Daniel Bleher
Öko-Institut e. V.
Büro Darmstadt
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Sportgroßveranstaltungen wie die Olympischen Spiele oder Fußballweltmeisterschaften sind stets von globaler Bedeutung, sowohl für die Spieler als auch für die Fans.
Spätestens seit der FIFA Fußball-WM 2006TM in Deutschland wissen wir, wie ein solches Sportereignis große Teile der Gesellschaft in ihren Bann ziehen kann. Die Begeisterung für ein gemeinsames Ziel bringt die Menschen zusammen und setzt positive Emotionen frei.
Mehr Verkehr
Gleichzeitig verursachen große Sportveranstaltungen auch erhebliche Umweltbelastungen. Bei einem internationalen Wettbewerb reisen Mannschaften und Betreuerstäbe aus der ganzen Welt zum Veranstaltungsort an. Ebenso Journalisten, Offizielle und nicht zuletzt die Fans.
Sie alle legen weite Strecken im Flugzeug, Bus, Bahn oder Auto zurück, um im Stadion live dabei zu sein. Dadurch wird der Ausstoß großer Mengen CO2 verursacht. Bei einer Veranstaltung, die an unterschiedlichen Spielorten ausgetragen wird, kommt außerdem ein bedeutender Anteil an Mobilität vor Ort hinzu, also Wege zu und zwischen den Spielorten.
Große Bauprojekte
Umweltbelastungen entstehen aber nicht nur durch verkehrsbedingte Treibhausgasemissionen. Auch der Bau von Wettkampfstätten benötigt enorme Mengen an Baumaterialien wie Stahl und Beton aber auch Glas und Kunststoffmembranen. Bei Natursportarten, also bei Sportarten, die nicht im Stadion stattfinden, gilt es, Eingriffe in sensible Freiräume zu vermeiden.
Mehr Abfall, Energie- und Wasserbedarf
Auch bei der Durchführung der Veranstaltungen treten weitere Umweltbelastungen auf. Wenn 50.000 Zuschauer im Stadion während des Spiels eine Bratwurst samt Bier verzehren, entstehen in der Summe respektable Abfallberge.
Hinzu kommt ein hoher Energieverbrauch, unter anderem für Beleuchtung und Klimatisierung. Spielfelder werden beregnet und an jedem Veranstaltungstag werden mehrere Hundert Kubikmeter Wasser für Sanitäreinrichtungen benötigt.
Green Goal der FIFA Frauen-Fußballweltmeisterschaft 2011
Für die FIFA Fußball-WM 2006TM wurde erstmals ein Umweltkonzept mit dem Ziel erstellt, negative Umwelteinflüsse möglichst gering zu halten. Das Öko-Institut hat dabei den Deutschen Fußball Bund (DFB) bei der Konzeptentwicklung und Umsetzung beraten. Das Umweltprogramm mit dem Namen Green Goal stellte ein Novum im Fußballbereich dar und erfuhr weltweit großes Interesse und Zuspruch.
Im Jahr 2011 findet in Deutschland die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft statt. Der DFB hat dafür erneut das Öko-Institut mit der Erstellung und Umsetzung eines Umweltkonzepts beauftragt. Seit Sommer 2010 läuft das Projekt Green Goal 2011.
Einführung eines Umweltmanagementsystems
Zunächst wurde der Ist-Stand in allen neun WM-Stadien analysiert, um gemeinsam mit den Stadionbetreibern die Umsetzung umweltfreundlicher Maßnahmen zu erzielen. Hierzu gehören die Einführung eines Umweltmanagementsystems, der Einsatz von grünem Strom, Energiesparlampen oder die Installation wasserarmer Sanitärarmaturen.
Eine besondere Herausforderung dabei ist, die typische Nutzungsstruktur eines Fußballstadions mit Spitzenlasten an Spieltagen und relativen Ruhephasen dazwischen zu berücksichtigen. Wichtig für die WissenschaftlerInnen des Öko-Instituts ist es, Maßnahmen des Umweltkonzepts nicht nur den Stadien zuzuschreiben, sondern möglichst alle Beteiligten der Veranstaltung mit einzubeziehen.
Aufgrund der hohen Bedeutung des Verkehrs ist es sehr wichtig den einzelnen Zuschauer zu erreichen und von der Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel zu überzeugen.
Kompensation von nicht vermeidbaren CO2-Emissionen
Erklärtes Ziel des WM-Organisationskomitees ist die Durchführung einer klimafairen Frauen-WM. Das bedeutet, dass alle im Rahmen der WM entstehenden, nicht vermeidbaren CO2-Emissionen an anderer Stelle kompensiert werden.
Die Umsetzung von Maßnahmen in den Stadien, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die Klimakompensation unter Einhaltung höchster Standards gehören bei Green Goal 2011 zu den wichtigsten Aufgaben.
Sport UND Umweltschutz Beides ist möglich!
Das Engagement des Öko-Institut, Umweltschutzbelange bei Sportgroßveranstaltungen zu berücksichtigen, erweist sich als großer Erfolg. Umweltprogramme wie Green Goal sensibilisieren immer mehr Organisatoren und zunehmend auch die Zuschauer und die Sponsoren für die Umweltauswirkungen von Sportveranstaltungen.
Deutschland setzt im internationalen Vergleich bereits hohe Anforderungen. Nun gilt es, dass zum einen diese Anforderungen auch bei der Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen im Ausland berücksichtigt werden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den internationalen Sportverbänden zu.
Nachholbedarf beim Breitensport
Zum anderen müssen die Erfahrungen, die bei Sportgroßveranstaltungen gesammelt wurden, vom Profi - in den Breitensport übertragen werden. Sportveranstaltungen tragen dazu bei, Menschen friedlich zusammen zu bringen und für eine gemeinsame Sache zu begeistern. Dies darf aber nicht zu Lasten der Umwelt geschehen. Gleichzeitig bringt der Sport den Menschen Spaß.
Ein Umweltkonzept, dass den Menschen diese Freude nimmt und zu sehr auf Verbote und Vorschriften setzt, wird keine Akzeptanz finden. In diesem Spannungsfeld liegen die Chancen aber auch Herausforderungen im Themenschwerpunkt Sport und Umwelt des Öko-Instituts.
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