Dr. Klaus Hennenberg
Öko-Institut e. V.
Büro Darmstadt
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Nachwachsende Rohstoffe können einen wichtigen Beitrag zur globalen Energiesicherheit und Ressourceneffizienz leisten. Da jedoch die Anbauflächen begrenzt sind und Biomasse auch als Nahrungs- und Futtermittel, Chemierohstoff und Energieträger genutzt wird, kann es zu Konkurrenzen in der Nutzung kommen.
Zentrale Fragen sind neben Ernährungssicherheit und Landnutzungsrechten die Auswirkungen des Biomasseanbaus auf Klima, Biodiversität, Böden und Wasser. In diesem Spannungsfeld sind die Potenziale zu erforschen und nachhaltig zu erschließen.
Biomasse in Deutschland
In Deutschland kann Bioenergie (ohne Importe) nachhaltig bis zu 15 Prozent des Primärenergiebedarfs abdecken, wenn parallel die stoffliche Verwertung ansteigt und ein Drittel der Nahrungsmittel aus Ökolandbau stammen. Derzeit wird im Wesentlichen Biogas aus Pflanzen und Gülle zur Stromerzeugung und Holz zur Wärmeproduktion genutzt.
Bei Kraftstoffen dominieren Biodiesel aus Raps sowie Ethanol aus Getreide. Stofflich werden nachwachsende Rohstoffe in Baustoffen, Chemieprodukten, Papier/Pappe und Textilien verwertet. Und wir essen sie auch indirekt über Futtermittel zur Fleisch- und Milchproduktion.
Biomasse in der EU
In der EU beträgt das nachhaltige Bioenergiepotenzial gut 20 Prozent des Energieverbrauchs. Durch Agrarpolitik, Ertragsentwicklungen und Nachfragetrends ist ein Rückgang der Flächen für Nahrungsmittel zu erwarten, selbst wenn extensive Landwirtschaft und Ökolandbau ansteigen.
Bei steigender Nachfrage und hohen Ölpreisen werden Biomasseimporte aus Osteuropa, Lateinamerika, Südostasien und Afrika attraktiv. Beispiele sind Palmöl aus Indonesien und Ethanol aus brasilianischem Zuckerrohr.
Öko-Institut entwickelt Standards für den internationalen Handel
Viele Länder wollen verstärkt Bioenergie nutzen, auch Deutschland und andere in der EU. Dafür soll die Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Mais, Palmöl, oder Raps deutlich erhöht werden.
Dies kann aber in Konflikt stehen mit Nachhaltigkeitszielen etwa dann, wenn durch den Anbau von Energiepflanzen Anbauflächen für Nahrungsmittel verdrängt oder ökologisch wertvolle Wälder und Moore umgewandelt werden.
Welche Anforderungen muss Biomasse erfüllen, damit sie nachhaltig ist?
Und wie wird die Einhaltung dieser Kriterien auf nationaler, europäischer und globaler Ebene gewährleistet? Zur Beantwortung dieser Fragen führte das Öko-Institut im Auftrag des Umweltbundesamts und in Kooperation mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) das Vorhaben Bio-global: Entwicklung von Strategien und Nachhaltigkeitsstandards zur Zertifizierung von Biomasse für den internationalen Handel durch.
Im Rahmen des vom Umweltministerium finanziell geförderten Projekts wurden Diskussionen mit nicht nur staatlichen Akteuren und Experten aus über 20 Ländern geführt, internationale Netzwerke auf- und ausgebaut und politische Entscheider beraten.
Unter anderem wurde erörtert, wie bei der Berechnung der Treibhausgasbilanz von Biomasse mögliche Klimagasemissionen durch direkte und indirekte Landnutzungsänderungen berücksichtigt werden können.
Um die Bedrohung der Biodiversität durch den Anbau von Energiepflanzen einzuschränken, wurde eine weltweit anwendbare Risikominimierungsstrategie entwickelt und in den drei Partnerländern Brasilien, China und Südafrika am Beispiel degradierter Flächen erprobt.
Zudem wurden Anforderungskataloge erarbeitet, die gewährleisten sollen, dass Biomasseerzeugung nicht zu Wasserverknappung oder einer Beeinträchtigung der Wasserqualität führt.
Bioenergie? Ja, aber richtig!
Zahlreiche Ergebnisse unserer Arbeit wurden in Gesetzes- und Normungsprozessen umgesetzt, zum Beispiel in die deutschen Nachhaltigkeitsverordnungen für Bioenergie, die EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie und die Global Bioenergy Partnership.
Künftig verfolgend wir insbesondere zwei strategische Ziele:
Weitere Informationen
What would it take to unlock the full potential of biofuels?
A contribution by Uwe R. Fritsche to the Comment:Visions online discussion, November 2010
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