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21.01.2015

Spenden Sie für „Standards für Bleihütten - Für eine starke Umweltbewegung in Afrika“

Knapp 31.500 Euro Spendengelder sind bislang für das aktuelle Spendenprojekt des Öko-Instituts eingegangen, das zusammen mit afrikanischen Umweltgruppen und wissenschaftlichen Instituten das Problem des unsachgemäßen Bleibatterierecycling aufgreift. Das Öko-Institut hatte im November 2014 einen Spendenaufruf für das Projekt „Standards für Bleihütten – Für eine starke Umweltbewegung in Afrika“ gestartet.

„Die bisher eingegangen Gelder ermöglichen es uns, in zwei afrikanischen Staaten - voraussichtlich werden das Äthiopien und Kamerun sein - aktiv zu werden“, erklärt Andreas Manhart, Leiter des Projektes. „Darüber hinaus haben wir gute Kontakte zu weiteren Gruppen, zum Beispiel in Nigeria und Tansania. Auch sie würden wir gerne für ein gemeinsames Projekt gewinnen und aktiv dabei unterstützen, die Bevölkerung und die Umwelt vor Vergiftungen mit Blei zu schützen. Um dies zu realisieren brauchen wir weitere Spenden. Deshalb bitten wir sie erneut, dieses Projekt zu unterstützen.“

Schirmherr Francis Norman

Der Musiker Francis Norman unterstützt das Projekt des Öko-Instituts als Schirmherr:

„Als Kulturschaffender in Deutschland mit einer besonderen Verbundenheit zu meiner zweiten Heimat in Westafrika liegt mir das Thema dieses Projektes sehr am Herzen – deshalb unterstütze ich es mit meiner Schirmherrschaft. Die Umweltbewegung in Afrika braucht aber auch Ihre Unterstützung in Form einer Spende.“

Ansprechpartnerin am Öko-Institut:

Andrea Droste
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: +49 761 45295-0
E-Mail: spendenprojekt@oeko.de

Fünf Fragen an Andreas Manhart (Beitrag aus dem Magazin „Restkultur“):

Blei auf Boden
Blei, wohin das Auge reicht. Mit schnell steigendem Verkehrsaufkommen fallen in afrikanischen Ländern große Mengen an Altbatterien an.

Das Öko-Institut macht sich dafür stark, das Recycling von Blei aus ausgedienten Autobatterien in afrikanischen Ländern zu verbessern und ruft zu einer Spendenaktion auf. Warum steht ausgerechnet dieses Thema im Fokus?
Manhart: In Entwicklungs- und Schwellenländern werden Bleibatterien oft ohne jegliche Schutzmaßnahmen für Mensch und Umwelt recycelt. Dabei ist sowohl die darin enthaltene Säure als auch das Blei hochgiftig. Die Profite der beteiligten Unternehmen gehen ganz klar auf Kosten der Arbeiter und Anwohner. Selbst ein anfangs gesunder Mensch kann eine Arbeit in einer solchen Bleihütte nicht lange durchhalten. Außerdem erhalten die Menschen dort nicht einmal Arbeitskleidung, sodass die Arbeiter den giftigen Bleistaub mit ihrer Kleidung in die Häuser und zu den Familien tragen.Das US-amerikanische Blacksmith Institute betrachtet das unsachgemäße Recyceln von Autobatterien als die weltweit schlimmste verschmutzende industrielle Tätigkeit.

undichte Batterien
Hier lagern jede Menge undichte Batterien auf blankem Boden und sind der Witterung ausgesetzt

Mit welchen afrikanischen Umweltschutzorganisationen arbeiten Sie zusammen?
Manhart: Wir sind derzeit mit Umweltgruppen in verschiedenen Ländern im Gespräch, unter anderem in Tansania, Äthiopien, Kamerun, Nigeria und Ghana. Dabei wollen wir besonders solche Organisationen unterstützen, die stark zivilgesellschaftlich verankert sind und unabhängig agieren. In Äthiopien ist dies z.B. die Organisation PAN Ethiopia, mit der wir in einem anderen Zusammenhang schon länger vertrauensvoll und sehr erfolgreich kooperieren.  Am liebsten würden wir mit Gruppen in allen diesen Ländern zusammen arbeiten. Aber das hängt auch davon ab, wie viele Spenden uns dafür zur Verfügung gestellt werden.

Schutzbekleidung
Die spärliche Schutzausrüstung wurde erst kurz vor der Aufnahme angelegt

Wie sieht die konkrete Hilfe vor Ort genau aus, die durch die Spenden ermöglicht wird?
Manhart: Wir wollen das Thema zusammen mit unseren Partnern in Afrika angehen. Das bedeutet, dass unsere Partner das lokale Wissen einbringen werden. Welche Bleihütten gibt es vor Ort? Von wem werden sie betrieben? Und welche negativen Auswirkungen haben diese? Wir werden die Umweltgruppen vor Ort mit Materialien unterstützen, die ihnen die inhaltliche Arbeit erleichtern sollen. Zum Beispiel, wie man Missstände eindeutig identifizieren kann und mit welchen Maßnahmen sie verhindert werden können. Unsere Partner sind ebenso gefragt, wenn es um die Erzeugung von Handlungsdruck vor Ort geht – sei es durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder durch das direkte Gespräch mit Industrie- und Regierungsvertretern. Natürlich bedeutet dies auch, dass wir ihnen für all diese Aktivitäten finanziell unter die Arme greifen müssen. Dafür wollen wir einen großen Teil der Spenden aufwenden. Zahlen darüber wie hoch dieser Anteil ist, werden natürlich transparent offen gelegt.

giftige Dämpfe
Arbeiter tragen den giftigen Bleistaub mit ihrer Kleidung in die Häuser und zu den Familien.

Welche Gefahren gehen vom unsachgemäßen Bleirecycling für die Mitarbeiter der Bleihütte, aber auch für die Bevölkerung aus?
Manhart: Blei ist hochtoxisch und reichert sich im menschlichen Körper an. Besonders problematisch ist Bleistaub, da er leicht über die Atemluft und die Nahrung in den Körper aufgenommen wird. Und bei unsachgemäßen Betrieb setzen Bleihütten große Mengen an Bleistaub frei. Wir haben in Ghana eine Anlage besichtigt, in dessen Umgebung lag der Bleistaub fingerdick – und die Arbeiter mussten inmitten dieser Staublandschaft mit bloßen Händen ihr Mittagessen einnehmen. Wenn diese Arbeiter mit staubiger Kleidung am Abend heimkommen, dann kontaminieren sie – ohne es selbst zu wissen – ihr gesamtes Wohnumfeld. Kinder sind am stärksten betroffen, denn ihr Organismus reagiert besonders stark auf Blei. Unter anderem kommt es zu massiven und bleibenden Fehlbildungen des Gehirns.

bleistaub
Nach Recherchen des Öko-Instituts gibt es in Afrika südlich der Sahara mindestens 30 Bleihütten

Sind denn bestimmte Länder in besonderer Weise betroffen? Manhart: Nach unseren Recherchen gibt es in afrikanischen Ländern derzeit mindestens 30 Schmelzhütten, die im großen Stil auf das Recycling von Autobatterien spezialisiert sind, u.a. im Senegal, in Ghana, Nigeria, Kamerun, Äthiopien, Kenia, Tansania, Mosambik und Angola. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl an Firmen und Hinterhofbetrieben, die Batterien aufschlagen, die Säure abgießen und zum Teil auch über dem offenen Feuer einschmelzen. Über die länderspezifischen Situationen haben wir im Einzelnen aber (noch) keinen Überblick.

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