: Mehr Effizienz

Die deutliche Erhöhung der Effizienz ist ein wichtiger weiterer Schritt für eine nachhaltige Biomassennutzung. Zahlreiche Ansatzpunkte hierfür bietet die Herstellung: zum Beispiel durch Erschließen zusätzlicher Erntepotentiale und Erhöhung der Erträge, etwa durch eine verbesserte Fruchtfolge und ein optimiertes Flächenmanagement. Auch Nachernteverluste zu vermeiden spielt eine wichtige Rolle. Meistens verursacht durch schlechte Lager- und Transportbedingungen, führen sie dazu, dass es nur rund 50 Prozent der Lebensmittel bis zum Verbraucher schaffen. Neben integrierten politischen Strategien, die die Nahrungserzeugung und die Bioenergieproduktion simultan betrachten, braucht es auch deutlich mehr Ansätze für die Kopplung unterschiedlicher Biomassenutzungen, um Nebenprodukte effektiver zu nutzen. Dies ist eng verbunden mit der Kaskadennutzung, bei der die stoffliche vor der energetischen Verwertung steht; dies bedeutet, dass beispielsweise Holz zuerst für die Möbelproduktion und erst am Schluss zur Bioenergieproduktion verwendet wird.

Neben mehr Effizienz fordert das Öko-Institut aber auch mehr Moral; ist es doch eine ethische Frage, wie die Industriestaaten ihre Anbauflächen nutzen. Sie müssen unter Umständen, um Problemen wie dem Welthunger zu begegnen Abstriche bei den eigenen Zielen machen.

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Kontakt

Dr. Klaus Hennenberg
Öko-Institut e. V.
Büro Darmstadt
Tel: +49 6151 8191-177
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Katja Hünecke
Öko-Institut e.V.
Büro Darmstadt
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Dr. Hannes Böttcher
Öko-Institut
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Konkurrenzen in der Nutzung von Wäldern, Grünland und Äckern - Infografik des Öko-Instituts auf FlickR

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