01.06.2005

N E W S L E T T E R - 03/05


N E W S L E T T E R - 03/05

Liebe Leserinnen und Leser,

der Wahlkampf ist entbrannt: In die Runde wird geworfen, die Laufzeiten der Kernkraftwerke wieder auf 40 Jahre zu verlängern und die Förderung erneuerbarer Energien herunter zu fahren. Es geht auch anders, sind sich die EnergieexpertInnen des Öko-Instituts e.V. einig. Deutschland muss weiterhin eine nachhaltige Energie- und Klimaschutzstrategie verfolgen. Dies diskutieren sie mit VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft am kommenden Freitag, 3. Juni auf der Jahrestagung des Instituts in Freiburg. Mehr dazu in diesem Newsletter. Außerdem lesen Sie, wie die Erfahrungen in der ersten Runde des Emissionshandels sind und wo die Umwelt bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 punktet. Sie erfahren auch, wie ein erfolgreiches Direktmarketing für den öffentlichen Nahverkehr aussehen kann und wie die Strahlenexposition von Zahnarztpatienten zu ermitteln ist. Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen wie immer

Ihre Katja Kukatz am 1. Juni 2005

INHALT

Ö K O - A K T U E L L



Ö K O - K O M P A K T



Ö K O - M E D I A



Ö K O - T I P P



N E W S L E T T E R A R C H I V



I M P R E S S U M


Energiepolitik der Zukunft – ein nachhaltiger Gegenentwurf zur Kernkraft

Jahrestagung des Öko-Instituts

pic_1Das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls im Februar dieses Jahres war ein erster und wichtiger Schritt für die globale Klimaschutzpolitik – aber mehr noch nicht. Denn um die atmosphärischen Treibhausgasemissionen zu stabilisieren, sind weitaus höhere Reduktionsziele notwendig, als sie im Rahmen des Kyoto-Protokolls vereinbart wurden. Die Probleme im Klimaschutz und auf dem Weg zu einem nachhaltigen Energiesystem bleiben drängend. Um sie zu lösen, muss Deutschland in der EU weiterhin eine Vorreiterrolle einnehmen und sich für engagierte europäische Reduktionsziele einsetzen. Wie eine nachhaltige Energie- und Klimaschutzstrategie global, national und regional gestaltet werden kann, in der die Kernenergie keinen Platz hat, diskutieren EnergieexpertInnen des Öko-Instituts e.V. auf der Jahrestagung des Instituts an diesem Freitag, 3. Juni in Freiburg gemeinsam mit rund 150 TeilnehmerInnen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

„Kernkraftwerke eignen sich nicht als Klimaschützer. Das käme dem Motto gleich, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben“, sagt Veit Bürger, Energieexperte am Öko-Institut. Denn „die Kerntechnik stellt uns immer noch vor unlösbare Probleme“, begründet Michael Sailer, stellvertretender Geschäftsführer und langjähriger Nuklearexperte am Öko-Institut. Im Gegenentwurf setzt das Institut auf eine Energiepolitik, die aus der Kernenergie aussteigt und zudem mittel- bis langfristig auf die fossilen Brennstoffe verzichtet. Der Ausstieg aus der Atomenergie bietet nach Meinung des Öko-Instituts die Chance, alternative Formen der Stromerzeugung auszubauen.

Dabei kann insbesondere Erdgas eine wichtige Brückenfunktion übernehmen, weil es unter den fossilen Energieträgern der Brennstoff mit den niedrigsten spezifischen Kohlendioxid-Emissionen ist. Ergas-Kraftwerke eignen sich hervorragend für die Kraft-Wärme-Kopplung, bei der sie gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Daneben bestehen große Potenziale bei den Erneuerbaren Energien, insbesondere bei der Biomasse. Die dritte wichtige Säule ist die Energieeffizienz: Der Stromverbrauch und damit auch der Bedarf für neue Kraftwerke muss deutlich sinken. In den privaten Haushalten ließen sich beispielsweise rund 40 bis 50 Prozent des Stromverbrauchs einsparen, wenn zum Beispiel stromsparende Waschmaschinen, Kühlschränke oder Fernsehgeräte genutzt werden. Nimmt der Stromverbrauch ab, sinkt auch die Abhängigkeit beispielsweise von Gasimporten. Stromsparen leistet damit also einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Nebeneffekte einer solchen klimaschutzorientierten Energiepolitik reichen von positiven Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt über eine sinkende Abhängigkeit vom Öl bis hin zur regionalen Wertschöpfung und internationaler Wettbewerbsfähigkeit neuer Industrien.

Trotz aller nationalen Bemühungen: Klimaschutz ist eine globale Aufgabe. Die internationale Staatengemeinschaft muss sich zügig auf eine langfristige Klimaschutzstrategie einigen, die auch die großen Schwellenländer einbindet und verhindert, dass sich die Entwicklungsländer bei der Entwicklung ihrer Strom-, Wärme und Verkehrssektoren in eine Abhängigkeit von fossilen Energien oder der Kernenergie begeben.

Lesen Sie im zweiten Beitrag dieses Newsletters „Energiepolitik der Zukunft – und das nukleare Erbe“, warum die Kernkraft trotz neuer Reaktorkonzepte keine Antwort auf die Energiefragen der Zukunft ist. Mehr zum Thema lesen Sie auch im Diskussionspapier „Die Zukunft der Energiewirtschaft in Baden-Württemberg ohne Atomkraft“. Informationen zur Jahrestagung finden Sie unter www.oeko.de/. Aktuelle Materialien und Fotos werden bereits während der Tagung ergänzt. Die vollständige Dokumentation steht für Sie ab Montag, 6. Juni zur Verfügung. vb/kk

Ansprechpartner:

Veit Bürger
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Bereich Energie & Klimaschutz

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Energiepolitik der Zukunft – und das nukleare Erbe

Risiken und Probleme der Kernenergienutzung

pic_2Angesichts der immensen Aufgaben im Klimaschutz und der begrenzten Vorkommen fossiler Brennstoffen werden die Stimmen derjenigen lauter, die eine Renaissance der vermeintlich „sauberen“ Atomkraft befürworten. Warum trotz neuer Reaktorkonzepte die Atomenergie keine Antwort auf die Energiefragen der Zukunft ist, diskutieren Nuklear- und EnergieexpertInnen des Öko-Instituts e.V. auf der Jahrestagung des Instituts an diesem Freitag, 3. Juni in Freiburg. Sie werden aufzeigen, wie ein nachhaltiges Energiesystem gestaltet werden kann, welche Probleme auf dem Weg dorthin noch zu lösen sind und welche Risiken nach wie vor gegen die Nutzung der Kernenergie sprechen. Diese liegen vor allem im Betrieb der Anlagen.

Neben den Gefahren durch terroristische Bedrohungen und militärischen Missbrauch von Spaltmaterial liegt das größte Risiko in den katastrophalen Auswirkungen eines schweren Reaktorunfalls mit Kernschmelze. „Daran ändern auch neue Reaktorkonzepte wie der so genannte European Pressurized Water Reactor nichts, denn auch diese sind nicht kernschmelzsicher“, ist die Einschätzung Michael Sailers, stellvertretender Geschäftsführer des Öko-Instituts und Koordinator des Bereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit.

Beim Betrieb heute gängiger Reaktortypen wird eine thermische Leistung von rund 4000 Megawatt erzeugt. Auch nach dem Abschalten eines Reaktors zerfallen die Nuklide, die bei der Spaltung von Uran und Plutonium entstehen, weiter. Die Wärmeproduktion im Reaktor ist daher auch nach Tagen und Wochen noch so hoch, dass es beim Versagen der Reaktorkühlung zur Kernschmelze mit Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffe in die Umgebung kommen kann. Hochkomplexe Systeme sollen mit großer Zuverlässigkeit jederzeit die Kühlung des Kerns sicherstellen. Erfahrungen aber zeigen, dass an diesen Systemen immer wieder Schwachstellen auftreten, die das Risiko einer Kernschmelze erhöhen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig wie verschiedene Beispiele auch aus der jüngsten Vergangenheit zeigen. So führen technische Fehleinschätzungen dazu, dass bestimmte Störfälle über Jahrezehnte bei Auslegung und Betrieb der Anlagen gar nicht berücksichtigt werden. Aber auch der „Faktor Mensch“ stellt ein Risiko dar, genauso, wie das zunehmende Alter vieler Anlagen.

In den kommenden Jahrzehnten wird sich das Gesamtrisiko durch den Betrieb von Kernkraftwerken aufgrund des zunehmenden Alters der Anlagen noch erhöhen. Daran werden auch neue Reaktorkonzepte der sogenannten „Generation III“ oder „Generation IV“ nichts ändern. Einerseits werden diese höchstens einen geringen Prozentsatz des gesamten Anlagenparks ausmachen. Anderseits kann für diese Reaktortypen das Unfallrisiko zwar reduziert werden, ein schwerer Störfall ist aber physikalisch ebenfalls nicht auszuschließen.

Nach knapp 40 Jahren Kernenergienutzung in Deutschland gibt es bereits heute über 100.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle. Sie beinhalten auch hochradioaktive Abfälle mit langlebigen Nukliden, die Halbwertszeiten von einigen 100.000 Jahren haben, insbesondere die abgebrannten Brennelemente – eine Hinterlassenschaft für Tausende nachfolgender Generationen. Für diese Abfälle gibt es keine Alternative zur unterirdischen Endlagerung in einer geologischen Formation in mehreren Hundert Metern Tiefe. Wenn ein solches Endlager an einem Standort in Deutschland errichtet wird, der nach geologischen Kriterien sorgfältig ausgewählt wird, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die radioaktiven Abfälle langfristig von der Biosphäre isoliert werden können. Keinesfalls können sich Unfallszenarien mit schlagartiger Freisetzung großer Mengen Radioaktivität entwickeln, wie sie beim Kraftwerksbetrieb möglich sind. Endlagerung erfordert aber nicht nur technische Lösungen, sondern auch die Akzeptanz in der Gesellschaft. Diese setzt voraus, dass es eine klare Begrenzung gibt, in welchen Mengen und über welchen Zeitraum künftig noch radioaktive Abfälle anfallen.

Es gibt Alternativen, die dauerhaft zum Klimaschutz beitragen und nicht mit den Risiken und gesellschaftlichen Konflikten der Kernenergie verbunden sind. Welches diese sind, wie sie im künftigen Konzept der Stromversorgung konsequent weiter verfolgt werden sollten und wie eine langfristige Klimaschutzstrategie aussehen muss, diskutieren Energie- und NuklearexpertInnen an diesem Freitag, 3. Juni im Freiburger Solar Info Center anlässlich der Jahrestagung des Öko-Instituts „Energiepolitik der Zukunft – und das nukleare Erbe“. Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Energiepolitik der Zukunft – ein nachhaltiger Gegenentwurf zur Kernkraft“ in diesem Newsletter. bk/kk

Mehr zum Thema erfahren Sie auch aus dem Diskussionspapier „Die Zukunft der Energiewirtschaft in Baden-Württemberg ohne Atomkraft“. Informationen zur Jahrestagung finden Sie unter www.oeko.de/jahrestagung. Aktuelle Materialien und Fotos werden bereits während der Tagung ergänzt. Die vollständige Dokumentation steht für Sie ab Montag, 6. Juni zur Verfügung.

AnsprechpartnerIn:

Michael Sailer
Beate Kallenbach-Herbert
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit

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Emissionshandel – Vorbereitung auf die zweite Runde

Die Zuteilung der Rechte muss einfacher werden

Von Januar 2008 bis 2012 läuft die zweite Handelsphase des europäischen Emissionshandelssystems und die Diskussionen um die Zuteilung der Emissionsrechte hat bereits begonnen. Denn Mitte 2006 müssen die neuen nationalen Allokationspläne der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Welche Erfahrungen bei der Zuteilung bisher gemacht wurden und wo nachgebessert werden sollte, beleuchteten Dr. Felix Ch. Matthes und Martin Cames, Energie-Experten im Berliner Büro des Öko-Instituts e.V., jetzt mit weiteren Fachleuten bei den Berliner Energietagen Anfang Mai. Ihre wesentlichen Verbesserungsvorschläge: Die Anlagendefinition sollte EU-weit vereinheitlicht, die erst kurz vor der Verabschiedung des Allokationsplans eingeführte Optionsregelung abgeschafft und die Zahl der Sonderregelungen, die zu insgesamt 58 unterschiedlichen Kombinationen der Zuteilungsregeln geführt hat, reduziert werden.

Das EU-weite Emissionshandelssystem auf Unternehmensebene ist ein zentrales Instrument, um die Treibhausgas-Reduktionsverpflichtungen der EU zu erfüllen, die diese im Rahmen des Kyoto-Protokolls eingegangen ist. Das System sieht für jedes EU-Land absolute Obergrenzen, „caps“, für die Treibhausgasemissionen vor. Das cap für Deutschland in der ersten Handelsphase, der Pilotphase von 2005 bis 2007, beträgt 499 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Eine Tonne entspricht dabei einem Emissionsrecht. Für die erste Phase bedeutet das eine absolute Minderung der deutschen Treibhausgas-Emissionen um 0,4 Prozent gegenüber der Basisperiode 2000 bis 2002 oder um zwei Millionen Tonnen jährlich.

Der nationale Allokationsplan ist das Kernstück des Emissionshandels. Mit ihm werden die Emissionsrechte auf die einzelnen Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie zugeteilt. In der Pilotphase unterliegen in Deutschland 1849 Anlagen dem Emissionshandel. Anlagen, mit einer Kapazität von weniger als 20 Megawatt, sind ausgenommen. Wenn Unternehmen ihre zugeteilten Emissionsrechte nicht ausschöpfen, können sie die überschüssigen Zertifikate an Firmen verkaufen, deren Anlagen ihre Emissionsminderung nicht erreicht haben. Für die Pilotphase werden die Emissionsrechte in Deutschland kostenlos zugeteilt.

Für bestehende Anlagen wird das so genannte Grandfathering-Prinzip angewendet. Die Zuteilung erfolgt auf Basis historischer Emissionen. Für die Ermittlung der Emissionsrechte der jeweiligen Anlage in der Pilotphase werden die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Basisperiode 2000 bis 2002 mit einem einheitlichen Erfüllungsfaktor von 0,9709 multipliziert. Neuanlagen erhalten ihre Zertifikate dagegen nach dem Benchmarkverfahren. Die Benchmarks werden für Produktgruppen gebildet und orientieren sich an den klimaschonendsten verfügbaren Technologien. Die Unternehmen, die mit der besten Technik arbeiten, können mit den ihnen zugeteilten Emissionsrechten ihren Bedarf meist decken. Unternehmen, die dasselbe Produkt herstellen, aber eine schlechtere Technik einsetzen, erhalten entsprechend weniger Zertifikate.

„Um das angestrebte Reduktionsziel zu erreichen, sind beide Systeme gleich gut“, sagt Martin Cames. Kritik übt er an der kurzfristig in das Gesetz eingebrachten Optionsregelung: Diese Sonderregel bringt aus Umweltsicht keinen Nutzen, hat aber bei vielen Unternehmen für Unmut gesorgt. Sie macht die Zuteilung undurchsichtig und unvorhersehbar.“ Die Optionsregelung ermöglicht Betreibern von bestehenden Anlagen, eine Zuteilung der Emissionsrechte wie eine Neuanlage nach dem Benchmarkverfahren anstatt nach dem Grandfathering-Prinzip für Bestandsanlagen zu beantragen. Interessant ist das zum Beispiel für solche Unternehmen, die in der Basisperiode geringer ausgelastet waren, als sie es voraussichtlich in der Pilotphase sein werden. Denn in diesem Fall können sie nach dem Benchmarkverfahren mehr CO2-Emissionen beantragen, als nach dem Grandfathering-Prinzip. Die Zuteilung nach Benchmarks ist zwar strenger, die Unternehmen unterliegen dann aber keinem Erfüllungsfaktor und werden nach der erwarteten Auslastung beurteilt. Unterm Strich erhalten sie in der Regel über Benchmarks mehr kostenlose Emissionsrechte als über Grandfathering, selbst wenn sie nicht die umweltfreundlichste verfügbare Technologie einsetzen.

Für viele Unternehmen war es aber sehr schwierig abzuschätzen, welches Zuteilungssystem für sie das bessere ist, weil die Zuteilung der Emissionsrechte wegen der Optionsregel abhängig war von der – nicht vorhersehbaren – Entscheidung konkurrierender Unternehmen. Denn überschreitet die Summe der zugeteilten Emissionsrechte das vorgeschriebene cap, kommt ein zweiter Erfüllungsfaktor zum Tragen. Allen Unternehmen, bei denen per Gesetz gekürzt werden darf, wird ein einheitlicher Prozentsatz der Emissionsrechte wieder abgezogen. Je mehr bestehende Unternehmen sich für das Benchmarkverfahren entscheiden, desto größer werden die Kürzungen durch den zweiten Erfüllungsfaktor bei allen Unternehmen, die dem Erfüllungsfaktor unterliegen.

Martin Cames fordert daher, die Optionsregelung wieder zu streichen. Auch deshalb, weil die Anzahl der Sonderregelungen, die zu insgesamt 58 Kombinationen der Berechnungsformeln geführt hat, reduziert werden sollte: Die Zuteilung ist insgesamt zu kompliziert. „Je mehr Sonderregeln angewendet werden können, desto größer wird das Zuteilungsproblem. Wenn am Ende zwei Drittel der Unternehmen Ausnahmen in Anspruch nehmen können, wird die Last, die das übrige Drittel zu tragen hat, immer größer.“, sagt Cames.

Die Wissenschaftler fordern außerdem, dass die Definition für Anlagen europaweit einheitlich sein und dass der Anlagenschwellenwert nicht nur über die Leistungsgrenze definiert werden sollte. Das Problem: Dadurch werden auch Anlagen vom Handel erfasst, deren jährliche Emissionen sehr gering sind. In Deutschland haben zum Beispiel 31 Prozent der Anlagen zusammen nur 0,55 Prozent der Zuteilung bekommen, in den Niederlanden kommen 24 Prozent der Anlagen auf 0,9 Prozent der Emissionen. Hier steht der bürokratische und finanzielle Aufwand für das Monitoring auf Unternehmensseite in keinem Verhältnis zu der Umweltbelastung. „Ziel einer EU-weiten Anlagendefinition sollte sein, nur die Anlagen zu erfassen, die wirklich hohe Treibhausgasemissionen verursachen“, bringt es Cames auf den Punkt. kk

Weitere Informationen finden Sie unter www.oeko.de/bet_2005 und www.oeko.de/dokumente/schwerpunkt_01.pdf. Die Gesetzestexte können Sie hier nachlesen.

Ansprechpartner:

Martin Cames
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Bereich Energie & Klimaschutz

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Wie grün wird die Fußball-WM 2006?

Zwischenbilanz „Green Goal™“: Umwelt profitiert beim Stadionbetrieb

pic_3Der Countdown läuft: In rund zwölf Monaten startet die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM in Deutschland und das Land will sich auch in Sachen Umwelt vorbildlich präsentieren. Gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und dem Öko-Institut e.V. hat das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft daher "Green Goal™" entwickelt, das erste Umweltkonzept für eine Fußballwelt- oder Europameisterschaft. Ebenfalls ein Novum: Mit Green Goal™ werden auch zum ersten Mal messbare Umweltziele für eine Sportgroßveranstaltung definiert. Doch was hat sich seit der öffentlichen Präsentation des Konzepts im März 2003 getan? Zeit für eine Zwischenbilanz.

Zu den 64 Spielen der FIFA WM 2006™ werden über 3,2 Millionen Zuschauer erwartet. Hinzu kommen mehr als 15.000 Journalisten, rund 1.500 Repräsentanten der FIFA und zahlreiche freiwillige Helfer und Servicekräfte. Das bedeutet ein erhebliches Verkehrsaufkommen, einen hohen Strom- und Wasserbedarf und viel Abfall, der entsorgt werden muss. Mit Green GoalTM hat sich das Organisationskomitee (OK) daher folgende Ziele gesetzt: Ein Teil des Energiebedarfs soll aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Durch den effizienten Energieeinsatz soll der Energieverbrauch der Stadien um 20 Prozent sinken. Der Verkehr soll umweltfreundlich und effizient gestaltet werden und 50 Prozent aller Besucher bei der Anreise zu den Spielen den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Die Abfallmenge soll um 20 Prozent sinken und unvermeidbarer Abfall umweltgerecht verwertet werden. Zur Schonung der Trinkwasserressourcen sollen die WM-Stadien ihren derzeitigen Frischwasserverbrauch um 20 Prozent reduzieren.

„Durch diese Zielsetzung haben die Verantwortlichen gerade beim Bau und Betrieb der Fußballarenen etliche grüne Tore geschossen“, sagt Dr. Hartmut Stahl, Green-Goal-Experte am Öko-Institut. Zu den Umweltmaßnahmen gehören

  • die für Bundesliga-Stadien bislang erstmalige Einführung des europäischen Umweltmanagementsystems EMAS in den WM-Stadien Nürnberg und München
  • die Nutzung von Regenwasser etwa für die Spielfeldberegnung zum Beispiel in Stuttgart oder Nürnberg
  • die Installation von wasserlosen Urinalen oder Wasser sparenden Toiletten zum Beispiel in Hannover, Stuttgart und Gelsenkirchen
  • spezielle Niederschlagsversickerungskonzepte zum Beispiel in Frankfurt oder Berlin
  • der Bau von Photovoltaikanlagen zum Beispiel in Gelsenkirchen
  • der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel durch ein umfassendes Park & Ride-System zur Lärm- und Emissionsminderung in Kaiserslautern
  • die Einsparung von Geld und Ressourcen durch die Wiederverwendung von gebrauchten Stadionsitzen in Hannover
  • die Entsiegelung von Flächen und insgesamt eine geringe Flächenversiegelung beim Stadionbau in Leipzig

Einen vollständigen Überblick über Umweltmaßnahmen an den Austragungsorten erhalten Sie hier.

Eine weitere Besonderheit ist die Einführung des Kombi-Tickets. Erstmals können die Zuschauer in allen WM-Städten mit ihrer Eintrittskarte am gesamten Spieltag kostenlos die öffentlichen Nahverkehrsmittel nutzen. Das Kombi-Ticket stellt ein Novum für Fußballwelt- und Europameisterschaften dar: Bisher gab es den Service nur bei Bundesliga- und Länderspielen und nur mit kürzerer Geltungsdauer.

Um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel so bequem wie möglich zu machen, wird ein Wegweisersystem für den öffentlichen Nahverkehr entwickelt. Zur FIFA WM 2006™ wird dann ein in allen Austragungsstätten einheitliches Beschilderungssystem die Zuschauer von Flughäfen, Bahnhöfen oder Park & Ride-Parkplätzen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Stadion führen.

Das OK hat für die Fans auch ein Internet-Reisezentrum eingerichtet. Dort gibt es bereits jetzt für alle Besucher umfassende Anreise-Informationen zum öffentlichen Nahverkehr und der Deutschen Bahn. Spezielle Berücksichtigung finden dabei die Strecken zwischen den Stadien und wichtigen Verkehrsknoten wie zum Beispiel den Hauptbahnhöfen. Auf diesen Internetseiten finden sich einige Wochen vor dem Turnierbeginn auch genaue Anfahrtsbeschreibungen zu Park & Ride-Parkplätzen. Damit soll erreicht werden, dass Zuschauer, die mit dem Auto anreisen, möglichst frühzeitig auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Ein weiterer wichtiger Schritt für die umweltfreundliche Anreise zu den Stadien sind zusätzliche, attraktive Angebote der Deutschen Bahn AG als nationaler Förderer der FIFA WM 2006™ für die Offiziellen und Fußballfans aus aller Welt. Schon für den FIFA Confederations Cup im Juni macht die Deutsche Bahn ein besonderes Angebot. Die Eintrittskarte zu den Spielen berechtigt dann zum Kauf eines Bahnfahrscheines zu den Konditionen einer BahnCard 25. Während der Weltmeisterschaft erhalten rund 6.000 Journalisten mit ihrer WM-Akkreditierung die Berechtigung, sechs Wochen lang auf dem gesamten Nah- und Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn kostenlos zu reisen.

Trotz der genannten Umweltmaßnahmen sind durch den Energieverbrauch und den deutschlandweiten Verkehr schädliche Auswirkungen auf das Klima zu erwarten. Das OK und seine Partner haben sich deshalb darüber hinaus zum Ziel gesetzt, diese nicht zu vermeidenden Emissionen durch Förderung des Klimaschutzes an anderer Stelle auszugleichen. Die FIFA WM 2006™ soll daher erstmalig klimaneutral ausgerichtet werden. Dazu müssen etwa 100.000 Tonnen Treibhausgasemissionen ausgeglichen werden. Dafür planen das OK und seine Partner, Klimaschutzprojekte vorrangig in Schwellen- und Entwicklungsländern zu unterstützen. kk

Seit April hat Green Goal™ eine eigene Internetseite.

Ansprechpartner:

Dr. Hartmut Stahl
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Bereich Infrastruktur & Unternehmen

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Direktmarketing für den Stadtbus Offenburg

ÖPNV-Begrüßungspaket und Schnupperticket für Neubürger

Die Stadt Offenburg am Rande des Schwarzwalds hat sich ein Ziel gesetzt: Zehn Prozent aller Wege sollen die rund 55.000 Einwohner im innerstädtischen Verkehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Dazu setzte die Stadt auf eine Strategie, die zwei Dinge gleichermaßen berücksichtigt: Attraktiver Ausbau des Stadtbusverkehrs einerseits, ausgeklügeltes Marketing andererseits. Mit der Konzeption und Umsetzung einer Marketingstrategie beauftragte Offenburg das Öko-Institut e.V.. Für ihre Bemühungen wurde die Stadt jetzt belohnt. Offenburg belegte den dritten Platz beim Innovationspreis ÖPNV, den das baden-württembergische Umwelt- und Verkehrsministerium anlässlich des zweiten baden-württembergischen ÖPNV-Innovationskongress erstmals verliehen hat.

Um den Busverkehr als eigenständiges städtisches Verkehrsangebot zu etablieren, schuf Offenburg die Marke „Schlüsselbus“ für den Stadtbusverkehr. Die Stadt setzte neue Buslinien ein, vertaktete sie und baute den zentralen Rendezvousknoten am Bahnhof aus. Ziel einer begleitenden Marketingkampagne war es, parallel das neue Angebot bekannter zu machen, das Image des Stadtbusverkehrs zu verbessern und neue Zielgruppen zu erschließen. Anfang 2002 entwickelte das Öko-Institut dazu ein Konzept. Es konzentriert sich unter anderem gezielt auf Neubürger.

„Wer neu in einer Stadt ist, muss seine Mobilitätsgewohnheiten überdenken und sich neu orientieren. In so einer Phase können Menschen dann möglicherweise leichter dazu angeregt werden, ein neues Verkehrsangebot zu nutzen“, erklärt Projektleiter Willi Loose, Verkehrsexperte im Freiburger Büro des Öko-Instituts. Zum Beispiel mit einem freundlichen Willkommensgruß. Kern des Marketingkonzepts ist im Sinne des Direktmarketings ein ÖPNV-Begrüßungspaket, das jeder nach Offenburg Zugezogene automatisch zugesendet bekommt. Das Paket umfasst nicht nur nützliche Informationen. Auf Wunsch erhält jeder Neubürgerhaushalt auch kostenlos ein zwei Monate gültiges, übertragbares Schnupperticket für den Stadtbusverkehr. Diese Form der Kundenwerbung ist aus zwei Gründen besonders effektiv: Zum einen muss der Kunde nicht wie sonst üblich den ersten Schritt machen, um sich über Angebote öffentlicher Verkehrsmittel zu informieren. Zum anderen wird er zu einem günstigen Zeitpunkt auf das Angebot aufmerksam gemacht.

Im Auftrag der Technischen Betriebe Offenburg testete das Öko-Institut dieses Konzept in der Praxis. Von Oktober 2002 bis Ende 2003 versendete das Öko-Institut rund 2.000 Neubürger-Begrüßungspakete und zusätzlich 326 Schnuppertickets an interessierte Neubürger-Haushalte. Alle Haushalte, die ein Schnupperticket bekommen hatten, wurden abschließend mit einem Fragebogen zu der Aktion interviewt. Die Befragung hatte einen Rücklauf von 29 Prozent. Die Wissenschaftler befragten auch Neubürger, die vor Start der Aktion nach Offenburg gezogen sind und kein Begrüßungspaket erhalten hatten. Diese Gruppe diente als Vergleichsgruppe.

Im Ergebnis wurden die Erwartungen an die Schnupperticket-Aktion voll und ganz erfüllt. Die Befragten stuften den nicht erwarteten Willkommensgruß und das Interesse der Stadt an ihren neuen Mitbürgern eindeutig positiv ein. Die Schnupperticketgruppe lernte im Durchschnitt den ÖPNV in Offenburg besser kennen als die Vergleichsgruppe. Teilnehmer des Schnupperangebots nutzten im Vergleich zur Kontrollgruppe Stadt- und Regionalbusse in Offenburg 17 Prozentpunkte häufiger als an ihrem früheren Wohnort. Auch die positiven Wertungen des Busfahrens am neuen Wohnort werden in der Schnupperticketgruppe mit 13 Prozentpunkten besser bewertet als in der Kontrollgruppe. Nach Auslaufen der Schnuppertickets war knapp die Hälfte der Schnupperticketgruppe im Besitz eines gültigen Zeitfahrausweises oder einer Punktekarte für den öffentlichen Verkehr.

Offenburg hat sich dazu entschieden, das ÖPNV-Begrüßungspaket über die Testphase hinaus an Neubürger zu versenden. Dabei hat die Stadt die Aktion in einzelnen Punkten bereits verbessert, die durch die Befragung offenkundig geworden waren. Den vollständigen Projektbericht können Sie hier nachlesen. kk

Ansprechpartner:

Willi Loose
Öko-Institut e.V., Büro Freiburg
Arbeitsfeld Verkehr

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Röntgenstrahlung bei zahnärztlichen Untersuchungen

Welcher Strahlenexposition sind Patienten ausgesetzt? / Neue Studie des Öko-Instituts

Jeder hat es schon erlebt. Der Zahn schmerzt und die Diagnose muss mit einer Röntgenuntersuchung gestellt werden. Doch wie hoch ist dabei die Strahlenbelastung der Patienten? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Öko-Institut e.V. im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz jetzt in einer neuen Studie. Kooperationspartner ist die Arbeitsgruppe Medizinische Strahlenphysik des Pius-Hospitals und der Universität Oldenburg.

Nach der Röntgenverordnung ist das Bundesamt für Strahlenschutz dazu verpflichtet, so genannte Dosisreferenzwerte für medizinische Röntgenuntersuchungen zu veröffentlichen. Die Röntgenverordnung folgt dabei einer Empfehlung der internationalen Strahlenschutzkommission ICRP. Die amtlichen Dosisreferenzwerte sind eine Art Richtwert für Röntgenuntersuchungen. Bei guter üblicher Praxis der Röntgenaufnahmen sollten die amtlichen Dosisreferenzwerte im Mittel der Untersuchungen nicht überschritten werden. Geschieht dies regelmäßig doch, so sind die zuständigen Behörden aufgefordert, die Röntgenuntersuchungen vor Ort näher zu prüfen und zu optimieren, beispielsweise indem die Einstellungen der Geräte verbessert oder veraltete Geräte ersetzt werden.

„Für zahnmedizinische Röntgenuntersuchungen fehlen solche Referenzwerte bisher allerdings. Aus den Ergebnissen unserer Studie kann das Bundesamt für Strahlenschutz sie dann ableiten und veröffentlichen“, sagt Mathias Sering, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit im Darmstädter Büro des Öko-Instituts, „Wir betreiben also Grundlagenforschung.“ Das Projekt umfasst mehrere Teilaufgaben und wird für verschiedene Untersuchungsarten separat umgesetzt: intraorale Aufnahmen, Panorama-Schichtaufnahmen, Schädel-Fernaufnahmen, Dental-Computertomographie und digitale Volumentomographie.

In einem ersten Arbeitsschritt ermitteln die WissenschaftlerInnen, welche Messgrößen relevant sind, um die Strahlenexposition zu bewerten. Dazu wird die entstehende Strahlenexposition bei typischen Einstell- und Messgrößen der Röntgengeräte in Referenzanlagen gemessen. Bei diesen Messungen wird das Phantom eines menschlichen Kopfes – mit Messgeräten gespickt – in den Anlagen geröntgt. Es wird also nicht nur die Dosis für die Zähne gemessen, sondern zum Beispiel auch für die Augenlinse, die Ohrspeichel- oder die Schilddrüse. Die Messungen werden mit vielen verschiedenen Einstellungen der Geräte vorgenommen. Nach Auswertung der Ergebnisse kann dann festgestellt werden, welche Einstellung der Geräte jeweils zu welcher Strahlenexposition führen. Diese Messungen nimmt der Kooperationspartner des Öko-Instituts, die Arbeitsgruppe Medizinische Strahlenphysik des Pius-Hospitals und der Universität Oldenburg AG vor, die über entsprechende technische Einrichtungen und umfangreiche praktische Erfahrung verfügt.

Im zweiten Schritt wird Datenmaterial direkt vor Ort in den Zahnarztpraxen erhoben. Die WissenschaftlerInnen erfassen dabei die Einstellungen der Geräte, mit denen bei den verschiedenen Untersuchungsarten jeweils geröntgt wird. Werden die Ergebnisse der Messungen am Phantom mit den Ergebnissen aus der Abfrage bei den Zahnärzte abgeglichen, so kann die in der Praxis auftretende Strahlenexposition am Patienten ermittelt werden. Darüber hinaus werden die Daten weiter statistisch ausgewertet, um unter anderem eine Aussage über die Streuung der tatsächlichen Strahlenexposition für die jeweiligen Untersuchungsarten zu treffen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt und wird voraussichtlich im August 2006 abgeschlossen. ms/kk

Ansprechpartner:

Mathias Sering
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit

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Buchtipp: Umweltfreundliche öffentliche Beschaffung

Innovationspotenziale, Hemmnisse, Strategien

Von Papier über Busse bis zu Strom reicht der Bedarf deutscher Verwaltungen. Der Einkauf von Kommunen, Städten und Ministerien macht rund zwölf Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts aus. Welche Entlastungseffekte können durch einen Einkauf der öffentlichen Hand nach Umweltschutzkriterien erreicht werden? Was sind reale und wahrgenommene Hemmnisse für eine ökologische öffentliche Beschaffung? Diesen und weiteren Fragen hat sich das Verbundprojekt „Potenziale Nachhaltiger Beschaffung und Instrumente zu ihrer Umsetzung (NaBesI)“ der TU Dresden, des Öko-Instituts e.V. und des ICLEI Europasekretariats gewidmet. Die Ergebnisse sind jetzt als Buch veröffentlicht.

Gut 20 Jahre nach dem Erscheinen erster Leitfäden zum Thema umweltfreundliche Beschaffung wird eine kritische Zwischenbilanz zu deren Erfolgen gezogen. Umfangreiche Analysen zur Beschaffungspraxis, den Reaktionen des Marktes und den Verbesserungspotenzialen bilden die Basis der Untersuchung. Eine umfassende Darstellung der zulässigen Umweltanforderungen in deutschem, europäischem und internationalem Recht zeigt die Vereinbarkeit von Umweltpolitik und Beschaffungsrecht. Berechnungen zum erreichbaren Umweltentlastungspotenzial verdeutlichen, dass Verwaltungen viel mehr als nur symbolischen Einfluss haben. Dem oft zähen Alltag bei der Umsetzung umweltfreundlicher Beschaffung in der Verwaltung setzt das Buch ein Analyseinstrument zur Selbstevaluation der Hemmnisse entgegen.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Ökologische Beschaffung kann die Umwelt erheblich entlasten“ in der Rubrik ÖkoAktuell im Newsletter 04/04 unter www.oeko.de/newsarchiv.htm kk

Umweltfreundliche öffentlich Beschaffung. Innovationen, Hemmnisse, Strategien. Herausgeber Regine Barth, Christoph Erdmenger & Edeltraud Günther. Erschienen in der Reihe Nachhaltigkeit und Innovation. Physica-Verlag Springer 2005. 400 Seiten. 66,95 Euro.

Ansprechpartnerin:

Regine Barth
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Koordinatorin des Bereichs Umweltrecht

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Auf dem Weg zur Agrarwende

Neue Broschüre: „So schmeckt die Zukunft“

Seit der BSE-Krise vor rund fünf Jahren hat die Bundesregierung einen Richtungswechsel in der deutschen Agrarpolitik eingeleitet. Kernstück ist die Förderung des ökologischen Landbaus und der sozial-ökologischen Agrar- und Ernährungsforschung mit den zentralen Fragen: Wie lässt sich das alltägliche Ernährungsverhalten der Menschen beeinflussen? Was kann getan werden, um die Landbewirtschaftung und die Esskultur in unserer Gesellschaft nachhaltiger als bisher zu gestalten und zukunftsfähig zu machen? Die Broschüre „So schmeckt die Zukunft“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stellt die bislang sieben Projekte zu Ernährung und Landwirtschaft vor, die im Rahmen des Förderprogramms „Sozial-ökologische Forschung“ unterstützt werden, darunter auch das Verbundprojekt „Ernährungswende“ unter Leitung des Öko-Instituts e.V., sowie das Verbundprojekt „Agrobiodiversität entwickeln!“, in dem das Öko-Institut kooperiert.

Allen Projekten ist gemeinsam, dass sie sowohl die sozialen und wirtschaftlichen als auch die ökologischen Aspekte ihres Untersuchungsgegenstandes betrachten. Die Themen reichen von nachhaltiger Ernährung im Alltag und Esskultur als Teil der regionalen Identität über die Bedeutung der Vielfalt von Nutztieren und Kulturpflanzen und die Umsetzung der „Agrarwende“ bis hin zum notwendigen gemeinsamen Diskurs mit den Betroffenen, um Probleme der Reformpolitik gemeinsam zu lösen. Mit frischen Ideen aus der Wissenschaft will die Broschüre dazu ermutigen, den Lebens- und Ernährungsalltag genüsslich zu verändern, Geschäftsideen zu verwirklichen und dabei die Umwelt zu schonen.

Die Broschüre steht als kostenloser Download im Internet unter www.bmbf.de/pub/so_schmeckt_die_zukunft.pdf zur Verfügung und ist gedruckt kostenlos erhältlich beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat Publikationen, 11055 Berlin, Telefon 01805/262302, Telefax: 01805/262303, E-Mail books@bmbf.bund.de. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.sozial-oekologische-forschung.org, www.ernaehrungswende.de und www.agrobiodiversitaet.net . Dort finden Sie jetzt auch den vollständigen Projektbericht „Agrobiodiversität entwickeln!“. kk

Ansprechtpartnerinnen:

Für das Projekt Ernährungswende:
Projektleiterin Dr. Ulrike Eberle
Öko-Institut e.V.
Bereich Produkte & Stoffströme

Für das Projekt „Agrobiodiversität entwickeln!“
Franziska Wolff
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Bereich Umweltrecht

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Interview: Land sollte Förderschwerpunkt bei Biomasse-Kraftwerken setzen

Erwartungen an Günther Oettinger / Ludwigsburger Zeitung spricht mit Dierk Bauknecht

Seit April wird Baden-Württemberg von dem neuen Ministerpräsidenten Günther Oettinger regiert. Welche Erwartungen an ihn beim Thema Energiepolitik gestellt werden, wo die größten Defizite der vorherigen Landesregierung lagen und wohin sich das Land langfristig energiepolitisch orientieren sollte, darüber sprach die Ludwigsburger Kreiszeitung mit Dierk Bauknecht, Energie-Experte im Freiburger Büro des Öko-Instituts e.V..

Das vollständige Interview in der Ludwigsburger Kreiszeitung vom 12. April 2005 lesen Sie hier. Lesen Sie außerdem zu diesem Thema den Beitrag „Baden-Württemberg: Längere Laufzeit der Kernkraftwerke ist keine Lösung“ im Newsletter 02/05 unter der Rubrik ÖkoKompakt auf www.oeko.de/newsarchiv.htm.

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Appetit auf Schule

Fachtagung: Wege zu einer Ernährungswende in der schulischen Praxis

Ein Schokoriegel in der großen Pause? Pommes mit Ketchup? Oder doch lieber Vollwertmensa? Der Ausbau von Ganztagsschulen – und damit die Notwendigkeit eines Mittagstischs an Schulen – stellt Schulträger und Schulen vor neue Herausforderungen. Wie der Einstieg in eine Ernährungswende an Schulen machbar ist, möchte das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) auf der Tagung „Appetit auf Schule“ am Montag, 20. Juni im Umweltforum Berlin gemeinsam mit Entscheidungsträgern aus Politik und Schule, WissenschaftlerInnen, ElternvertreterInnen und Anbietern von Gemeinschaftsverpflegung diskutieren. In Vorträgen, Arbeitsgruppen und Talkrunden werden Voraussetzungen und Ziele, aber auch die Umsetzbarkeit und Finanzierung eines gesunden Mittagessens an Schulen erörtert. Den Hintergrund der Tagung bilden Leitlinien für eine Ernährungswende in der Schule, die erstmals öffentlich vorgestellt werden. Die Leitlinien sind ein Ergebnis des Verbund-Forschungsprojektes „Ernährungswende“. „Ernährungswende“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Forschungsverbundes Ökoforum unter der Leitung des Öko-Instituts e.V., an dem das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, das KATALYSE-Institut für angewandte Umweltforschung und das Österreichische Ökologie Institut für angewandte Umweltforschung beteiligt sind. Das Forschungsvorhaben wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt „Sozial-ökologische Forschung“ gefördert.

Das ausführliche Programm zur Tagung lesen Sie hier. Veranstaltungsort ist das Umweltforum Berlin, Pufendorfstr. 11. Anmeldungen nimmt Claudia Nikschtat , IÖW, Potsdamer Str. 105, 10785 Berlin per Telefon unter 030/884 59 4-16, per Fax an 030/882 54-39 oder per E-Mail an kommunikation@ioew.de entgegen.

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Wer braucht die Grüne Gentechnik?

Globale Auseinandersetzungen über die Zukunft der Welternährung

Die Sicherung der Welternährung ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. Wie groß der Anteil der Grünen Gentechnik an der Lösung dieses Problems sein kann, ist jedoch umstritten. Ungeachtet dieser Debatte wird für das Jahr 2004 eine Anbaufläche für gentechnisch veränderter Pflanzen von 81 Millionen Hektar in 17 Staaten der Erde gemeldet. Die gesetzliche Regulierung der Nutzung der Gentechnik wurde in vielen Ländern begonnen. Dabei ist es jedoch von besonderer Bedeutung, dass auch der grenzüberschreitende Verkehr gentechnisch veränderter Pflanzen geregelt wird. Welche Aspekte müssen bei einer Regulierung der Gentechnik-Nutzung im globalen Maßstab besonders berücksichtigt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die dreitägige Fachtagung „Wer braucht die Grüne Gentechnik? – Globale Auseinandersetzungen über die Zukunft der Welternährung“ von Montag, 27. Juni bis Mittwoch, 29. Juni in Iserlohn.

Im Rahmen der Tagung spricht Ruth Brauner, Koordinatorin des Bereichs Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft im Freiburger Büro des Öko-Instituts e.V. zum Thema „Koexistenz im Anbau?“. Veranstalter sind der Evangelische Entwicklungsdienst, das Forum Umwelt und Entwicklung, die EKD-Kammer für Nachhaltige Entwicklung und das Institut für Kirche und Gesellschaft. Veranstaltungsort ist das Haus Ortlohn, Berliner Platz 12, 58638 Iserlohn. Anmeldungen nimmt Margrit Püster, Berliner Platz 12, 58638 Iserlohn unter Telefon 02371/352-187, per Fax unter 02371/352-169 oder per E-Mail an m.puester@kircheundgesellschaft.de entgegen.

Weiter Informationen finden Sie hier. Das vollständige Programm lesen Sie hier.

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I M P R E S S U M

Herausgeber
Öko-Institut e.V.
Institut für angewandte Ökologie

Redaktion
Referat Öffentlichkeit & Kommunikation
Christiane Rathmann
Katja Kukatz

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