Vermeiden, verwerten, beseitigen – ökologische Ausrichtung der Abfallwirtschaft

Die Abfallwirtschaft in Deutschland hat sich seit der Verabschiedung des Abfallwirtschafts- und Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes im Jahr 1996 die Hierarchie „Vermeiden vor Verwerten vor Beseitigen“ zur Maxime gemacht. Was bedeutet: Abfälle sollen zunächst bestmöglich vermieden, entstehende Reststoffe dann umfassend stofflich und energetisch verwertet und verbleibende Reste schließlich „gemeinwohlverträglich“ beseitigt werden. Insgesamt entstehen in Deutschland pro Einwohner rund 450 Kilogramm Müll – mehr als die Hälfte davon werden bereits getrennt erfasst und dem Recycling zugeführt.

Die getrennte Sammlung und Verwertung der Wertstoffe Papier, Glas und Verpackungen muss aus Sicht des Öko-Institut konsequent weitergeführt werden und Bemühungen müssen verstärkt werden, Abfälle zu vermeiden. Wo immer möglich soll die Nutzung in Kaskaden sowohl stofflich als auch energetisch erfolgen. Das heißt, wertvolle Rohstoffe werden aus dem Müll entnommen und schließlich als Ersatz für Primärrohstoffe oder zur Gewinnung von Prozessenergie, Wärme und/oder Strom genutzt. So kann die Abfallwirtschaft einen Beitrag zu den dringend notwendigen Zielen des Klima- und Ressourcenschutzes leisten.

Abfallvermeidung – Herzstück der ökologischen Abfallpolitik

Das Öko-Institut arbeitet seit vielen Jahren an Strategien, wie Müll gar nicht erst entsteht. Im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 2010/2011 die Grundlagen für ein bundesweites Abfallvermeidungsprogramm zusammengetragen. Dafür werteten sie Beispiele, die in Deutschland und anderen Ländern Abfall im privaten und öffentlichen Bereich vermeiden helfen, hinsichtlich ihrer Effektivität und Wirksamkeit aus.

In einem zweiten Schritt erarbeitet das Öko-Institut nun zusammen mit dem IFEU-Institut Heidelberg, Ökopol in Hamburg, der Firma Ressource Abfall Elze und dem Büro für Umweltwissenschaften Berlin in einem Folgeprojekt vertiefende Grundlagen, insbesondere hinsichtlich der Bewertung von Umweltauswirkungen, Durchführbarkeit und Nachhaltigkeit der Abfallvermeidungsmaßnahmen. Gefragt sind schließlich konkrete Vorschläge, welche der im ersten Projekt erforschten Maßnahmen favorisiert und wie diese am besten zu vernetzen sind. Ein wichtiger Baustein wird dabei die Informations- und Wissensvermittlung von Produzenten, Handel, Verbraucher und öffentlicher Hand sein. Ein zentrales Anliegen des Öko-Instituts ist es, dass die Lebensdauer von Produkten verlängert und deren Nutzungsintensität gesteigert wird. Außerdem sollen alle Marktteilnehmer besser informiert und sensibilisiert werden. Auch sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Umweltkosten im Produktpreis zu berücksichtigen.

Abfallverwertung optimieren: Die Wertstofftonne

Auch für die Frage, wie Müll möglichst umweltschonend verwertet und dabei Rohstoffe umfassend recycelt werden können, erarbeitet das Öko-Institut Lösungen. So haben die Forscherinnen und Forscher die Einführung der Wertstofftonne seit mehr als zwei Jahren wissenschaftlich begleitet. Diese soll voraussichtlich noch in 2013 den „gelben Sack“ ersetzen und neben Verpackungen weitere Wertstoffe besser rückgewinnen.

In einem aktuellen Projekt hat das Öko-Institut nun zusammen mit der HTP Ingenieursgesellschaft in Aachen einen Vorschlag erarbeitet, wie die Quoten für die Erfassung und Verwertung von Reststoffen in der Wertstofftonne gestaltet werden sollen. Dabei stellen die Expertinnen und Experten klar, dass sich zum einen die Bezugsgröße für die Quoten ändern soll. So solle sich die Menge an zu erfassenden Wertstoffen nicht wie bisher am lizenzierten Verpackungsaufkommen, sondern an einer vorgegebenen Abfallmenge pro Einwohner orientieren. Darüber hinaus präsentieren sie einen detaillierten Vorschlag für künftige Verwertungsquoten für Verpackungen und Produkte aus Metall und Kunststoff sowie Getränkekartons. Die Quoten sollen sich „selbstlernend“ dem Stand der Technik anpassen.

Beitrag der Abfallwirtschaft zum Klimaschutz

Den Beitrag der Abfallwirtschaft zum Klimaschutz in Deutschland haben die Expertinnen und Experten des Öko-Instituts 2009 untersucht. Das Ergebnis: Insgesamt spart die Abfallwirtschaft beim Siedlungsabfall und beim Altholz bereits heute jährlich knapp 18 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten ein. Dies entspricht in etwa den CO2-Emissionen von 7,7 Millionen Autos, die jährlich durchschnittlich 13.000 km gefahren werden. Im Vergleich zu 1990 macht dies ein Weniger von rund 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten aus. Außerdem wurden die Reduktionspotenziale für die anderen europäischen Staaten (EU 27), die Türkei, Tunesien und Mexiko bilanziert. Da diese Länder, anders als Deutschland und einige weitere europäische Staaten, unvorbehandelten Hausmüll deponieren, liegen die Potentiale zur CO2-Reduktion dort überwiegend noch deutlich höher.

Schwerpunkt einer aktuellen Studie, die das Öko-Institut derzeit im Auftrag des Umweltbundesamts bearbeitet, ist es, die Klimaschutzpotenziale einer internationalen Orientierung der Abfallentsorgung an Recycling und den weitgehenden Verzicht auf die Deponierung von Abfällen aufzuzeigen. Gemeinsam mit IFEU erforscht das Öko-Institut den Stand der Abfallwirtschaft im internationalen Vergleich. Dabei analysieren die Forscher und Forscherinnen die unterschiedlichen Arten der Abfallverwertung in den OECD-Ländern (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), den USA, Indien und Ägypten und das Potenzial, durch optimierte Behandlung und Verwertung zu den Klimazielen beizutragen. Die Studie wird voraussichtlich in der Anfang 2013 vorgestellt.

Ausblick: Wie Politik die Vermeidung von Abfall weiter fördern kann

Zentrale Vorgaben zur Verwertung von Abfällen werden in diesem und nächsten Jahr gesetzlich untermauert. Das erwähnte Abfallvermeidungsprogramm spielt dabei aus Sicht des Öko-Instituts eine zentrale Rolle. Doch wesentlich für den Erfolg in der Umsetzung wird schließlich auch die Einbindung und Sensibilisierung der Verbraucherinnen und Verbraucher selbst sein. Nur wenn sie wissen, welche Produkte ressourcenschonend hergestellt wurden, wie langlebig diese sind und ob und wie man sie reparieren lassen kann, können sie selbst mit ihrem Kaufverhalten dazu beitragen, Müll zu vermeiden. Hier sollten die Erfahrungen aus der Verbraucherinformationskampagne EcoTopTen zu Klimaschutz auch für Abfallvermeidung und Ressourcenschutz genutzt werden!

Eine weitere wichtige Akteursgruppe ist zudem die produzierende Wirtschaft, die mit ihren Entscheidungen zum Produktdesign und dem Materialeinsatz wesentlich zur Abfallvermeidung beitragen kann. Wichtiger Ansatzpunkt für die Politik ist daher zum einen, über die Notwendigkeit der Abfallvermeidung und der Ressourcenschonung zu informieren. Zum anderen kann sie den Erfahrungsaustausch zwischen allen Gruppen moderieren sowie ökonomische Anreize und weitere politische Instrumente zur Abfallvermeidung einsetzen.