NavigationselementNavigationselement
Seite 14
Seite 15
NavigationselementAn das Ende
NavigationselementNavigationselement

Umsetzen

Günter Dehoust fordert bessere Angebote

Wenn es um Abfallvermeidung geht, drängelt er ein bisschen. Zahlreiche Maßnahmen hat Günter Dehoust erfasst, erforscht, bewertet. Nun sollen die Ergebnisse in die Praxis gebracht, sinnvolle Ideen umgesetzt werden. „Wir müssen zum Beispiel dafür sorgen, dass mehr Geräte repariert werden – wenn etwas kaputt geht, wird es häufig einfach entsorgt“, so der Wissenschaftler. Schuld daran sei nicht alleine der Verbraucher, sondern auch das schlechte Angebot: Oft genug hat er selbst vergeblich nach Reparaturmöglichkeiten gesucht. Mindestens ebenso oft hat er sich geärgert, dass eine Neuanschaffung günstiger ist als eine Reparatur. „Der Staat muss die Rahmenbedingungen ändern“, fordert Dehoust, „etwa indem er den Ressourcenverbrauch verteuert und die Arbeitszeit durch Steuererleichterungen billiger macht.“

Bei Neuanschaffungen setzt der Experte vom Öko-Institut auf Hochwertiges oder auf Waren aus zweiter Hand. „Ein gutes Gebrauchtgerät ist oft besser als die Neuware von Billiganbietern“, sagt er. Aber woher nehmen angesichts des noch unzureichenden Angebots an vertrauenswürdigen Händlern? „Man sollte Gebrauchtwarenkaufhäuser sowie Reparaturnetzwerke fördern und durch eine vertrauenswürdige Internetbörse ergänzen“, erklärt Dehoust, „strenge Anforderungen unter anderem hinsichtlich der Warenqualität und der Gewährleistung könnten das nötige Vertrauen bei den Verbrauchern schaffen.“ Dass es jetzt um die Umsetzung geht, hatte er ja schon gesagt. cw

info: g.dehoust@oeko.de

Umdenken

Indra Enterlein setzt auf informierte Verbraucher

Wie fast jeder Wohnungswechsel hat auch der letzte Umzug von Indra Enterlein viele Dinge ans Licht gebracht, die sie eigentlich nicht mehr brauchte. Ein altes Sofa etwa oder unzählige ausgelesene Bücher. „Die­se Dinge wollte ich natürlich nicht wegwerfen“, sagt die Referentin für Umweltpolitik beim Naturschutzbund Deutschland (NABU), „aber zum Glück gibt es ja viele Möglichkeiten, so etwas zu verschenken.“

Für die NABU-Referentin ist ein bewusstes und informiertes Verhalten der Verbraucher nur eine Seite der Medaille, wenn es um Abfallvermeidung geht. „Natürlich sollten die Menschen abfallarm konsumieren“, sagt sie, „doch es braucht vor allem auch die richtigen Rahmenbedingungen, wenn die Verbraucher umdenken sollen.“ Damit meint sie eine nachhaltige Gestaltung der Produkte ebenso wie die Zusammenstellung von verbraucher- und umweltfreundlichen Sortimenten im Handel. „Abfälle zu vermeiden muss praktisch und der jeweiligen Lebenswirklichkeit angepasst sein“, betont Indra Enterlein.

Außergewöhnliche Ideen für unterschiedliche Bedürfnisse hat sie bei ihrer Tätigkeit beim Naturschutzbund kennengelernt – etwa im Rahmen der europäischen Abfallvermeidungswoche, die vom NABU koordiniert wird. „Nicht jede Idee ist für jeden Menschen geeignet“, sagt Enterlein, „aber auch wenn jemand zum Beispiel keine Schwäche für Secondhand-Kleidung hat – vielleicht gefällt ihm ja dennoch ein Luxustaschenverleih?“ cw

info: Indra.Enterlein@NABU.de

Umstellen

Markus Meissner wünscht sich mehr Wiederverwendung

Früher wäre er uncool gewesen, dieser Stoffbeutel. Doch heute trägt Markus Meissner seine Einkäufe gerne damit durch Wien – nicht nur, weil er weiß, dass seine Frau den Beutel schon vor fast drei Jahrzehnten genutzt hat. „Wir versuchen Kunststofftüten zu vermeiden“, sagt der Experte vom Österreichischen Ökologie-Institut. Er wünscht sich, dass die Verbraucher auch auf Einweggetränkeflaschen aus Plastik verzichten und möglichst nur Mehrweg nutzen. In seiner Heimatstadt allerdings bräuchte es seiner Ansicht nach noch nicht mal das. „Das Wiener Trinkwasser kommt direkt aus den Alpen“, erklärt Meissner, „ich verstehe nicht, warum hier überhaupt noch jemand Wasserflaschen schleppt.“

Wenn es darum geht, den Verbrauchern den Wert von Abfallvermeidung zu vermitteln, sieht der Diplom-Ingenieur große Herausforderungen. „Die entsprechenden Maßnahmen greifen weit tiefer in das Konsumverhalten jedes Einzelnen ein als zum Beispiel das Recycling – und gleichzeitig lassen sich nur schwer Erfolge präsentieren“, sagt er.

Die Wiederverwendung von gebrauchten Gegenständen spielt für Markus Meissner übrigens nicht nur bei alten Stoffbeuteln eine Rolle. „Derzeit befasse ich mich mit der Etablierung von Re-Use-Netzwerken zwischen kommunalen und sozialen Einrichtungen“, erzählt er. Ausrangierte, aber gebrauchsfähige Produkte vor der Entsorgung zu bewahren und jenen zur Verfügung zu stellen, die sich diese sonst nicht leisten könnten, ist ein Ziel dieser Arbeit. cw

info: meissner@ecology.at