IT und Telekommunikation – Potenziale für den Umweltschutz

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind heute die Grundlage für zahlreiche Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Der Kauf im Internet, die elektronische Bereitstellung und Sicherung von Daten oder die Steuerung ganzer Betriebsabläufe – Computer, Internet, mobile Kommunikation sind alltäglich geworden.

Aus Umweltgesichtspunkten bleiben IKT jedoch vielfach ambivalent: Viele Anwendungen, wie beispielsweise die intelligente Steuerung der Stromnetze – den sogenannten Smart Grids, oder die Vernetzung verschiedener Mobilitätsoptionen, können zur Einsparung von Treibhausgasemissionen führen und damit zur Entlastung der Umwelt beitragen.

Auf der anderen Seite sind die Herstellung, Nutzung und Entsorgung von IKT zum Teil mit erheblichen negativen Umweltauswirkungen verbunden. Die Produkte werden zum größten Teil im asiatischen Raum mit einem hohen Energie- und Umweltaufwand hergestellt. Was die Nutzung der IKT in Deutschland angeht, so betrug der IKT-bedingte Stromverbrauch im Jahr 2007 rund 55 Terawattstunden und damit 10,5 Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs. Die weltweiten CO2-Emissionen der IKT haben mit rund zwei Prozent bereits das Niveau der Emissionen aus dem Flugverkehr erreicht. Nach Expertenschätzungen wird der IKT-bedingte Stromverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2020 um mehr als 20 Prozent steigen.

Auch der hohe Einsatz von zum Teil seltenen Ressourcen schlägt negativ zu Buche: Kobalt, Neodym, Tantal, Silber, Gold – viele dieser Rohstoffe werden heute unter gefährlichen Bedingungen, häufig in Ländern ohne geeignete Sozial- und Umweltschutzstandards, abgebaut. Gleichzeitig sind extreme Umweltbelastung beim unsachgemäßen Recycling und Entsorgung, vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern sowie bedeutende globale Rohstoffverluste beim Recycling, auch in den modernen Industriestandorten wie Deutschland an der Tagesordnung.

Der Blick aufs Ganze – der Ansatz des Öko-Instituts

Das Öko-Institut arbeitet zu verschiedenen Aspekten, um die Umweltauswirkungen von Informations- und Kommunikationstechnologien ganzheitlich zu analysieren. Chancen und Risiken frühzeitig identifizieren, den gesamten Lebenszyklus von der Ressourcengewinnung bis zum Recycling im Blick behalten sowie Politik, Wirtschaft und Verbraucherinnen und Verbraucher integer, praxisnah und lösungsorientiert beraten, sind erklärte Ziele der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Einige Projekte im Arbeitsfeld Nachhaltige Informations- und Telekommunikationstechnologie stellen wir nachfolgend vor.

Nachhaltige IKT-Politik in der EU fördern

Stromeinsparung, Recycling, Schadstoffreduktion – die Möglichkeiten, die Umwelt im Bereich IKT zu entlasten sind groß. Insbesondere bei der Verbesserung der Ressourcen- und Energieeffizienz bestehen hohe Potenziale. Es bestehen erhebliche Potenziale, den Herstellungsaufwand zu reduzieren, weitere Stromeinsparungen bei der Nutzung zu erzielen sowie seltene Rohstoffe unter sachgerechten Bedingungen zurückzugewinnen. Ein aus ökologischen Gesichtspunkten optimales Produkt-Design, der Ersatz kritischer Metalle, Harmonisierung der methodologischen Grundlage zur Ermittlung der lebenszyklusbezogenen Treibhausgasemissionen sowie Maßnahmen zur Verlängerung der Lebensdauer der Produkte und Sicherstellung sozialer und ökologischer Standards bei der Primärgewinnung der Materialien müssen besser geregelt werden.

Für alle diese Bereiche braucht es Regulierung und Anreize von Seiten der Politik – entsprechende Ideen und Strategien entwickelt das Öko-Institut. Die Expertinnen und Experten haben dabei stets die heute stark globalisierten Prozesse im Blick, die nur im Verbund mit internationalen Partnern bzw. durch Vorgaben auf EU-Ebene oder in internationalen Abkommen verbessert werden können. So berät das Öko-Institut seit vielen Jahren die Europäische Kommission und die europäischen Umwelt- und Verbraucherverbände bei der Durchführung der Ökodesign-Richtlinie, die die ökologischen Mindeststandards für energierelevante Produkte festlegt.

Grundlagen für eine „grüne“ IKT-Politik

Den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen in der IT zu senken und damit zum Umwelt- und Klimaschutz beizutragen ist erklärtes Ziel der Europäischen Kommission. In deren Auftrag identifiziert und prüft deshalb das Öko-Institut gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin erfolgversprechende Methoden und Standards, um die Treibhausgas- und Energiebilanz von IT- und Telekommunikationsprodukten und Diensten zu bestimmen. Damit leistet das Institut einen Beitrag auf globaler Ebene, um die methodischen Grundlagen zur Ermittlung des Energieverbrauchs sowie der Treibhausgasemissionen der IKT-Produkte und Dienstleistungen künftig zu harmonisieren.

„Study on the practical application of the new framework methodology for measuring the environmental impact of ICT – cost/benefit analysis (SMART 2012/0064)” auf den Seiten der EU-Kommission

Obsoleszenz: Strategien gegen den Wegwerf-Wahn

Elektro- und Elektronikgeräte werden heute in immer kürzeren Abständen genutzt und entsprechend häufig entsorgt. Das so entstehende Abfallaufkommen – insbesondere an Smartphones, Digitalkameras und Notebooks – ist deshalb in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Außerdem müssen immer mehr Rohstoffe, unter anderem seltene Metalle, primär abgebaut werden, um die neuen Geräte herzustellen. Unter dem Stichwort „Obsoleszenz“ diskutieren Fachkreise und die Öffentlichkeit die verkürzte Lebensdauer der Elektro- und Elektronikgeräte. Welchen Einfluss dies auf die Umwelt und den Ressourcenverbrauch hat und welche politische und technische Möglichkeiten gibt es, die Lebensdauer der Geräte zu verlängern, untersucht jetzt eine neue Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes. Ziel ist es die Datengrundlage zu den unterschiedlichen Ausprägungen von Obsoleszenz anhand konkreter Produktbeispiele wissenschaftlich aufzuarbeiten und damit zu stärken, um anschließend Empfehlungen für die politischen Entscheidungsträger zu formulieren.

Faktencheck Obsoleszenz: Mehr Waschmaschinen, Wäschetrockner und Kühlschränke innerhalb von 5 Jahren defekt – Verbraucher tauschen funktionierende Flachbildfernseher schneller aus - Gemeinsame Pressemitteilung von Umweltbundesamt und Öko-Institut e. V.

Zwischenbericht: Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen „Obsoleszenz“ - Analyse der Entwicklung der Lebens-, Nutzungs- und Verweildauer von ausgewählten Produktgruppen

Endbericht: Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen „Obsoleszenz“

Energie- und Ressourceneffizienz bei Tablet-PCs, Smartphones & Co.

Zahlreiche Geräte der Unterhaltungselektronik zeichnen sich heute durch eine Vielzahl miteinander verbundener Funktionen aus. Telefonieren, Videos sehen, Musik hören – ob und wenn ja in welchem Umfang die sogenannte Produktkonvergenz tatsächlich zu Energieeinsparungen und einem verminderten Ressourceneinsatz führt, untersucht das Öko-Institut in einem aktuellen Projekt. Im Auftrag des Umweltbundesamtes sollen eventuelle Energieeffizienzpotenziale ermittelt, Risiken für sogenannte Reboundeffekte geprüft, Empfehlungen für Verbraucherinnen und Verbraucher abgeleitet und Beratungsangebote für die Politik zur Weiterentwicklung der Ökodesign-Richtlinie erarbeitet werden.

Informationen zum Projekt „Ermittlung und Erschließung des Energie- und Ressourceneffizienzpotenzials von Geräten der Unterhaltungselektronik“

Umweltauswirkungen bei der Herstellung von IKT-Produkten verringern

Im Auftrag des Umweltbundesamtes gingen die Expertinnen und Experten der Frage nach, wann sich aus Gesamtsicht von Herstellung, Nutzung und Entsorgung der Austausch eines alten Notebooks durch ein neues, energieeffizienteres Gerät wirklich lohnt. Das Fazit: Der Umweltaufwand bei der Herstellung eines Notebooks ist so hoch, dass er sich auch durch eine erhöhte Energieeffizienz in der Nutzung nicht in realistischen Zeiträumen ausgleichen lässt. Nimmt man eine (unrealistische) Steigerung von 70 Prozent zwischen zwei Notebook-Generationen an, lohnt sich der Ersatz eines Altgeräts aus Umweltsicht erst nach 13 Jahren. Ist ein neuer Laptop zehn Prozent energieeffizienter, rechnet sich ein vorzeitiger Austausch sogar erst nach mehreren Jahrzehnten. Vor diesem Hintergrund hat das Öko-Institut in der Studie verschiedene Empfehlungen an die Politik aufgezeigt, mit welchen Maßnahmen die Lebens- und Nutzungsdauer von IKT-Produkten verlängert werden könnte.

Ergebnisse und politische Empfehlungen in der Studie „Zeitlich optimierter Ersatz eines Notebooks unter ökologischen Gesichtspunkten“ des Öko-Instituts und Fraunhofer IZM

Beratung für Unternehmen: ein ganzheitlicher Ansatz

Jenseits der Optimierung einzelner Produkte berät das Öko-Institut Unternehmen auch bei der nachhaltigen Gestaltung ganzer Produktportfolios. Ziel dabei ist es, ihnen Handlungsoptionen aufzuzeigen, mit denen sie die gesamte Produktpalette verbessern und unternehmensinterne Prozesse optimieren können. Damit steigern Unternehmen langfristig ihre Gesamtnachhaltigkeitsperformance.

Nachhaltige Produktgestaltung bei der Telekom

Für die Deutschen Telekom AG hat das Öko-Institut eine umfassende Nachhaltigkeitsmatrix erstellt. Sie ermöglicht es, sowohl Produkte als auch Dienstleistungen in punkto Nachhaltigkeit zu bewerten und daraus Schlüsse für deren weitere strategische Entwicklung zu ziehen. Im Detail analysiert wurden zum Beispiel der Dienst „Call & Surf“ oder ein Speedport Router für den WLAN-Zugang.

Die Matrix bezieht folgende Kriterien in die Nachhaltigkeitsbewertung ein: Nutzenaspekte für Kundinnen und Kunden; Produktaspekte wie Barrierefreiheit, Lebenszykluskosten oder klimaschonendes Design; unternehmensspezifische Kriterien wie etwa Fuhrpark, Produktion und Lieferkette; toxikologische Aspekte ebenso wie Kosten- und Innovationsfragen. Grundlage für die Sets aus 25 Kriterien und 59 genau definierten und messbaren Indikatoren waren die PROSA-Methode (Product Sustainability Assessment) des Öko-Instituts sowie der Sektor-Report „Telekommunikation“ der Global Reporting Initiative (GRI).

Weitere Informationen zur Nachhaltigkeitsmatrix im Jahresbericht des Öko-Instituts 2012 (PDF, Seite 12)

Unterstützung bei der Verbraucherinformation

Wer sich heute ein neues Smartphone oder einen Laptop zulegen will, steht vor einem vielfältigen Angebot und wählt nach verschiedensten Kriterien aus. Wer auf einen geringen Energieverbrauch, Schadstofffreiheit, Recyclingfähigkeit und andere umweltrelevante Eigenschaften Wert legt, findet beim Öko-Institut Informationen. So listet die Verbraucherplattform EcoTopTen Produkte, die aus Umweltsicht besonders hochwertig sind. Aus dem Themenfeld IKT finden sich Übersichten zu PCs und Notebook, Bildschirmen, Fernsehern und Druckern. Die Kriterien und Bewertungen der Produkte erarbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative, die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert wird.

Im Rahmen des Projektes „Top 100“ entwickelte das Öko-Institut die Vergabekriterien für das Umweltzeichen „Blauer Engel“ mit dem Zusatz „Schützt das Klima“ – unter anderem für IKT-Produkte. Praktische Einkaufshilfen für Computer, Tastaturen, externe Festplatten und viele weitere Waren, die die Kriterien des „Blauen Engels“ erfüllen, stellt das Öko-Institut auf der Website http://oekotop100.de der Öffentlichkeit zur Verfügung.