17.03.2010
Das Interesse an Elektroautos nimmt zu - auf Seiten der Automobilhersteller und der Energiekonzerne, aber auch in Politik und Gesellschaft. Doch damit elektrisch angetriebene Fahrzeuge in großer Stückzahl auf den Markt kommen können, müssen noch zahlreiche Herausforderungen bewältigt werden. Das Öko-Institut hat jetzt eine Reihe von neuen Forschungsvorhaben gestartet und will dazu beitragen, Wissenslücken beim Thema Elektromobilität zu schließen. „Wir werden wissenschaftlich fundiert prüfen, unter welchen Bedingungen Elektroautos die Umwelt entlasten“, sagt Dr. Wiebke Zimmer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Öko-Institut und Expertin für nachhaltige Mobilität. „Nur so können die entsprechenden politischen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derart gestaltet werden, dass die Elektromobilität langfristig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.“
Die neuen Projekte im Überblick
Wer beeinflusst wen? Elektroautos und der Energiemarkt
Wie attraktiv und akzeptiert sind
unterschiedliche Konzepte von Elektromobilität in der Gesellschaft? Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen elektrisch
betriebenen Fahrzeugen und dem Stromsektor? Welche Umweltauswirkungen ergeben sich? Wie müssen die politischen,
technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgestaltet werden, so dass Elektroautos langfristig dazu
beitragen, die Treibhausgasemissionen im Verkehr entscheidend zu verringern. Zusammen mit dem Institut für
Sozial-Ökologische Forschung (ISOE) untersucht das Öko-Institut in dem Projekt „Umweltentlastungspotenziale von
Elektrofahrzeugen - Integrierte Betrachtung von Fahrzeugnutzung und Energiewirtschaft“ diese Fragen. Dieses
Forschungsvorhaben wird vom Bundesumweltministerium gefördert.
Elektroautos beim Software-Entwickler SAP
Lassen sich Elektroautos in Betriebsflotten integrieren?
Wo können die Unternehmen sie als Dienstwagen am besten einsetzen? Werden sie von den Fahrern angenommen und verändert
sich deren individuelles Mobilitätsverhalten? Diesen Fragen geht das Öko-Institut gemeinsam mit dem Institut für
Sozial-Ökologische Forschung (ISOE) und der Hochschule Mannheim am Beispiel des Software-Entwicklers SAP nach. Die
Experten begleiten den Einsatz von Elektrofahrzeugen als Firmenwagen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Die
Testflotte soll mit Öko-Strom geladen werden, den der regionale Energieversorger MVV liefert. Ab Sommer 2010 werden
Elektroautos verschiedener Hersteller getestet. Auch das Projekt „Future Fleet“ wird vom
Bundesumweltministerium gefördert.
Weitere Informationen unter: www.futurefleet.de
Batterie-Recycling: Zusammenarbeit mit Daimler AG, Umicore und TU Clausthal
Wie lassen sich Lithium-Ionen-Batterien aus Elektrofahrzeugen umweltverträglich und effizient recyceln? Ein
Konsortium aus der Daimler AG, dem Unternehmen Umicore und der TU Clausthal entwickelt zu dieser Frage ein
realisierbares Konzept. Die Partner betrachten dabei die gesamte Prozesskette - angefangen vom demontagegerechten
Batteriedesign über Logistikprozesse (Sammlung, Transport, Lagerung) und Demontage bis hin zur Rückgewinnung der
Wertstoffe (Lithium, Kobalt etc.). So sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um später das Recycling im großen
Stil realisieren zu können. Schwerpunkt der Öko-Instituts-Wissenschaftler: Sie erstellen Öko-Bilanzen, um die
Umweltverträglichkeit der Prozesse zu prüfen. Das Projekt „LiBRi“ wird vom Bundesumweltministerium
gefördert.
Kritische Analyse des internationalen Wissensstands und offene Fragen zu Elektromobilität
Bereits abgeschlossen ist eine kritische Literaturanalyse zum aktuellen Stand der Technik und zu den
Umweltauswirkungen, die eine Einführung von Elektroautos im großen Stil in Europa hätte. Im Auftrag der Europäischen
Umweltagentur (EEA) haben Wissenschaftler des Öko-Instituts für das „European Topic Centre on Air and Climate
Change“ mehr als 400 Literaturquellen ausgewertet. Damit liegt nun eine ausführliche Analyse des aktuellen
Wissensstands vor. Herausgearbeitet haben die Wissenschaftler zudem weitere dringende Forschungsfragen, die zur
fundierten Bewertung von Elektromobilität adressiert werden müssen.
Weitere Informationen unter: air-climate.eionet.europa.eu
Der Hintergrund
Um beurteilen zu können, welche Emissionsbilanz Elektrofahrzeuge haben, müssen die gesamten Emissionen im Vergleich zu
konventionellen Autos betrachtet werden. Zwar stoßen Elektroautos bei der Fahrt kein klimaschädliches CO2 aus, bei der
Stromherstellung können jedoch hohe Emissionen entstehen. Nur wenn das „grüne“ Auto mit Strom aus
regenerativen Energien gespeist wird, ist es ein echter Gewinn für die Umwelt.
Weiteres Problem: Eine Markteinführung in großer Stückzahl hätte Auswirkungen auf die Rohstoffnachfrage, da diverse, zum Teil seltene Metalle in Batterien und Elektromotoren verarbeitet werden. Auch beim Recycling der Elektroautos müssen daher neue Wege beschritten werden.
AnsprechpartnerInnen
Elektromobilität:
Dr. Wiebke Zimmer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institutsbereich Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: 030/40 50 85-363
E-Mail Kontakt
Batterie-Recycling:
Dr. Matthias Buchert
Leiter des Institutsbereichs Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon 06151/81 91-47
E-Mail Kontakt