Anders mobil sein – welche Zukunft hat das Carsharing?

Das Verkehrswachstum hält seit Jahren an, sodass dieser Sektor heute für rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich ist. Zentrale Bausteine im Rahmen von heutigen Klimaschutzstrategien beziehen sich meist ausschließlich auf alternative Technologien: Die Fahrzeuge werden effizienter, alternative Antriebe und Kraftstoffe werden weiterentwickelt. Die wesentliche Frage dabei ist aber: Stehen alternative Antriebstechnologien und ausreichende Mengen an nachhaltigen erneuerbaren Kraftstoffen zukünftig auch wirklich zur Verfügung?

Angesichts dieser Unsicherheiten stellt eine ausschließliche Fokussierung auf den Markterfolg alternativer Technologien eine riskante Klimaschutzstrategie dar. 1901 sagt Gottfried Daimler: „Die weltweite Nachfrage nach KFZ wird eine Million nicht überschreiten – alleine schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.“ Die Entwicklung seither zeigt: Das Mobilitätsverhalten kann sich ändern, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern.

Dabei stellen Technologie und Verhalten keine Gegensätze dar, sondern beeinflussen sich gegenseitig: Neue Mobilitätsdienstleistungen wie Car- und Ridesharing werden gerade durch moderne Informations- und Telekommunikationsgeräte wie Smartphones attraktiver und stellen einen vielversprechenden Einsatzbereich für Elektromobilität dar. Für mehr Klimaschutz im Verkehr braucht es deshalb neben alternativen Technologien auch ein Wandel im Mobilitätsverhalten. Daher beschäftigt sich das Öko-Institut intensiv mit alternativen Mobilitätskonzepten wie beispielsweise dem Carsharing.

Share – Forschung zum neuen Carsharing

Wie umweltfreundlich sind flexible Carsharing-Konzepte mit Elektrofahrzeugen im Vergleich zu denen mit konventionellen Pkw? Wer nimmt die Fahrzeuge in Anspruch, wie werden sie genutzt und wie zukunftsfähig sind flexible (Elektro-)Carsharing-Konzepte? Diese Fragen untersuchen das Öko-Institut und das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) im Rahmen des Projektes „share“ am Beispiel des flexiblen Carsharing-Angebots von car2go.

Im Fokus des Projekts im Auftrag des Bundesumweltministeriums stehen die Fragen, wie Nutzerinnen und Nutzer des flexiblen Carsharings ihr Mobilitätsverhalten ändern und welche Umweltauswirkungen dies hat. Darüber hinaus ermitteln die Forscherinnen und Forscher, wie attraktiv und akzeptiert das Konzept bei seinen Nutzern ist. In Köln betreibt car2go eine konventionelle und in Stuttgart eine elektrische Fahrzeugflotte.

Kernbestandteil des Vorhabens ist die mehrmalige Befragung von jeweils 2.000 car2go-Nutzern an den Standorten Köln und Stuttgart innerhalb eines Zeitraums von etwa zweieinhalb Jahren. Zusätzlich wird an beiden Standorten eine Kontrollgruppe befragt, die kein flexibles Carsharing nutzt. Die Forscherinnen und Forscher fragen nach den Einstellungen und Lebensstilen der car2go-Nutzer sowie nach deren Verkehrsverhalten wie beispielweise der Verkehrsmittelwahl vor und während der car2go-Nutzung. So können Carsharing-affine Nutzergruppen bestimmt werden.

Im zweiten Schritt gleichen die Expertinnen und Experten die Befragungsergebnisse mit repräsentativen Daten zum Mobilitätsverhalten ab. So leiten sie Nutzungspotenziale für flexible Carsharing-Angebote in Deutschland ab und zeigen mögliche Entwicklungen auf. Dabei arbeiten sie die Unterschiede zwischen der Nutzung von konventionellen und elektrischen Pkw heraus.

Auf Grundlage der beobachteten Veränderungen im Mobilitätsverhalten bestimmen sie schließlich die Umwelteffekte für car2go in Stuttgart und Köln. Die Gesamtbetrachtung ermöglicht es schließlich, den Klimaschutzbeitrag (also die CO2-Bilanz) bei einer Verbreitung entsprechender Mobilitätsangebote in ganz Deutschland auf Grundlage der entwickelten Szenarien zu berechnen.

Vorteile von Carsharing in Zukunft ausbauen

Der wesentliche Umweltvorteil von Carsharing ist, dass das gemeinsame Nutzen möglicherweise dazu führt, dass weniger Personen in den eigenen Pkw steigen und bei gut ausgebauten Carsharing- Systemen in Kooperation mit anderen Mobilitätsdienstleistungen sogar die Nutzung der Pkw insgesamt abnimmt. Dies verbessert die Luftqualität und reduziert die Lärmbelastung. Es werden weniger CO2-Emissionen erzeugt und Parkraum kann zu qualitativem Lebensraum umgewidmet werden.

Damit so die Lebensqualität in Innenstädten verbessert und gleichzeitig ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann, braucht es weitere Forschungsarbeiten aber auch Praxisbeispiele in den Städten. Carsharing-Angebote müssen sinnvoll mit dem öffentlichen Verkehr verknüpft, aber auch in Konzepte für den Fahrrad- und Fußverkehr eingebettet werden. Um multimodales Verkehrsverhalten zu fördern, müssen in den kommenden Jahren neue Verkehrskonzepte und Informationsplattformen vor allem in Städten entwickelt werden.