Safety Case – mehr Sicherheit für atomare Endlager
22.09.2010
Öko-Institut ergänzt Anforderungen um sozialwissenschaftliche Aspekte
Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle erfordert Sicherheit auf höchstem Niveau, umfassend und auf Dauer. Alle Argumente für die Sicherheit des Endlagersystems und die Berücksichtigung der bestehenden Unsicherheiten werden in einen so genannten Safety Case aufgenommen. Dieser stellt eine Sammlung von Argumenten und Belegen, die die Sicherheit der jeweiligen Anlage zeigen, dar.
Entscheidungsgrundlage schaffen
Der Safety Case soll für Behörden und politische Entscheidungsträger, aber auch für Wissenschaftler und Techniker sowie für die breite Öffentlichkeit alle wichtigen Informationen über das Endlager ausreichend detailliert, klar und nachvollziehbar darstellen und mehr Transparenz schaffen.
In Deutschland ist bisher nicht festgelegt, wie ein Safety Case aufgebaut sein sollte. Vor allem werden bislang technisch-naturwissenschaftliche Sicherheitsaspekte thematisiert. Da Sicherheit – und ihr Gegenstück Risiko – mehrdimensionale Konzepte sind, wird zunehmend darüber diskutiert, ergänzend zu den technischen Anforderungen auch sozialwissenschaftliche Aspekte, wie beispielsweise planerische und organisatorische Aufgaben, zu betrachten und in Prozesse zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle zu integrieren.
Sozialwissenschaftliche Aspekte der Endlagersuch
Beispiele hierfür sind die Verfügbarkeit kompetenter Mitarbeiter über mehrere Jahrzehnte oder das Sicherstellen eines kontinuierlichen Informationserhalts und -transfers. Auf internationaler Ebene gibt es allgemeine Empfehlungen, neben den technisch-naturwissenschaftlichen Fragestellungen auch sozialwissenschaftliche Aspekte in Sicherheitsnachweisen zu behandeln. Konkrete Hinweise, wie diese Empfehlungen umzusetzen wären, existieren allerdings nicht.
Ein interdisziplinäres Team des Öko-Instituts, bestehend aus Sozialwissenschaftlern und technisch orientierten Wissenschaftlern, hat diese Thematik aufgenommen und im Auftrag des Projektträgers des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Projektträger Karlsruhe (PTKA-WTE), eine Methode erarbeitet, um sicherheitsrelevante sozialwissenschaftliche Aspekte zu identifizieren.
Dabei wurden nicht nur nationale wie internationale Ansätze aus der Kerntechnik betrachtet, sondern auch der Umgang mit sozialwissenschaftlichen Aspekten bei anderen sicherheitsrelevanten Industrien wie der Luftfahrt, der Chemischen Industrie oder Offshore-Anlagen analysiert.
Modellentwicklung für mehr Sicherheit
Aus den so gewonnenen Erkenntnissen wurde ein Modell entwickelt, das die sozialwissenschaftlichen Aspekte systematisch und umfassend beschreibt. Dieses Modell geht damit im Betrachtungsumfang über die typischen nationalen und internationalen Anforderungen für Sicherheitsnachweise in der Endlagerung hinaus.
Außerdem wurden Empfehlungen zur methodischen Gestaltung und Weiterentwicklung des Safety Case entwickelt. Damit wurde eine wichtige wissenschaftliche Basis für die Behandlung sozialwissenschaftlicher Aspekte im Safety Case geschaffen – und somit zu mehr Sicherheit eines deutschen Endlagers beigetragen.
Auf dem Symposium „Mensch – Technik – Organisation: Sicherheit als ganzheitliche Aufgabe“ der TÜV Nord Akademie in Berlin im November 2010 hat das Öko-Institut Teile der Studie vorgestellt.
Ansprechpartnerinnen:
Beate Kallenbach-Herbert
Leiterin des Institutsbereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49-6151/8191-19, E-Mail Kontakt
Dr. Bettina Brohmann
Leiterin des Institutsbereichs Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49-6151/8191-40, E-Mail Kontakt
Angelika Spieth-Achtnich
Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Institutsbereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49-6151/8191-55, E-Mail Kontakt
