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Klimaschutz im Gebäudesektor

Schlecht isolierte Häuser und veraltete Heizungssysteme tragen heute noch zu einer hohen Klimawirkung des Gebäudesektors bei. Rund 35 Prozent des Endenergiebedarfs Deutschlands fielen in 2012 auf die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser in Wohn- und Nichtwohngebäuden. Das soll sich ändern, bis 2050, so das Ziel der Bundesregierung, sollen Deutschlands Gebäude nur noch einen sehr geringen Energiebedarf aufweisen und der verbleibende Energiebedarf überwiegend durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Dazu müssen im Wesentlichen bei den heute schon bestehenden Gebäuden der Energiebedarf für Heizen und Kühlen gesenkt werden und verstärkt erneuerbare Energieträger eingesetzt werden. Einen großen Beitrag kann zudem ein verändertes Nutzerverhalten leisten.

Die EU hat ihre Mitgliedsstaaten zu einer höheren Energieeffizienz im Gebäudesektor verpflichtet. Gemäß der EU-Gebäuderichtlinie EPBD (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD), die durch die Energieeinsparverordnung in Deutschland in nationales Recht umgesetzt wurde, müssen ab 2021 sämtliche Neubauten in den EU-Mitgliedsstaaten sogenannte Niedrigstenergiehäuser sein. Auch bei den bestehenden Gebäuden soll deren Anzahl erhöht werden. Die EU-Energieeffizienzrichtlinie verpflichtet zudem die Mitgliedstaaten, eine langfristige Strategie für mehr Investitionen in Gebäudesanierungen zu entwickeln.

Das Öko-Institut arbeitet in verschiedenen Projekten daran, wirksame Klimaschutzmaßnahmen für den Gebäudesektor Deutschland- und EU-weit zu entwickeln.

Entranze: Mehr Gebäudeeffizienz in der EU

Ziel des im September 2014 abgeschlossenen EU-weiten Projekts ‚Entranze‘ war es, politische Entscheidungsträger aktiv bei der Entwicklung von Politikinstrumenten für mehr Gebäudeeffizienz zu unterstützen. Das Konsortium aus zehn Forschungseinrichtungen, darunter das Öko-Institut, hat eine umfassende Analyse des europäischen Gebäudebestands durchgeführt, das Verhalten von Eigentümern und die Akzeptanz verschiedener Technologien untersucht sowie kostenoptimale Sanierungstechnologien ermittelt. Auf dieser Basis wurde die Wirkung von Instrumenten für die Gebäudesanierung für neun EU Länder und die EU gesamt bis zum Jahr 2030 abgeschätzt und Politikempfehlungen für die EU-Mitgliedsstaaten und die EU erarbeitet. Eines der herausragenden Elemente des Projektes war die intensive Kommunikation mit politischen Entscheidungsträgern und Experten in jedem der beteiligten Mitgliedsstaaten. Die Projektergebnisse, Tools und Berichte sind wertvolle Werkzeuge für Entscheidungsträger in den EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission und helfen, den energetischen Zustand des Gebäudebestands zu verbessern.

Weitere Informationen zum Projekt Entranze gibt es auf der Projektwebseite und in der Pressemitteilung „Entranze unterstützt EU-Politik bei Gebäudeeffizienz“ des Öko-Instituts (Dezember 2014)

Rechtliche Möglichkeiten für mehr Gebäudeeffizienz in Deutschland

In einer im Mai 2013 abgeschlossenen Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, welche rechtlich tragfähigen und zugleich wirkungsvollen Instrumente Hauseigentümer dazu bewegen, ihre Gebäude zu sanieren und welche rechtlichen Hemmnisse dabei im Wege stehen. Zu den möglichen Maßnahmen, die ohne zusätzliche Belastung der allgemeinen öffentlichen Haushalte möglich sein sollten, zählen neben anderen: Die Einführung einer Klimaschutzabgabe, die von Hauseigentümern je nach energetischem Zustand ihres Hauses abzuführen wäre, oder die Anhebung der Energiesteuersätze für fossile Brennstoffe als mögliche Gegenfinanzierung für die bestehenden KfW-Förderprogramme. Darüber hinaus, so das Ergebnis der Studie, könnten Architekten und Ingenieure einen gesetzlich vorgeschriebenen Bonus für die Steigerung der Energieeffizienz erhalten.

Weitere Ergebnisse und detaillierte Informationen in der Studie „Konzepte für die Beseitigung rechtlicher Hemmnisse im Gebäudesektor“

Verhaltensabhängige Energiesparpotentiale in Wohngebäuden in Deutschland

In einem aktuell laufenden Projekt des Öko-Instituts steht die Frage im Vordergrund, wie viel Energie private Haushalte in verschiedenen Bereichen – neben dem Wohnen sind das zum Beispiel auch Mobilität und Ernährung – durch bestimmte verhaltensabhängige Maßnahmen einsparen könnten. Denn durch eine Änderung des Verhaltens, zum Beispiel durch die Nutzung kleinerer Wohnungen, weniger Heizen und kürzeres Duschen, kann jeder einzelne dazu beitragen, den Gebäudeenergieverbrauch zu senken. Im Rahmen des Projektes werden neben den Einsparmöglichkeiten politische Instrumente untersucht, die dazu beitragen können, das Verhalten der Nutzer zu ändern.

Link zur Kurzbeschreibung des Projektes auf der Webseite des Öko-Instituts

Mehr Anreiz von der Politik

Um das 20-20-20 Ziel (20 Prozent weniger Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2005, 20 Prozent erneuerbare Energien, 20 Prozent mehr Energieeffizienz – bis 2020) der EU zu erreichen, kommt den einzelnen Staaten eine wichtige Rolle als Regulierer zu teil. Sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene reichen nach Ansicht des Öko-Instituts die bisherigen Anstrengungen noch nicht aus, um die energetische Qualität der Gebäude wirklich signifikant zu verbessern.

Um die Anzahl von Gebäudesanierungen zu erhöhen, deren Qualität zu verbessern und mehr erneuerbare Energien im Gebäudesektor einzusetzen, bedarf es ambitionierter und zielorientierter Strategien. Ein Schwerpunkt sollte auf der Transformation des vorhandenen Gebäudebestandes liegen, eine Fokussierung auf den Neubau ist nicht ausreichend. Wesentliche Voraussetzung ist die Definition verbindlicher und ambitionierter Langfristziele bis 2050 sowie die Ausweisung von Zwischenzielen für die Emissionsreduktion des Gebäudesektors. Die Strategien sollten umfassende, zielgruppenspezifische Maßnahmenpakete enthalten, deren Umsetzung und Zielerreichung regelmäßig geprüft wird.

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Ansprechpartner/-in:

Dr. Veit Bürger
Bereich Energie & Klimaschutz
Öko-Institut, Geschäftsstelle Freiburg
v.buerger@oeko.de

Tanja Kenkmann
Bereich Energie & Klimaschutz
Öko-Institut, Geschäftsstelle Freiburg
t.kenkmann@oeko.de

Dr. Tilman Hesse
Bereich Energie & Klimaschutz
Öko-Institut, Geschäftsstelle Freiburg
t.hesse@oeko.de